Nürnberg
Mobilität im Großraum Nürnberg

30 Jahre VGN: Eine Erfolgsgeschichte auf vielen Linien

Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg wurde heute vor genau 30 Jahren ins Leben gerufen. Flächenmäßig ist er der zweitgrößte Verbund Deutschlands.
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30 Jahre Verkehrsverbund Großraum Nürnberg - eine durchaus erfolgreiche Geschichte. Im letzten Jahr nutzen 243 Millionen Fahrgäste dieses ÖPNV-Angebot. Foto: Daniel Karmann/dpa.
30 Jahre Verkehrsverbund Großraum Nürnberg - eine durchaus erfolgreiche Geschichte. Im letzten Jahr nutzen 243 Millionen Fahrgäste dieses ÖPNV-Angebot. Foto: Daniel Karmann/dpa.
Die Initiatoren des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg wollten mit dessen Gründung am 27. September 1987 zuallererst den Pendlerverkehr in der Städteachse Nürnberg-Fürth-Erlangen-Schwabach in den Griff bekommen. Das waren die Anfänge des VGN. Heute sind die Ziele wesentlich weiter gesteckt.

Da geht es natürlich um attraktive Angebote im öffentlichen Personenverkehr, aber auch um Fragen des Klimaschutzes, gerade in einem Ballungsraum wie Nürnberg. Die Konzentration auf Nürnberg allein ist allerdings längst passé. Heute ist der Verbund polyzentrisch organisiert, zum Beispiel mit kleineren Verkehrsdrehscheiben um Bamberg und Bayreuth.


Von Lichtenfels bis ins Altmühltal


Zum Erfolgsmodell wurde der VGN letztlich aufgrund des Konzepts einer Zusammenarbeit von Gebietskörperschaften über deren eigene Grenzen hinweg. Mit dem Ergebnis, dass heute ein Lichtenfelser zum Beispiel mit einer Fahrkarte per Bus und Bahn die fränkische Seenplatte bei Gunzenhausen ansteuern kann.

Genau das macht den öffentlichen Personennahverkehr attraktiv. Acht kreisfreie Städte und 16 Landkreise in Ober-, Mittel- und Unterfranken gehören heute dem VGN an. Dazu kommen Teile der Oberpfalz. Insgesamt 780 Linien werden von mehr als 100 Verkehrsunternehmen betrieben, die wiederum im letzten Jahr 243 Millionen Fahrgäste beförderten.

Mit einer Fläche von 15.100 Quadratkilometern hat sich der VGN inzwischen zum zweitgrößten Verkehrsverbund in Deutschland entwickelt. Wobei einem weiteren Wachstum natürliche Grenzen gesetzt sind. Einzig im Norden wäre eine Erweiterung noch sinnvoll, wobei die betreffenden Landkreise Coburg, Kulmbach und Kronach nach einer Kosten-Nutzen-Abwägung bislang von einem Beitritt zum Verbund absehen.

Der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner erklärte allerdings, er strebe weiter einen Beitritt an. Bislang sei dies lediglich an den Finanzen gescheitert. Aber es gebe hoffnungsvolle Signale aus Nürnberg. Schneller als Kulmbach ist der unterfränkische Landkreis Haßberge im Westen. Er wird ab 1. Januar 2018 zum Verbundgebiet gehören.


Ausbau der Infrastruktur


Letztlich war der VGN dafür verantwortlich, dass es bis heute zum Ausbau eines leistungsfähigen U- und S-Bahnnetzes im Großraum Nürnberg kam. Aber auch der ländliche Raum profitierte durch den Ausbau der Stadt- und Ortsbusverkehre. In Zeiten geringer Auslastung ergänzt das Anrufsammeltaxi das Verkehrsangebot. An Wochenenden sind zudem Nightliner und weitere Nachtbusse im Einsatz.

Längst gibt es auch digitale VGN-Angebote. Ticketkauf per Handy schon seit zehn Jahren, weshalb VGN-Geschäftsführer Andreas Mäder auch nicht bange ist vor der Zukunft. Seine Vision: Über eine Verknüpfung des öffentlichen Verkehrs mit Carsharing oder Radleihsystem und dem privaten Pkw für eine umweltfreundliche Symbiose von öffentlichem und individuellem Verkehr sorgen.





Kommentar des Autors Klaus Angerstein:

Besser mit Bus und Bahn
Es sei an dieser Stelle einmal eine Lanze für den öffentlichen Personennahverkehr gebrochen. Warum? Weil es Prognosen gibt, denen zufolge das Verkehrsaufkommen beim ÖPNV, mit dem Fahrrad oder auch zu Fuß in den nächsten zwei Jahrzehnten zurückgehen wird. Eine fatale Entwicklung, weil gleichzeitig wieder mehr Strecken mit dem Auto zurückgelegt werden. Contraproduktiv, wenn etwas gegen den Treibhausgasausstoß im Land getan werden soll. Immerhin ist der Verkehrssektor für 18 Prozent dieses Ausstoßes im Land verantwortlich. Und für 79 Prozent der Emissionen im Straßenverkehr ist wiederum das Auto verantwortlich. Unabhängig von der Diskussion um Elektromobilität, Biokraftstoff und Wasserstoffantrieb brauchen wir für unsere angestrebten Klimaziele eine Reduzierung des Verkehrs. Das geht, wenn wir uns auf den ÖPNV konzentrieren, Verbundkonzepte optimieren und das Fahren mit Bussen und Bahnen für die Bürger attraktiv gestalten.
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