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Containern in Nürnberg: Aktivist bezieht Essen aus Supermarkt-Mülltonnen

Der Nürnberger Alex Cio geht regelmäßig containern und holt dabei weggeworfenes Essen aus Supermarkt-Mülltonnen. Eine Aktivität, für die zwei Studentinnen bereits verurteilt wurden. Trotzdem möchte Cio nicht anonym bleiben, er setzt sich dafür ein, dass weniger Essen entsorgt wird.
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So sehen viele Mülltonnen hinter Supermärkten in Nürnberg aus. Viele Menschen finden das nicht in Ordnung - und gehen deshalb containern. Foto: Alex Cio
So sehen viele Mülltonnen hinter Supermärkten in Nürnberg aus. Viele Menschen finden das nicht in Ordnung - und gehen deshalb containern. Foto: Alex Cio
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Aldi, Edeka, Rewe, Netto und Norma:Ein Nürnberger containert bei all diesen Supermärkten. Einmal pro Woche geht Alex Cio auf Streifzug und holt sich Essen aus dem "Abfall". In sozialen Medien zeigt er, was alles in den Tonnen der Supermärkte landet.

Vor sechs Jahren zum ersten Mal containern in Nürnberg

Als er vor sechs Jahren vom Containern gehört hat, sei er überrascht gewesen, sagt Cio: "Es kann nicht sein, dass Essen weggeschmissen wird". Deswegen zog er einfach los und schaute sich bei den Supermärkten um.

Meistens sei er alleine unterwegs, ab und an komme jemand mit. Am besten sei es, wenn jemand ein Auto hat, weil "man dann mehr transportieren kann". Alleine diese Aussage spiegelt die Menge an Lebensmitteln wieder, die von Supermärkten weggeworfen wird.

Essen aus Mülltonnen: Nürnberger dokumentiert Ausbeute

Die Ausbeute ist vielfältig, erzählt Cio: Obst, Gemüse, sogar Mangos mit eingebranntem Biolabel seien dabei. So kommt Alex an Sachen, die er sich sonst vielleicht gar nicht kaufen würde. Und das Beste dabei: Die meisten Sachen seien frisch und noch mehr als genießbar. Lediglich auf die Optik müsse man manchmal verzichten. Im Zweifelsfall nimmt der Nürnberger die Sachen einfach mit nach Hause, um noch mal einen genaueren Blick darauf zu werfen.

Aber nicht nur Lebensmittel bekommt er aus der Tonne. Auch Souvenirs und Accessoires hat er schon gefunden. Einmal sogar eine Jacke von JOOP.

Supermarkt-Container meist leicht zugänglich

Containert wird bei allen gängigen Supermärkten: "Man hat fast das Gefühl, dass die Supermärkte ein Battle bestreiten, wer am meisten wegwirft", meint Cio. Besser sehe es da bei den Biomärkten aus: "Oftmals sind die in irgendwelchen 'Fair-Teiler'-Projekten organisiert, da wird nicht so viel weggeschmissen."

Bei den Supermärkten seien die meisten Müllcontainer einfach zugänglich und nicht abgesperrt. Auf die Frage nach der Vorbereitung reagiert Cio mit Verwunderung: "Man nimmt einfach zwei Taschen zum Tragen und zieht los. Mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß." Die Mülltonnen der Supermärkte seien relativ leicht zu finden, man müsse nur schauen, werde aber mit Sicherheit schnell fündig. Besonders in den Ladezonen stünden die Container oft rum.

Containern gilt als Diebstahl oder Hausfriedensbruch - Cio hatte noch keine Probleme

In der Vergangenheit kam es des Öfteren zu Anzeigen, weil Containern als Diebstahl oder Hausfriedensbruch deklariert wird. Erst im Juni 2018 wurden zwei Studentinnen von der Polizei beim Containern erwischt und danach verurteilt.

Cio habe hingegen noch keine Probleme gehabt. Wenn ihn mal jemand in Aktion "erwischt", bleibe er ruhig und renne nicht weg. Vielmehr erkläre er den Beobachtern, was er da tut und warum. Meist komme ihm viel Verständnis entgegen, sagt Cio. Er will nicht anonym bleiben, weil er die breite Öffentlichkeit für das Thema gewinnen will und das gehe nur, wenn er selbst öffentlich agiert.

Nürnberger will aufklären - und nutzt Social Media dafür

Um über das Thema Essensverschwendung aufzuklären, betreibt Cio mehrere Social-Media-Kanäle sowie ein Youtube-Konto, auf dem er regelmäßig über seinen Aktivismus spricht und andere Inhalte veröffentlicht. Zusätzlich nutzt er seinen Instagram-Account "dumpsterdivingart" sowie eine eigene Website, die sich mit dem Thema Containern beschäftigt. Sein Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich auf die Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen. "Jeder kleine Tropfen bringt uns ein Stück weiter."

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