Nürnberg
Weihnachten

Christkind oder Weihnachtsmann? Darum gibt es unterschiedliche Weihnachtsbräuche

Das zweite Jahr als Nürnberger Christkind kann Rebecca Ammon viel besser genießen als das erste. Sie weiß jetzt, was sie erwartet. Doch woher kommt überhaupt der Brauch, dass mancherorts das Christkind, anderswo der Weihnachtsmann Geschenke bringt?
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In Nürnberg ist die Frage, wer die Geschenke bringt, schnell geklärt: Rebecca Ammon  ist in ihrer zweiten Amtszeit als Nürnberger Christkind. Foto: Daniel Karmann/dpa
In Nürnberg ist die Frage, wer die Geschenke bringt, schnell geklärt: Rebecca Ammon ist in ihrer zweiten Amtszeit als Nürnberger Christkind. Foto: Daniel Karmann/dpa

Nervös wird Rebecca Ammon auch diesmal wieder sein, wenn sie am Freitag im goldenen Gewand vor Tausenden Menschen steht und den Nürnberger Christkindlesmarkt eröffnet. An sich aber, so erzählt die 18-Jährige, könne sie jetzt viel ruhiger sein. Denn es ist schon ihr zweites Jahr als Nürnberger Christkind. "Ich weiß, was auf mich zukommt", sagt Ammon. Inzwischen könne sie einschätzen, was Kinder sie fragen und wie sie darauf am besten reagiert. Letztes Jahr war das noch nicht so: "Da wurde ich ziemlich ins kalte Wasser geschmissen."

Was Wissenschaftler sagen

In Süddeutschland gibt es mehrere Weihnachtsmärkte, bei denen es dazugehört, dass junge Frauen in die Rolle des Christkinds schlüpfen. In Norddeutschland ist der Brauch weniger verbreitet. Dort bringt eher der Weihnachtsmann die Geschenke. Doch woher kommt das?

Antworten hat Rainer Wehse vom Institut für Volkskunde und europäische Ethnologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Demnach brachte bis Anfang des 16. Jahrhunderts in vielen bürgerlichen Familien noch der Nikolaus Geschenke - am 6. Dezember. Der Reformator Martin Luther (1483-1546) lehnte die Heiligenverehrung ab und wollte den Nikolaus in der Vorstellung der Christen durch den Heiligen Geist ersetzen, doch darunter konnten sich die einfachen Leute wenig vorstellen. Wehse vermutet, dass sie über die Vorstellung von Engeln auf eine eher mädchenhafte Gestalt kamen. Daraus habe sich das Christkind entwickelt. Gleichzeitig verschmolz im Süden der Nikolaus mit verschiedenen alpinen Figuren: Der Weihnachtsmann war geboren.

Weihnachtsmann entwickelte sich aus der Nikolaus-Figur

Einen anderen Ansatz verfolgt der Historiker Georg Seiderer von der Uni Erlangen. Wie weit zurück die Bräuche um Weihnachtsmann und Christkind gehen, kann er nicht sagen. Allerdings werde in einem Lied des norddeutschen Dichters Hoffmann von Fallersleben bereits 1835 der Weihnachtsmann erwähnt: "Morgen kommt der Weihnachtsmann". Auch Seiderer ist der Ansicht, dass sich der Weihnachtsmann aus der Nikolaus-Figur entwickelt hat. Dieser kommt im eher katholisch geprägten Süden schon am 6. Dezember; deshalb bringe an Weihnachten das Christkind - und nicht noch mal eine ähnliche Gestalt - die Geschenke. Im eher protestantischen Norden sei der Nikolausbrauch weniger verbreitet. Dort kommt stattdessen der Weihnachtsmann.

Ob Christkind, Weihnachtsmann oder doch die Eltern zuständig sind - auf Geschenke können sich die Kinder jedenfalls freuen. Das Nürnberger Christkind will die Vorweihnachtszeit genießen; die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr helfen ihr dabei. "Ich bin selbstsicherer geworden", sagt Ammon. "Ich kann mich viel mehr darauf freuen."

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