Nürnberg
Spritzen auf dem Spielplatz

Blutverschmierte Spritze auf Nürnberger Spielplatz: Hat sich ein Mädchen mit HIV infiziert?

Mit blutverschmierten Drogenbesteck soll ein Mädchen auf einem Spielplatz in Nürnberg kürzlich in Kontakt gekommen sein. Der Vorfall hat Diskussionen in der "Drogenhauptstadt" um die Sicherheit der Kinder ausgelöst.
Artikel drucken Artikel einbetten
Mitten auf dem Spielplatz findet ein Mädchen in Nürnberg eine blutverschmierte Spritze - nun besteht die Angst, dass sich das Mädchen mit HIV angesteckt haben könnte. Wie soll man mit dem Drogenproblem in Nürnberg umgehen?  Felix Zahn, dpa
Mitten auf dem Spielplatz findet ein Mädchen in Nürnberg eine blutverschmierte Spritze - nun besteht die Angst, dass sich das Mädchen mit HIV angesteckt haben könnte. Wie soll man mit dem Drogenproblem in Nürnberg umgehen? Felix Zahn, dpa

Eine blutverschmierte Spritze soll ein Mädchen kürzlich auf einem Spielplatz in Nürnberg berührt haben. Die Mutter befürchtet, dass sich das Kind aufgrund einer offenen Wunde mit dem HI-Virus angesteckt haben könnte. Einen ähnlichen Fall gab es zuletzt auch in Berlin: Dort war ein Fünfjähriger in eine mit dem HI-Virus infizierte Spritze getreten.

In Nürnberg steht derweil das endgültige Ergebnis noch nicht fest. Eine zweifelsfreie Diagnose soll frühestens in einer Woche vorliegen. Dennoch wirft der möglicherweise tragische Vorfall bereits ein Schlaglicht auf die Drogenproblematik in der fränkischen Metropole.

Nürnberg ist die bayerische Drogenhauptstadt. Die Zahl der Drogentoten ist gewaltig. 2016 gab es 20 Todesfälle. 2017 waren 19 Opfer von Heroin & Co. zu beklagen. Rund um den Hauptbahnhof trifft sich die harte Drogenszene.

Härte Kontrollen am Bahnhof - Drogenabhängige werden verdrängt

Die Polizei hat mit Sondereinheiten auf den dramatischen Anstieg der Drogenkriminalität reagiert und die Präsenz in der berüchtigten Königstorpassage zwischen Bahnhof und Altstadt massiv erhöht. Die Drogendealer bekommen das schärfere Vorgehen der Polizei besonders zu spüren. Allein im letzten Jahr haben Drogenfahnder rund um den Hauptbahnhof laut Sicherheitsbericht fast 150 Heroin-Deals vereitelt. Die verstärkten Kontrollen machen der Drogenszene offensichtlich Beine. Nach Meinung der Grünen sei die aus der Königstorpassage verdrängte Drogenszene nicht aus der Stadt verschwunden, sondern hätten sich lediglich andere Aufenthaltsorte gesucht.

Neue Treffpunkte auf Spielplätzen und in Wohnvierteln

Die neuen Treffpunkte würden teilweise in Wohnvierteln, neben Spielplätzen oder in Parks liegen. Bereits im Dezember 2017 haben die grünen Stadträtinnen Andrea Friedel und Andrea Bielmeier auf diese "besorgniserregende Entwicklung" hingewiesen. Eine verstreute Drogenszene sei "deutlich schwieriger im Auge zu behalten". Als Alarmsignal bewerteten die grünen Stadträtinnen bereits damals, dass die in der Königstorpassage aufgestellten Spritzenentsorgungsbehälter als Konsequenz der verdrängten Drogenszene kaum noch genutzt würden.

Nach dem aktuellen Fall mit der blutverschmierten Spritze auf dem Spielplatz fordert die grüne Stadträtin Andrea Friedel endlich Konsequenzen. Zehn zusätzliche Spritzen-Mülleimer müssten rund um die Innenstadt beispielsweise im Szene-Stadtteil Gostenhof aufgestellt werden. Außerdem verlangt Friedel einen Drogenkonsumraum für Nürnberg. Das ist eine alte Forderung der Grünen, die zuletzt im Juni diesen Jahres gemeinsam mit der SPD wiederholt worden ist. An dem "Nein" der CSU-Landesregierung sind die Pläne für ein Pilotprojekt in Nürnberg bislang immer gescheitert.

Sind Drogenkonsumräume die Lösung?

Zuletzt hatten die Befürworter von Drogenkonsumräumen triumphiert, weil sich ausgerechnet die Münchner Parteifreunde von Markus Söder & Co. für einen Drogenkonsumraum in der Landeshauptstadt ausgesprochen hatten.

Der Nürnberger CSU-Stadtrat Wolfram Scheurlen ist von der Idee dagegen nicht überzeugt. Scheurlen verweist auf praktische Probleme. "Ein Drogenkonsumraum hat nicht rund um die Uhr geöffnet und liegt nicht für jeden User um die Ecke", kritisiert Scheurlen, der Chefarzt an einer renommierten Kinderklinik in Nürnberg ist. Der Mediziner fordert stattdessen eine stärkere Verbreitung von "Naloxon". Dieses Medikament sei bei einer Überdosis lebensrettend. Außerdem fordert Scheurlen mehr Entzugsangebote und bessere Gesundheitshilfen. Neben Prävention setzt Scheurlen auf die Polizei. "Ich erhoffe mir, dass die Zahl der Drogentoten durch die verstärkte Polizeipräsenz am Hauptbahnhof und in der Königstorpassage in diesem Jahr deutlich zurückgeht", sagt Scheuerlen gegenüber diesem Medienhaus auf Anfrage.

Spielplätze besser überwachen

Zuletzt ist ein 35-jähriger Drogenabhängiger im August in einer Spielothek in der Nürnberger Südstadt verstorben. Der 35-Jährige war der Polizei seit langer Zeit als Konsument harter Drogen bekannt. Der Mann ist in diesem Jahr "erst" das sechste Drogenopfer in Nürnberg. Außerdem fordert CSU-Stadtrat Scheurlen, dass Spielplätze noch strenger überwacht und häufiger gereinigt werden.

Dreimal pro Woche wird derzeit in Nürnberg eine Sichtkontrolle auf den knapp 300 öffentlich zugänglichen Spielplätzen durchgeführt, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit und verweist auf jährliche Kosten in Höhe von über 500.000 Euro. Bei Spielplätzen mit häufigen Spritzenfunden wie beispielsweise im Szene-Stadtteil Gostenhof seien die Polizeikontrollen erhöht und zusätzliche Lampen angebracht worden. Die städtischen Spielplatz-Kontrolleure würden "Problem-Spielplätze" ebenfalls häufiger unter die Lupe nehmen.

Bei den dreimal wöchentlich durchgeführten Sichtkontrollen würde das Augenmerk zusätzlich auf herumliegendes Drogenbesteck gerichtet. Die Spielplatz-Kontrolleure würden nicht nur Spielgeräte und Sandflächen sondern auch angrenzenden Grünflächen überprüfen. Trotz aller Anstrengungen dürfte für Eltern vorerst eine bittere Erkenntnis bleiben: Solange öffentliche Spielplätze für Drogenabhängige attraktiv sind, können Kinder in der fränkischen Drogenhauptstadt auf diesen nicht unbekümmert spielen.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.