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Nürnberg
Lebensmittel

Bio hat noch Luft nach oben

Der Markt für biologisch erzeugte Lebensmittel wächst stetig. Das zeigt sich unter anderem bei den Aktivitäten der BayWa in Franken. Warum der Anteil am gesamten Lebensmitteleinzelhandel dennoch überschaubar bleibt, hat vor allem einen Grund.
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Im vergangenen Jahr gaben die Bundesbürger nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft fast elf Milliarden Euro für Bio-Lebensmittel aus. Symbolfoto: David-Wolfgang Ebener, dpa
Im vergangenen Jahr gaben die Bundesbürger nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft fast elf Milliarden Euro für Bio-Lebensmittel aus. Symbolfoto: David-Wolfgang Ebener, dpa

Aus der Nische ist die Bio-Branche längst raus. Die Verbraucher kaufen bewusster ein, machen sich auch bei ihrer Ernährung Gedanken über die Nachhaltigkeit. Zahlen über das vergangene Jahr liegen noch nicht vor, aber laut Marktforscher Helmut Hübsch von der GfK in Nürnberg ist der Trend zu mehr Bio ungebrochen. "Es gibt weiteres Wachstum im Markt. Neue Käuferschichten sind dazugekommen", berichtet Hübsch. Manchmal griffen die Leute ganz automatisch zu einem Bioprodukt, zum Beispiel wenn bei den Karotten in der Auslage nur diese Qualität zu finden sei. Es wachse aber auch die Gruppe derer, die nicht nur eins, sondern mehrere Bioprodukte in ihren Warenkorb legten.

Erfolgreiche Kooperationen

Kein Wunder. Längst sind die ökologisch erzeugten Lebensmittel nicht mehr nur in Bioläden oder den etablierten Biomarktketten mit steigender Zahl an Filialen zu finden. Auch Verbrauchermärkte und Discounter haben ihr Bio-Sortiment spürbar ausgebaut. Vor drei Wochen hat der Öko-Anbauverband Bioland ein Resümee nach einem Jahr Kooperation mit dem Lebensmitteldiscounter Lidl gezogen. "Die Bilanz ist durchweg positiv", sagte Bioland-Präsident Jan Plagge. Es habe durch die Kooperation mit Lidl im ersten Jahr eine Mengensteigerung von 30 bis 40 Prozent bei Bioland-Milch gegeben. Andere haben nachgezogen. So gibt es inzwischen zum Beispiel auch eine Partnerschaft von Demeter mit Kaufland.

Die Nachfrage nach Bio macht sich mehr und mehr auch auf der Erzeugerseite bemerkbar. So hat die BayWa ihre Bioaktivitäten ausgebaut. "Wir reagieren damit auf die Nachfrage der Landwirte", sagt BayWa-Agrar-Pressereferentin Antje Krieger. Die Erfassung von Ökogetreide sei gestiegen. Die Menge sei zwar niedriger als im konventionellen Bereich, gleichwohl habe es 2018/19 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eine Verdoppelung der erfassten Menge im BayWa-Vertriebsgebiet Deutschland (Bayern, Württemberg, Ostdeutschland) gegeben. Auch Ölsaaten wie Sonnenblumen, Raps oder Soja würden in Bioqualität erfasst.

Fördernachteile für Biobauern

Was Bayern betrifft, so finden sich die drei Standorte der BayWa für die Bio-Erfassung alle in Franken: in Hof, in Würzburg und in Stadtlauringen (Landkreis Schweinfurt). Mit dem Ökoanteil in der Region habe dies nichts zu tun, sagt Krieger. "Diese Konzentration liegt an der Vorreiterrolle, die die verantwortlichen BayWa-Mitarbeiter in Franken eingenommen haben." Zumal ein Zertifizierungsprozess nicht von heute auf morgen möglich sei.

"Sie müssen gewährleisten, dass es keine Vermischung gibt", sagt Krieger. "Nicht einmal Staub." Insofern dürfe ein Standort nie gleichzeitig nebeneinander konventionelle und Öko-Ware annehmen.

Bio ungebremst auf dem Vormarsch? Ein Biolandwirt aus Franken, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, berichtet von Preisverfall bei Bio-Roggen. Die Getreideart sei derzeit "ganz schwer bis nicht absetzbar", der Preis habe sich dem konventionell erzeugten Roggen stark angenähert. Beim anspruchsvolleren Weizen sei der Preis zwar noch stabil, aber noch etwas anderes bringe die bayerischen Biobauern derzeit ins Hintertreffen. Die staatlichen Förderungen für Biobauern seien zu Jahresbeginn gekürzt worden, sagt der Landwirt, und im Gegenzug erhielten konventionelle Höfe mehr Förderung. "Momentan sind in Bayern dadurch weniger Bauern bereit, auf Bio umzustellen."

Katja Gilbert vom Anbauverband Bioland will das so nicht bestätigen. "Die Betriebe interessieren sich nach wie vor für den Umstieg und stellen auch noch um", berichtet sie. Es gebe aber tatsächlich Fördernachteile.

Förderung trotz Insektizideinsatz

Cordula Rutz, Geschäftsführerin der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ), erklärt, dies hänge mit der Ausgestaltung des Bayerischen Kulturlandschaftsprogrammes (KULAP) zusammen, mit dem besondere ökologische Leistungen der Landwirtschaft - durch fünfjährige Verträge abgesichert - staatlich gefördert werden. Verträge, die eine Kombination aus Ökolandbau und vielgliedrigen Fruchtfolgen beinhalten, seien seit kurzem nicht mehr verlängerbar und auch nicht neu abzuschließen. Im Gegenzug erhielten konventionelle Betriebe, wenn sie in fünfgliedrigen Fruchtfolgen Raps oder andere Blühpflanzen anbauten, mehr Förderung - ohne Einschränkungen in Bezug auf Stickstoff-, Herbizid- und insbesondere auch Insektizideinsätze.

Dies ist laut Rutz eine völlige Umkehrung der nach außen propagierten Ziele der Staatsregierung. "Es ist das falsche Signal", sagt Rutz. Das Ziel, 30 Prozent der bewirtschafteten Fläche in Bayern bis 2030 auf Öko umzustellen, sei so schwerer zu erreichen. Aktuell werden rund elf Prozent der Fläche Bayerns ökologisch bewirtschaftet.

Digitalisierung hilft

Helfen könnte die Digitalisierung. Damit "rücken konventionell und Bio ein Stück weit zusammen", sagte unlängst Bay Wa-Chef Klaus Josef Lutz. Lutz geht davon aus, dass die Digitalisierung die Produktivität vor allem in der Biolandwirtschaft erhöht, weil dadurch das Ausfallrisiko der Ernte reduziert werden kann.

Entscheidend für den weiteren Bioaufwärtstrend bleiben aber die Verbraucher. Diese greifen bei Bio-Milch und Bio-Eiern inzwischen zwar ordentlich zu. Dennoch hat Bio immer noch weniger als zehn Prozent Marktanteil im Lebensmitteleinzelhandel. Und das wird sich so schnell auch nicht ändern. Der Grund ist der große Anteil an Fleisch- und Wurstwaren beim Lebensmittelkauf. Und da landet nur wenig Bioware im Einkaufskorb. Ein Bio-Schweinesteak, das dreimal so teuer ist wie das konventionelle? Ein Bio-Hähnchen sogar fünfmal so teuer? Diese Preise für Biofleisch wollen die Verbraucher in der Regel nicht zahlen.

BioFach in Nürnberg startet am Mittwoch

Messe Alljährlich im Februar blickt die Branche nach Nürnberg. Auf dem Messegelände dreht sich dann alles rund um das Thema Bio. Fachtreffen Heuer trifft sich die Fachwelt vom 12. bis 15. Februar. Es ist die größte Messe für ökologische Konsumgüter weltweit. Verbraucher sind nicht zugelassen. Die Messe gibt es seit 1990. Aussteller Mehr als 3200 Aussteller präsentieren in Nürnberg ihre Produkte. Ein Teil davon auf der gleichzeitig stattfindenden Messe "Vivaness", der internationalen Fachmesse für Naturkosmetik. Rund 50 000 Fachbesucher aus 134 Ländern werden erwartet. Branchenranking Die Bioketten haben in den vergangenen Jahren ihr Filialnetz stark ausgebaut, allen voran Denn's. Nach Filialen in Deutschland gelistet, liegt das Unternehmen aus Töpen (Landkreis Hof) mit großem Abstand auf Platz 1 (288 Filialen), vor Alnatura/Super Natur Markt (126), Bio Company (59), Basic (31) und Ebl (Fürth/29).