Nürnberg
Bardentreffen

Bardentreffen 2015: Das Fränkische Weltmusik-Spektakel

400 Musiker wussten beim 40. Nürnberger Bardentreffen die Zuhörer auf neun Bühnen im Herzen der Frankenmetropole zu begeistern. Für jeden musikalischen Geschmack war etwas dabei.
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Foto: Matthias Merz
Foto: Matthias Merz
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"Huuliharppu" lautet das schöne finnische Wort für "Mundharmonika". Die vier Herren der Gruppe "Sväng", die den aus allen Nähten platzenden Innenhof der Katharinenruine in der östlichen Nürnberger Innenstadt bespielen, geben alles auf diesem Instrument. "Mundharmonika-Artisten der Extraklasse" rühmt sie das Programmheft zum 40. Geburtstag des Bardentreffens. Die Franken kennen Sväng schon, ihre melancholischen Tangos, die flotten Balkanrhythmen, das tiefe Moll der Bassharmonika von Parsi Leino, die schnellen Volten von Dr. Jouko Kyhälä. Diese sonderbare Band war vor acht Jahren schon einmal da. Viele im Innenhof der Katharinen-Ruine sind am Freitagabend überzeugt, den Höhepunkt des Festivals bereits erlebt zu haben.


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Unter den Zuschauern übrigens, ganz verträumt, Stefan Stoppok, der das Bardentreffen am Donnerstag am Hauptmarkt eröffnet hatte. Und gleich nach dem rampensauigen Ruhrpott-Poeten, trat der exaltierte Schweizer Chansonnier Stephan Eicher auf. Er hatte die Dunkelheit abgewartet, damit man sein Dirigieren der "Automaten" ¬ besser betrachten kann. Die Instrumente Klavier, Schlagzeug, Bass oder Xylophon spielen menschenlos und ferngesteuert. Auf der Bühne steht nur der Sänger mit Gitarre, während ein ganzes Orchester das Hauptmarkt-Karree mit gewaltigen Sounds erfüllt. Wie hat sich dieses Festival doch gewandelt, in 40 Jahren. Nicht zuletzt ist es enorm gewachsen. Es begann mit 28 Liedermachern im Burggraben. Die 400 Musiker heute verteilen sich auf neun professionelle Bühnen - zum Jubiläumsfest erstmals vier Tage lang. 400 000 Euro beträgt heuer das Budget.

Das fränkische Weltmusikspektakel ist längst Deutschlands größtes "Umsonst-und -Draußen-Festival.
"Als die Klampfkraft versiegte, explodierte der Sound", resümiert der frühere AZ-Kulturgroßmeister Dieter Stoll. Diese Mischung macht's: Während am Hauptmarkt der einst feinhumorige Musik-Kabarettmeister Rainald Grebe seine zunehmend proll-lastigen Parolen schmettert, auf der MUZ-Bühne am Hans-Sachs-Platz sich der selbstzerstörerische Bird Berlin halbnackt abarbeitet, sind nach wie vor noch echte musikalische Nuggets auszugraben. Am Samstag stoßen wir am Hauptmarkt auf die viel zu unbekannte, wunderbare Gabby Young mit ihrer Band "& Other Animals". Mal jazzig, mal an ihre Grundausbildung als Opernsängerin erinnernd, schmettert die Britin ihre Balladen.

Doch nicht alle können die Versprechen einlösen, welche das Programmheft suggeriert. In der Samstagnacht ist die Insel Schütt weiträumig belagert. Tausende genießen, Party, Bier, lustige Leute und eine zahnlose Reggae-Ikone namens Winston McAnuff mit viel Getue und wenig Stimmkraft enttäuscht völlig.

Ungeschliffene Diamanten findet man auf allen Wegen. Zum Bardentreffen gehören die (noch) Unentdeckten am Straßenrand. Ein 16-jähriger junger Nürnberger namens Marius Staible brilliert am Akkordeon. Alles wird geboten: Jagdhornbläser, Irish Folk, Brit-Pop. Reggae, Cappoeira-Tänzer aus Brasilien, Trommelorgien aus Afrika, Samba Rhythmen, Gitarrenmädchen. "Das Bardentreffen ist Gott sei Dank schon erfunden worden. Sonst müsste man es unbedingt erfinden", hat die Kulturreferentin Julia Lehner zum Auftakt gesagt. Recht hat sie.
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