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Wirtschaft

Stellenstreichungen bei Autozulieferern aus Franken: Wie dramatisch ist die Situation für Mitarbeiter?

Die tiefe Krise der Autozulieferer betrifft auch Firmen aus Franken. Wegen der aktuellen Flaute in der Branche müssen die Unternehmen gegensteuern - denn die Firmenchefs gehen längst nicht mehr von einer vorübergehenden Konjunkturdelle aus.
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Mitarbeiter von Autozulieferern protestieren gegen Streichungen. Foto: Christoph Schmidt/ dpa
Mitarbeiter von Autozulieferern protestieren gegen Streichungen. Foto: Christoph Schmidt/ dpa

Leoni, Schaeffler, Brose, ZF, Bosch, Continental und Mahle - wie geht es weiter mit den Autozulieferern in Deutschland? Von der aktuellen Flaute sind sie alle betroffen. Aber wie wappnen sie sich dagegen und wie sind generell die Zukunftsaussichten?

Die Automobilindustrie und damit die Zulieferer hat mit der möglichen Abkehr vom Verbrennungsmotor sowie Marktproblemen in China, Indien und den USA eine saftige Strukturkrise ereilt. Und zwar viel schneller, als einige Konzernlenker erwartet hatten. Ein Überblick über die wichtigsten deutschen Zulieferer.

Leoni: "Brauchen keinen Arzt und keinen Pfarrer"

Der im SDax notierte Nürnberger Zulieferer ist wohl einer der bisher am stärksten Betroffenen der Branche in Deutschland. Firmenchef Aldo Kamper musste sich zuletzt schon gegen Untergangsszenarien wehren. "Wir brauchen keinen Arzt und keinen Pfarrer", sagte der Niederländer. Stattdessen setzt er trotz der anhaltenden Krise auf die Selbstheilungskräfte des Unternehmens.

Während die meisten Firmen der Branche zwar Einbußen wegstecken, aber immer noch gut über der Nulllinie wirtschaften, steckt der Kabel- und Bordnetzexperte bereits tief in den roten Zahlen. Im ersten Halbjahr liefen unter dem Strich 176 Millionen Euro Verlust auf.

Brose will kräftig investieren

Das Coburger Familienunternehmen musste ebenfalls Federn lassen und will mit "Kapazitätsanpassungen" reagieren. Man habe ein Programm zur Kostensenkung gestartet. Im ersten Quartal 2019 lagen die Umsätze um fünf Prozent unter dem Vorjahr.

Langfristig sieht Brose allerdings in den neuen Mobilitätstrends mehr Chancen als Risiken und will in neue Technologien kräftig investieren - mit 1,5 Milliarden Euro in den nächsten drei Jahren immerhin rund ein Viertel eines Jahresumsatzes.

Schaeffler: Etwas kürzer treten

Der größte fränkische Auto-Zulieferer aus Herzogenaurach sieht bisher noch keine Notwendigkeit für drastische Maßnahmen, will aber dennoch kürzer treten. So sollen etwa nach Brückentagen in der zweiten Jahreshälfte die Bänder still stehen.

Im März hatte das Unternehmen bereits einen Abbau von 700 Stellen in Deutschland und 200 im europäischen Ausland bekanntgegeben sowie vier Standorte auf den Prüfstand gestellt.

ZF deutlich unter Plan

Der Hersteller unter anderem von Getrieben aus Friedrichshafen ist breit aufgestellt - spürt aber dennoch den Gegenwind der Branche. Der ZF-Vorstand nahm seine noch im April geäußerte Umsatzerwartung um eine satte Milliarde Euro zurück - auf 36 bis 37 Milliarden Euro. Der Gewinn brach im ersten Halbjahr 2019 drastisch auf die Hälfte des Vorjahreswertes ein.

Chef Wolf-Henning Scheider musste einräumen, ZF liege deutlich unter Plan. In China reagierte ZF bereits mit Entlassungen. In Deutschland soll es dazu nicht kommen - es würden ausgleichende Maßnahmen wie etwa Gleitzeit reichen, heißt es von ZF.

Bosch: Stellenkürzungen seien unausweichlich

Der Vorsitzende der Bosch-Geschäftsführung, Volkmar Denner, hat es der "Süddeutschen Zeitung" jüngst vorgerechnet: Der Zulieferer setzt für das Einspritzsystem eines Dieselmotors zehn Mitarbeiter ein. Bei einem Benziner sind drei Bosch-Beschäftigte beteiligt, bei einem Elektrofahrzeug einer. Stellenkürzungen seien praktisch unausweichlich. Die Stuttgarter beschäftigen weltweit 410 000 Menschen. 50.000 Arbeitsplätze, davon allein 15.000 in Deutschland, hängen vom Diesel ab. Allerdings ist der größte Autozulieferer der Welt auch noch in anderen Sparten aktiv, etwa im Maschinenbau.

Continental: "teilweise disruptiven" Wandel in der Branche

Der Hannoveraner Traditionshersteller hat große Probleme, die Spur zu halten. "Derzeit ist das Marktumfeld sehr herausfordernd", sagte Vorstandschef Elmar Degenhart zuletzt, er sprach von einem tiefgreifenden, sich dramatisch beschleunigenden und "teilweise disruptiven" Wandel in der Branche. Es brauche nun "Kostendisziplin" - was für Conti auch heißen dürfte: Stellen streichen!

Wie viele der fast 245.000 Conti-Mitarbeiter es treffen werde, sei Gegenstand von Diskussionen mit der Gewerkschaft. An der Börse zeigt die Kurve der Conti-Aktie seit Wochen nach unten. Auch Verkäufe von Firmenteilen schloss Degenhart nicht aus. Das Reifengeschäft ist für Continental weiter ein fester Ertragspfeiler.

Mahle: Ankündigung von Werksschließung und Entlassungen

Auch bei den 79.000 Mitarbeitern von Mahle geht die Angst um. Der Betriebsrat des Stuttgarter Unternehmens hat ein Strategiepapier vorgelegt, das zu einem Entlassungsstopp bis 2025 führen soll. Die Geschäftsleitung hatte zuvor den Abbau von 380 der 4300 Stellen in Stuttgart und die Schließung eines Werks in Öhringen angekündigt.

Mahle hat bisher vor allem mit Filtern und Kolben Geschäfte gemacht. Inzwischen versuchen die Stuttgarter, den Hebel herumzureißen und stärker auf Elektromobilität zu setzen - auch bei Fahrrädern.

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