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Immobilien

Warum Häuser und Wohnungen in Nürnberg immer teurer werden

In Nürnberg sind die Preise für Immobilien 2015 deutlich gestiegen. Ein neues Reihenhaus kostet in der Stadt durchschnittlich bereits bis zu 550 000 Euro.
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Foto: Pelke
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"Für Ihre glückliche Zukunft!" Mit solchen Sprüchen werben Firmen in Nürnberg für ihre Immobilien. Beim Anblick der Preise dürfte vielen Interessenten allerdings der Atem stocken. "Wir haben einen erheblichen Nachfragedruck. Die Grundstücke sind begehrt, die Flächen sind rar und deshalb steigen die Preise", hat Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU) bei der Vorstellung des aktuellen Grundstücksmarktberichts am Mittwoch in Nürnberg gesagt.

Besonders auffällig ist der Preisanstieg bei Bestandsimmobilien. Für gebrauchte Wohnungen ist eine Preissteigerung in Höhe von elf Prozent ermittelt worden. Die Preise für Altbauwohnungen, die vor 1945 gebaut wurden, sind sogar durchschnittlich um 16 Prozent nach oben geklettert.

Noch leerer gefegt ist der Markt für unbebaute Grundstücke.
Bauherren mussten 2015 für Grundstücke durchschnittlich zwölf Prozent mehr berappen, um Ein- oder Zweifamilienhäuser im Stadtgebiet bauen zu können. Die Schwierigkeit besteht freilich darin, überhaupt ein unbebautes Grundstück zu finden. Das machen die folgenden Zahlen deutlich: In den letzten vier Jahren gingen die Verkäufe um 30 Prozent zurück. Gleichzeitig hat der Geldumsatz in diesem Segment im vergangenen Jahr den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen vor 25 Jahren erreicht.


Immobilien im Norden und Osten von Nürnberg sind besonders begehrt

Besonders begehrt sind Grundstücke, Häuser und Wohnungen im Norden und Osten der Stadt. Hier hat Frank Seidler vom städtischen Amt für Geoinformation als Vorsitzender des Gutachterausschusses und Herausgeber des Grundstücksmarktberichts die meisten Flächen dunkelrot markiert. Die leuchtende Farbe zeigt die bevorzugten Wohnlagen in der Frankenmetropole an.

Zum Preisanstieg sagt Seidler: "Ein Ende des seit etwa 2010 anhaltenden Preisanstiegs war 2015 nicht erkennbar." Immerhin seien die Preise für Neubauwohnungen mit einem Plus von vier Prozent nicht mehr so stark gestiegen. Das dürfte allerdings nur ein kleines Trostpflaster für Kaufinteressenten sein. Schließlich bewegen sich die Preise pro Quadratmeter hier bereits zwischen 2900 und 4800 Euro.

Jürgen Dörfler, Stadtrat der Freien Wähler (FW), kritisiert die Wohnungspolitik der Stadt. "Wir haben in Nürnberg einen überteuerten Verkäufermarkt. Die wenigen freien Bauflächen teilen sich die wenigen privaten Wohnungsbaugesellschaften untereinander auf." Die Stadt müsse auf dem Grundstücksmarkt selber als Projektentwickler in den Markt eingreifen, fordert der FW-Stadtrat weiter. Dazu müsse die Stadt selbst Grund und Boden erwerben und diesen in Eigenregie als Bauland zu günstigen Preisen vermarkten. Überlasse man weiterhin die Projektentwicklung den Privatfirmen, befürchtet Dörfler, steigen die Grundstückspreise weiterhin massiv an. "Wenn sich nichts ändert, werden junge Familien mit mittleren Einkommen weiterhin in die Peripherie gedrängt, um sich den Wunsch nach einem bezahlbaren Einfamilienhaus erfüllen zu können", ist sich Dörfler sicher.

Michael Fraas befürchtet, dass die "Mittelschicht weiterhin ins Umland" abwandert, wenn der Trend auf dem Grundstücksmarkt nicht gestoppt werden kann. Staatliche Förderprogramme von Bund, Land und Stadt können dabei helfen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Die Frage ist nur, ob die öffentliche Hand die Preisspirale auf dem Wohnungsmarkt stark genug bremsen kann. In Nürnberg sollen im Rahmen eines Sonderprogramms bis 2018 beispielsweise rund 1200 Wohneinheiten entstehen. Laut Wirtschaftsreferat würden knapp die Hälfte dieser Wohnungen Teil des geförderten Wohnungsbaus. "Auf diesen Flächen werden bezahlbare Wohnungen entstehen", ist sich Fraas sicher.

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