Nürnberg
Streitthema

Vier Gründe, die aus Naturschutz-Sicht gegen Laubbläser sprechen

Einmal im Geräteschuppen versprechen Laubbläser und Laubsauger erhebliche Arbeitserleichterung bei der Bewältigung der herbstlichen Blätterflut. Hier vier Gründe, warum laubbläser nicht sinnvoll sind
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Foto: David Ebener dpa
Foto: David Ebener dpa
Die Profi-Varianten von Laubbläsern kommen schon seit vielen Jahren bei städtischen Reinigungstrupps zum Einsatz. Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) rät aus Naturschutzgründen strikt davon ab. Hier die vier wichtigsten Bedenken des Umweltverbandes:

Nicht nur Laub wird beseitigt

Bei Laubsaugern gerät in die Saugrohre nicht nur Laub, sondern auch lockerer Oberboden, Humusteile und Pflanzenreste. Das gleiche Schicksal drohe auch Käfern, Spinnen, Tausendfüßlern, Asseln, Amphibien und Säugetieren bis zur Größe von Igeln. In Laubsaugern werden sie mit dem Laub meist zerhäckselt. Dabei haben sie in Gärten eine wichtige ökologische Funktion für den Boden. Die Folge: Eine Verarmung des Bodenlebens.

Nahrungsgrundlage für Tiere

Sofern kleinere Säugetiere diesem Schicksal dennoch entkommen, entziehen Laubsauger und Laubbläsern ihre Nahrungsgrundlage - abgestorbenes Pflanzenmaterial, Insekten und Weichtiere. Außerdem finden Kleinsäuger wie Igel nach der Entsorgung des Laubs nur noch unzureichend Schutz gegen die Winterkälte. Besser sei es, Laub zu Haufen aufzuschichten.

Lärm

Der Lärm der meisten Geräte ist außerordentlich hoch. Nach Erkenntnissen des Umweltbundesamtes erreichen die Geräte zwischen 80 und 100 Dezibel. Sie sind damit so laut wie eine Kreissäge und Presslufthammer.


Feinstaub

Für problematisch hält der Bund Naturschutz den Einsatz von Laubbläsern auch auf Wegen und Straßen. Der starke Luftstrom wirbele mit dem Laub auch den auf den Straßen liegenden Feinstaub auf. Dieser enthalte mit dem Diesel-Ruß und dem Abrieb von Reifen und Bremsen krebserregende Substanzen, die in die Lungen gelangen könnten. Hersteller von Laubbläsern raten deshalb beim Einsatz von Laubbläsern dringend zu einem Mundschutz.

Lärmgeplagten Städtern sind Laubbläser schon lange ein Dorn im Auge. Und auch Naturschützer ziehen seit Jahren gegen röhrende Laubsauger und Laubbläser in Parks und städtischen Grünanlagen zu Felde. Im Kampf gegen die herbstlichen Blättermassen will dennoch kaum eine bayerische Stadt auf die tragbaren Turboturbinen verzichten, die Blätter mit bis 250 Stundenkilometern zu Haufen blasen. Zu hoch wären die Kosten, wenn die Städte ihre Reinigungstrupps im Herbst wieder zu Harken und Rechen greifen ließen, wirbt man in den Rathäusern um Verständnis.

In einem Punkt sind die Kommunen aber inzwischen zu Zugeständnissen bereit: Statt der mehr als 100 Dezibel lauten benzingetriebenen Laubbläser statten die bayerische Großstädte ihre Reinigertrupps immer häufiger mit elektrobetriebenen Akku-Laubbläsern aus, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei bayerischen Großstädten. Auf Laubsauger verzichten die meisten Kommunen zum Schutz von Kleinstlebewesen in den Parkanlagen inzwischen sogar komplett.

Allein die Stadt Nürnberg hat in diesem Herbst bereits 20 Elektro-Laubbläser im Einsatz. "Die sind nicht lauter als ein Fön", berichtet die Sprecherin des für die öffentlichen Parkanlagen zuständigen "Service Öffentlicher Raum" (SÖR), Ulrike Goecken-Haidl. Der städtische Betrieb habe auch auf Bürgerbeschwerden reagiert. Zudem hat das Umweltamt die Stadttochter in die Pflicht genommen und sie zur Lärmminderung bei Arbeiten in Parks angehalten.

Dass trotzdem noch immer rund 150 knatternde Motorbläser in Nürnberg jeden Herbst zum Einsatz kommen, hat nach Angaben der SÖR-Sprecherin vor allem finanzielle Gründe: "Ein Bläser mit Benzinmotor kostet in der Anschaffung 800 Euro, ein Akku-Laubbläser dagegen 2700".

Einen Trend zum leiseren Elektro-Laubbläser gibt es auch in München, Würzburg und Augsburg. Dabei macht die Leiterin des Augsburger Amts für Grünordnung, Annette Vedder, auch klar, dass die Akku-Geräte nicht nur Vorteile haben. Sie seien nicht so langlebig wie Motorgeräte, ihre Einsatzzeit sei auf drei Stunden begrenzt und daher für große Flächen ungeeignet. Dass es ohne Laubbläser nicht mehr gehe, davon ist aber auch Vedder überzeugt.

Große Rasenareale per Harke vom Herbstlaub zu befreien, könne sich heute keine Kommune mehr leisten. Außerdem sei der Einsatz der Laubbläser schonender als die Arbeit mit groben Harken, ist sie überzeugt.
Das scheinen nicht alle Kommunen so zu sehen. Denn auch wenn sie selbst aus Kostengründen auf Laubbläser setzen - Privatleuten rät etwa die Stadt München im Kampf gegen das Herbstlaub von den dröhnenden Geräten ab - und empfiehlt Harken und Besen. Denn bei Laubbläsern gibt es ein großes Dilemma: Sie können nur bei trockenem Wetter eingesetzt werden. "Dabei wird dann aber viel Staub aufgewirbelt", gibt das Referat für Umwelt und Gesundheit in der Landeshauptstadt zu bedenken. Untersuchungen hätten nämlich gezeigt, dass die Blasgeräte mit dem Laub auch Blütenpollen und Mikroorganismen hoch wirbelten und so den Luftkeimgehalt erhöhten.

Der Kampf gegen die Feinstaub-Belastung hat inzwischen das österreichische Bundesland Steiermark zu drastischen Schritten veranlasst: In den Städten Graz und Leibnitz mit der größten Feinstaubelastung ist seit 1. Oktober 2014 der Einsatz von Laubbläsern generell verboten - testweise für ein Jahr. Denn Untersuchungen der Uni Graz hatten ergeben, dass bei der Arbeit mit Harken und Besen 65 Prozent weniger Feinstaub-Emissionen anfallen als mit Laubbläsern, berichtet der Sprecher des Ressorts für Verkehr und Umwelt bei der Landesregierung Steiermark, Stefan Hermann.

Die Reaktion der Bevölkerung auf das Verbot sei "durchweg positiv - vor allem wegen des verringerten Lärms in den Straßen und Parks von Graz und Leibnitz", berichtet der Sprecher. Nicht ganz so glücklich ist hingegen die Stadtverwaltung von Graz, räumt Hermann ein. Nach einer Rechnung der Stadtverwaltung ersetzt ein Laubbläser etwa vier fegende Arbeiter. Personellen Umschichtungen sollen nun den Mehraufwand abfedern. In der mit 500.000 Einwohnern doppelt so großen Stadt Nürnberg hält man den Verzicht auf Laubbläser angesichts des Spardrucks für geradezu undenkbar. "Ohne Laubbläser hätten wir bei der Laubbeseitigung jährlich 1,5 Millionen Euro Mehrkosten", sagt SÖR-Sprecherin Goeken-Haidl.
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