Nürnberg
Reichsbürger von Georgensgmünd

Verdacht des Geheimnisverrats: Reichsbürger hatte WhatsApp-Kontakt zu zwei Polizisten

Nach den Todesschüssen von Georgensgmünd auf einen SEK-Mann kam nun heraus, dass zwei Polizeibeamte in engem Kontakt mit dem mutmaßlichen Schützen standen.
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Zwei Polizisten hatten Chat-Kontakt zum Reichsbürger von Georgensgmünd. Vor dem Polizeieinsatz sei er wohl aber nicht gewarnt worden. Foto: Daniel Karmann/dpa
Zwei Polizisten hatten Chat-Kontakt zum Reichsbürger von Georgensgmünd. Vor dem Polizeieinsatz sei er wohl aber nicht gewarnt worden. Foto: Daniel Karmann/dpa
Zwei Polizeibeamte aus Westmittelfranken sind am Mittwoch vom Dienst suspendiert worden. Hintergrund: Sie sollen laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Nürnberg mit "Reichsbürger" Wolfgang P. (49), dem mutmaßlichen Todesschützen von Georgensgmünd, in Kontakt gestanden sein.

Im Fokus steht ein 49-jähriger Oberkommissar, der P. bereits im August informiert haben soll, was über den "Reichsbürger" im Polizei-Computer vermerkt gewesen sei. Genau zu dem Zeitpunkt also, als das zuständige Landratsamt Roth gegenüber P. ankündigte, dessen Waffen einziehen zu wollen. Wenn sich dieser Verdacht erhärten sollte, würde das eine Verletzung des Dienstgeheimnisses darstellen.

Der zweite suspendierte Beamte im Alter von 50 Jahren wird laut Oberstaatsanwalt Alfred Huber derzeit als Zeuge behandelt. Er tauschte sich wie sein Kollege wohl über eine WhatsApp-Gruppe mit dem "Reichsbürger" aus Georgensgmünd aus.


Datenträger sichergestellt

Bei beiden Polizisten durchsuchte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch deren Dienst- und Privaträume, stellte dort elektronische Datenträger wie Festplatten oder Handys sicher. Die Auswertung dieser Beweismittel werde wohl noch einige Wochen in Anspruch nehmen.

Weitere Zeugin ist auch die Lebensgefährtin des 49-jährigen Beamten, die wohl ebenfalls zur WhatsApp-Gruppe gehört hat. "Die Nähe zu den Reichsbürgern ist Besorgnis erregend und nicht zu tolerieren", sagte Johann Rast, der Polizeipräsident von Mittelfranken.

Oberstaatsanwalt Alfred Huber erklärte zudem, derzeit gebe es keine Erkenntnisse, dass die beiden Polizisten den "Reichsbürger" in Georgensgmünd vor der Razzia im Oktober etwa gewarnt hätten. Die Betonung lag bei dem Wort derzeit. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist nach eigenen Worten "entsetzt" über die neuen Erkenntnisse nach den Todesschüssen eines "Reichsbürgers" auf einen Polizisten. Er forderte eine lückenlose Aufklärung - vor allem, ob der "Reichsbürger" über die geplante Durchsuchungsaktion bei ihm schon im Vorfeld informiert worden sei. Herrmann betonte: "Das muss jetzt restlos aufgeklärt werden. Ob dieser Verdacht begründet ist oder sich als nicht begründet herausstellt."

Bei der Aktion am 19. Oktober war ein SEK-Beamter bei einem Schusswechsel ums Leben gekommen. Damals sollten Einsatzkräfte Waffen sicherstellen, nachdem dem 49-Jährigen die Genehmigung wegen Unzuverlässigkeit entzogen worden war. Seitdem sitzt Wolfgang P. in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird wegen Mordes ermittelt.

Nach wie vor macht er keine Angaben zur Sache, soll sich aber inzwischen einen Anwalt genommen haben. Reichsbürger lehnen den Staat und seine Gesetze ab und behaupten stattdessen, dass die Bundesrepublik gar nicht existiere.


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