Nürnberg
Rockkonzert

Udo Lindenberg in Nürnberg: bei den Franken zum Punken

Udo Lindenberg liefert mit dem Panik-Orchester und ziemlich prominenter Unterstützung im Nürnberger Stadion eine irrwitzige Bühnen-Show ab.
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Die Fans wissen gar nicht, wo sie hinschauen sollen. Fotos: Lisa Ölschlegel
Die Fans wissen gar nicht, wo sie hinschauen sollen. Fotos: Lisa Ölschlegel
Lemmy, David Bowie und Prince müssen sich gedulden: "Wir kommen nach, aber erst in 30 Jahren." Sagt ein so knittriger wie fitter Siebziger. Ein besonderer freilich: Udo Lindenberg war nie normal und wird es nie. Immer locker, alles easy. Warum auch verstorbene Legenden? Macht doch bedeutend mehr Spaß, mit kleinen grünen Männchen und unverschämt heißen Mädels auf der Bühne zu tollen. Einer gigantischen, natürlich. Die 25 000 Fans in Nürnberg wissen gar nicht, wo sie hinschauen sollen: Hier wird gerockt, dort getanzt, überall Comicfiguren, gewaltige Bilder. Und Udo? Der schwebt schon mal in 20 Metern Höhe durchs Stadion.
Hut, Sonnenbrille, viel zu enge Hose, Nietengürtel, alles in schwarz - neben Zigarre und reichlich Qualität die Konstanten in vier Jahrzehnten Panik-Rock. Der Rest? Irrsinn! "Ich bin hier bei den Franken, zum Schwanken und Punken" - keiner nuschelt Unsinn so herrlich frei von Peinlichkeit durch die zerknautschten Lippen. Weil oft was Sinniges hinterher kommt. Ein paar Plätze zuviel leer? Egal. "Der Rest ist noch draußen, auf Anti-Nazi-Demo." Lindenberg mag's, nicht nur in "Sie brauchen keinen Führer", immer Mal politisch: "Wir brauchen ein gemeinsames Europa, um den Hilfesuchenden aus den Kriegsgebieten helfen zu können. Und Angie eiert da mit dem Hilfssultan rum . . .". Schon klar, Frau Bundeskanzler ist nicht Udos "Mädchen aus Ostberlin" - das ist, in Lederleggins und bauchfrei geknoteter FDJ-Bluse, Josephin Busch, die Hauptdarstellerin seines Musicals "Hinterm Horizont".

Ein gutes Stück davon bringt Lindenberg mit nach Nürnberg. Das ist kein Konzert, das ist Show. Drei Stunden gerocktes Panoptikum. Zusammen mit Tauschsong-Star Daniel Wirtz singt der Meister "Cello" - und auf einem schwebenden Balken streichen drei halbnackte Schönheiten. Später rappt der bärtige Gast noch die "Bunte Republik Deutschland" - nichts muss, alles kann auf dieser bombastischen "Keine-Panik!"-Stadion-Tour.
Die ist keine Resterampe. Ob Gitarrist Carl Carlton, Keyboarder Jean-Jaques Kravetz oder Schlagzeuger Bertram Engel, übrigens allesamt auch Maffay-Mitstreiter - die überdimensionalen Videowände zeigen neben den Falten auch die unglaubliche Lässigkeit dieser Ausnahmemusiker, zu denen sich zwischendurch noch Helge Schneider zum Saxofon-Solo gesellt.

Da will "der kleine Udo" natürlich nicht hintenanstinken. Und liefert konzentriert: kaum ein Ton daneben, die Stimme fest, fordernd, provozierend, betörend. Dafür gehen seine Fans mit ihm durch dick und dünn - und alle Genrewechsel. Hardrock ("Odyssee", "Straßenfieber"), Rock'n'Roll ("Reeperbahn"), jazzigen Barsound ("Johnny Controlletti", "Alles klar auf der Andrea Doria"), Pop ("Ich mach' mein Ding"), Nachdenkliches ("Wozu sind Kriege da?") oder Schmachtfetzen ("Hinterm Horizon") - die Lindenberg-Liebhaber in Nürnberg feiern alles, und das schon viele Jahre. Da passt auch Udos beliebtes Bühnen-Schlückchen: der Eierlikör.

Zwei, drei Gläschen können auch nicht schaden, um zu verstehen, wie einer "Bodo Ballermann" oder "Gerhard Gösebrecht" schreiben kann, ohne rot zu werden. Eine "Honky Tonky Show" eben. Die einen außergewöhnlichen Abgang verlangt: im Weltraumanzug - zu "Woddy Woddy Wodka" und Feuerwerk. Auf diesen verrückten Panik-Rocker warten Lemmy, David Bowie und Prince sicher gern noch ein Weilchen - er würde ihnen im Himmel die Schau stehlen. Und die Show sowieso.

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