Nürnberg

Tim Bendzko "rettet" mit Mandelentzündung "die Welt"

Am Mittwochabend sang Tim Benzko in Nürnberg. Ein Musiker für die ganze Familie, findet unser Mitarbeiter Nikolas Pelke. Dennoch: "Etwas mehr Gekreische hätten dem Konzert vielleicht gut getan", findet er.
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Tim Bendzko rockt in der Frankenhalle in Nürnberg.  Foto: Nikolas Pelke
Tim Bendzko rockt in der Frankenhalle in Nürnberg. Foto: Nikolas Pelke
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Nicht wie ein harter Held, sondern wie ein netter Junge aus der Nachbarschaft schaut der Mann aus, der die Welt tatsächlich retten konnte. Zumindest in seinem Song "Nur noch die Welt retten" hat Tim Bendzko dieses Wunder vollbracht. Nach dieser tollkühnen Meisterleistung haben viele den Songwriter aus Berlin mit den blonden Locken ins Herz geschlossen. Dementsprechend groß ist der Andrang bei seinem Auftritt in der Frankenhalle am Mittwochabend in Nürnberg gewesen.

In der ersten Reihe starren Mädchen mit großen Augen auf die leere Bühne. Auf den Rängen sitzen Eltern mit ihren Kindern. Auch Großeltern sind dabei. Tim Bendzko schafft das, was früher nur "Wetten, dass..." konnte. Die ganze Familie in der Konzerthalle friedlich und fröhlich zu vereinen. Die Sanitäter müssen keine Fans am Rande des Nervenzusammenbruchs versorgen. "Das hatten wir bei den Backstreet Boys. Auch Tokio Hotel war richtig schlimm", erzählt der Mann mit dem roten Kreuz auf der Jacke. Ein Teenieschwarm ist der smarte Singer-Songwriter aus Berlin freilich trotzdem. Nur eben ein bisschen braver. Aber ist das schlimm?


Schwiegereltern lauschen

Denn auch wenn die erste Reihe nicht gleich reihenweise in Ohnmacht fällt. Als der blonde Bendzko in Blue-Jeans lässig die Bühne betritt, kreischen die Fans in der Halle schon ein bisschen. Nun ist endlich ein bisschen Stimmung in der Halle. Bendzko sagt "Hallo Nürnberg" und bittet das Publikum sich heute von der besten Seite zu zeigen. Begründung: "Meine Schwiegereltern sind im Publikum."

Danach drückt er auf die Tränendrüse. "Ich habe eine Mandelentzündung", gesteht der Sänger und hofft mit einem Lächeln in den Augen, dass die Stimme ihm nicht so schnell versagt. "Sonst müsst ihr halt singen", sagt er stimmt den ersten Song "Mein Leben ist dein Leben" an. Dann strahlt er und hüpft tanzend von einem zu anderen Ende der Bühne und singt von der "Zeit die uns bleibt". Die ist freilich unendlich. Bendzko ist alles andere als "No Future". Hoffnungsvoll bis naiv schaut er in die Zukunft: "Alles was vor uns liegt, wird gut sein." Die Dramaturgie erinnert an den "Welt retten"-Song. Vielleicht kann Bendzko das einfach. 148 Mails checken und trotzdem noch nett und gelassen bleiben. Das ist manchmal rührend, manchmal schön aber leider auch ein bisschen langweilig. Ein paar Nettigkeiten weniger und etwas mehr Gekreische hätten dem Konzert vielleicht gut getan. Aber vielleicht ist das auch ungerecht. Man ist halt keine 13 mehr.


Tim Bendzko gibt übrigens am 14. Juni auch in Bamberg ein Konzert. Dann wird der deutsche Singer-Songwriter unter freiem Himmel auf dem Domplatz auftreten.

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