Fürth
Strukturhilfe auf Bayerisch

Statistik-Landesamt zieht nach Fürth

Ob Bierausstoß oder neu erbaute Wohnungen - das Statistische Landesamt kennt die Zahlen dazu. Seit mehr als 200 Jahren erstellt es die amtliche Statistik - bislang in der Landeshauptstadt. Jetzt zieht die Behörde nach Fürth um - zum Ärger vieler Mitarbeiter.
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Die frühere Quelle-Zentralverwaltung wird derzeit für die Behörde umgebaut. Foto: dpa
Die frühere Quelle-Zentralverwaltung wird derzeit für die Behörde umgebaut. Foto: dpa
Liebe auf den ersten Blick war es nicht gerade: "Was für ein Fuchsbau!", entfuhr es Martin König seinerzeit, als er im Herbst Jahr 2009 zum ersten Mal einen Blick in die frühere Quelle-Zentralverwaltung in Fürth warf. Inzwischen hat sich die Skepsis des stellvertretenden Fürther Dienststellenleiters beim Statistischen Landesamt gelegt: "Das Gebäude ist gar nicht so schlecht. Von Art und Größe passt es haargenau zu uns. Wir bringen hier alle 539 Mitarbeiter unter", berichtet König. Dort, wo noch bis 2009 das Management das Versandhauses seinen Sitz hatte, sollen künftig Landesstatistiken erstellt werden.

Erste Abteilungen sind bereits von München nach Fürth umgezogen. Derzeit wird der verschachtelte Gebäudekomplex an der Nürnberger Straße für 39,2 Millionen Euro umgebaut. Bis zum Jahr 2019 soll der Umzug abgeschlossen sein.
Nur die wenigsten Landesamtsmitarbeiter wollen allerdings dem Ruf nach Fürth folgen. Gerade mal zehn Prozent von ihnen planten eine berufliche Zukunft in der Kleeblattstadt, berichtet König. Ein Teil gehe vorher in Ruhestand, der Rest hoffe auf eine Beschäftigung bei anderen Münchner Landesbehörden.

Das stellt sich allerdings, wie König einräumt, nicht immer einfach dar. "Denn Statistiker ist schon eine sehr spezielle Qualifikation. Die wird von Behörden nicht gerade händeringend gesucht - anders als etwa bei Haushaltsexperten oder Mitarbeitern in der Personalverwaltung", berichtet König. Besonders schwierig dürfte es im Jahr 2017 werden. Dann sollen auf einen Schlag 270 Arbeitsplätze von München nach Fürth verlegt werden. Bis dahin plant die Behördenleitung einen sanften Umzug mit lediglich 50 bis 100 Job-Verlagerungen pro Jahr.

Derzeit stellt die Landesbehörde nur noch Mitarbeiter ein, die zu einem Umzug nach Fürth bereit sind. "Inzwischen bewerben sich auch viele aus Franken - und nehmen in Kauf, dass sie die ersten zwei Jahre noch nach München pendeln müssen", berichtet Landesamtssprecher Gunnar Loibl.

Seine erste Bewährungsprobe hat das neue Behördengebäude bereits bestanden. In den weitläufigen Räumen der früheren Quelle-Poststelle ließ die Statistikbehörde die Volkszählung abwickeln. Rund 20 Millionen Befragungsbögen hatte die Behörde im Jahr 2011 hier eingescannt und weiterverarbeitet. Rund 100 neue Mitarbeiter hatte sie dazu am neuen Standort Fürth eingestellt. Viele von ihnen hatten zuletzt bei Quelle gearbeitet.

Ohne das Ende des Fürther Traditionsunternehmens wäre es wahrscheinlich nie zu der Verlagerung der seit 1808 bestehenden Landesbehörde gekommen. Der Schock über den Niedergang des Versandhaus-Unternehmens hatte 2009 auch die Staatsregierung unter Zugzwang gesetzt. Neben millionenschweren Struktursondermitteln für den Großraum Nürnberg beschloss die Regierung unter Horst Seehofer (CSU) zugleich die Verlagerung des Statistik-Landesamtes nach Fürth.

"Damals war das der Hammer hoch drei", beschreibt der stellvertretende Personalratsvorsitzende Franz Lambert die Stimmung, als Innenminister Joachim Herrmann 2009 den Umzug des Landesamtes verkündete. "Inzwischen sehen das viele ein bisschen lockerer. Aber begeistert ist keiner", berichtet der Mitarbeitervertreter. Mancher hoffe nun, über eine von der Staatsregierung eingerichtete Stellenbörse in anderen Landesverwaltungen eine neue Stelle zu finden, berichtet Lambert. Das Stellenangebot sei aber nicht sehr groß.

Selbst bei führenden Mitarbeitern des Landesamtes - so verlautet aus der Münchner Behörde - sei die Entscheidung von Herrmann zunächst auf wenig Verständnis gestoßen. Schließlich hatte die Landesbehörde gerade einen aufwendigen Umzug hinter sich. Sie war von einem in den 1950er Jahren erbauten Gebäude in teurer Münchner Innenstadtlage in ein früheres Siemens-Bürogebäude im Südosten der Landeshauptstadt gezogen. Mit dem modernen W-förmigen Gebäudetrakt aus Glas, Stahl und Alu hatte das Statistische Landesamt, so glaubte damals die Behördenführung, endlich ideale Arbeitsbedingungen für die 540 Mitarbeiter vorgefunden. dpa
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