Nürnberg
Volksfest

So entsteht das Nürnberger Herbstvolksfest 2015

Am 28. August beginnt das Herbstvolksfest in Nürnberg. Derzeit laufen die Vorbereitungen am Dutzendteich bereits auf Hochtouren - ein Besuch zwischen Achterbahn, Riesenrad und ganz vielen Wohnwagen.
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Die Wilde Maus wird aufgebaut. Fotos: Pelke
Die Wilde Maus wird aufgebaut. Fotos: Pelke
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Stefan Kinzler hat von seinem Platz alles gut im Blick. Vom Führerhaus seines Kranes dirigiert der Chef der Achterbahn den Aufbau der "Wilden Maus". Wie von Geisterhand schweben dicke Stahlträger durch den Himmel hoch über dem Volksfestplatz. "Das läuft hier alles so ab, als würden wir ein Hochhaus bauen", sagt Kinzler, während seine fünfköpfige Mannschaft alle Hände voll zu tun hat, die Stahlkonstruktion zu verschrauben. "Erst bauen wir das Gerüst, dann bauen wir die Fahrbahn", sagt der Chef der Achterbahn. Dann hüpft der Boss aus seiner Kanzel. Irgendwo scheint eine Schraube zu klemmen. Nach einer kurzen Teambesprechung geht der Aufbau weiter. Alles muss wie am Schnürchen laufen, damit die Besucher des Herbstvolksfestes später mit 60 Sachen sicher über die Achterbahn sausen können.


Herbstvolkfest in Nürnberg: Die Vorbereitungen laufen

"Wir sind hier schon noch ein bisschen beschäftigt", sagt Kinzler. Allein das Verlegen der knapp 400 Meter langen Schienenstrecke dauert seine Zeit. Nach Nürnberg kommt der Stuttgarter mit seiner Achterbahn gerne. "Das Herbstvolksfest in Nürnberg braucht sich vor der Cannstatter Wasen nicht zu verstecken. Nürnberg liegt fest auf unserer Reiseroute, weil das Volksfest eine attraktive und gute Veranstaltung ist", sagt Stefan Kinzler.


Kosmetik für Nofretete

Überall auf dem Volksfestplatz am Dutzendteich wird derzeit fleißig gehämmert und geschraubt. Am 28. August beginnt bereits das Fest im Schatten des Kolosseums. Auch Patrick Bügler kann die Hände nicht in den Schoß legen. "Ich verpasse der Nofretete gleich eine kleine Kosmetik", sagt er und schnappt sich einen Schrubber. Behutsam reinigt der Schausteller das schöne Gesicht der Pharaonin. "Unsere Abenteuer-Geisterbahn heißt ,Tal der Könige‘", sagt Willi Bügler, der Chef der Schausteller-Familie aus Düren am Niederrhein.

"Früher hatten wir sogar eine Hai-Show mit echten Tieren." Das sei heute nicht mehr möglich. "Danach hatten wir Dinosaurier", sagt er und lacht. "Ich war als Kind schon mit meinen Eltern hier in Nürnberg auf dem Volksfest. Ich komme noch heute immer wieder gerne, weil es einfach ein schönes Traditionsfest ist", so Bügler während der Aufbau langsam vorangeht. Dann schwelgt der Schausteller in Nostalgie. "Früher haben sich alle auf die Kirmes gefreut. Heute sind wir Luxus geworden. Jedes Wochenende findet irgendwo ein anderes Event statt. Mit dieser Flut von Veranstaltungen müssen wir konkurrieren", sagt Bügler.

Schon vor dem offiziellen Start des Volksfestes herrscht Trubel auf dem Platz. Viele Schausteller-Familien haben bereits ihre Wohnwagen aufgebaut. Kinder laufen in Gummistiefeln über den Platz. Selbst die bunten Plastik-Hähne scharren vor dem "Gigerlas"-Zelt schon mit den Füßen. "Hahnen am Spieß in reiner Butter": Seit 1927 werben die Lössels wahrscheinlich schon mit diesem schönen Slogan für ihre aufgespießten Mistkratzer.


59 Meter und 65 Zentimeter

Ans Essen kann Siggi Scholte im Augenblick nicht denken. "Das Riesenrad ist genau 59 Meter und 65 Zentimeter hoch", sagt Scholte, den hier alle nur "Siggi" nennen. Siggi ist ein echter Profi in Sachen Riesenrad. "Ich bin seit 47 Jahren dabei", sagt Siggi und erinnert sich, wie sie früher schuften mussten, um das Wahrzeichen eines jeden Volksfestes aufzubauen. "Früher hieß das Riesenrad noch ,Russische Schaukel‘", erzählt Siggi.

Seit 140 Jahren macht die Familie Bruch aus dem Ruhrgebiet in Riesenrädern. Die allerersten Riesenräder seien nur zwölf Meter groß gewesen. Damals habe man auch noch "richtige Muckis" für den Aufbau gebraucht. Heute sei mehr Hirn gefragt. "Die Maschinen und die Seilwinden machen heute die meiste Maloche", sagt Siggi. Fachwissen ist freilich trotzdem gefragt. "Ich bin Tischler, Schlosser, Elektriker, Industriemeister und Maschinenbauer", sagt der Riesenrad-Experte.


"Jetzt geht's los"

"Und was willst du mal werden?", fragt Siggi seinen Enkelsohn Nico. "Riesenrad", sagt der kleine Nico, während ein großer Kran um die Ecke biegt. "Jetzt geht's los", warnt Siggi seine Mannschaft, die immer noch die Stahlträger und die vielen bunten Lämpchen mit dem Hochdruckreiniger wienert. Zeit zum Quatschen hat "Mr. Riesenrad" jetzt nicht mehr. "Nico, komm auf den Arm von Opa. Jetzt wird's gefährlich mit dem großen Kran", sagt Siggi und drückt seinen kleinen Nico an sein großes Herz. "Hoffentlich sind wir in einer Woche fertig", sagt Siggi zum Abschied.

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