Nürnberg
Restaurierung

Schöner Brunnen soll zum Christkindlesmarkt in Nürnberg enthüllt werden

Bald ist das Nürnberger Wahrzeichen restauriert. Wie es dann aussehen wird, weiß Restaurator Andreas Wüst.
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Schöner Brunnen soll zum Christkindlesmarkt in Nürnberg fertig sein, Andreas Wüst hat sich die Figur des Ptolemäus vorgenommen. Foto: Nikolas Pelke
Schöner Brunnen soll zum Christkindlesmarkt in Nürnberg fertig sein, Andreas Wüst hat sich die Figur des Ptolemäus vorgenommen. Foto: Nikolas Pelke
Millionen von Pinselstrichen und eineinhalb Jahre harte Arbeit sind nötig gewesen, damit der Schöne Brunnen wieder in satten Farben erstrahlen kann. Das Wahrzeichen auf dem Nürnberger Hauptmarkt hat einen neuen Anstrich bekommen. "Hier wurden die klassischen gotischen Farben verwendet", erklärt Restaurator Andreas Wüst, der schon das Hofbräuhaus in München bemalt hat.



Erdige Töne von Englischrot bis Ultramarinblau dominieren. "Dazwischen gibt es ganz viel Gold", erklärt der Restaurator und zaubert ein postkartengroßes Stückchen Blattgold aus dem Ärmel. Insgesamt wurden bereits 4000 dieser genauso dünnen wie wertvollen Blättchen verbraucht. "Die Arbeit ist anstrengend, weil der Brunnen so furchtbar filigran ist", erklärt der Restaurator und zeigt in schwindelerregender Höhe auf die vielen Details.
Allein 40 Steinfiguren schmücken den Prachtbrunnen, der wie eine goldene Kirchturmspitze aussieht. Die Spitze des Brunnens soll die Nürnberger daran erinnern, dass alles Weltliche zum Himmel streben soll. Direkt unter der Spitze stehen deshalb die Heiligen von Moses bis Jeremias. Das erste Stockwerk ist für die weltlichen Herrscher von König David bis Julius Cäsar reserviert. Darunter haben die sieben Kurfürsten ihren Ehrenplatz.



Für Wüst und sein Team geht es jetzt in den Endspurt. Pünktlich zum Christkindlesmarkt soll das Wahrzeichen der Stadt wieder enthüllt werden. Kurz bevor das Baugerüst verschwindet, hat die Stadt ihre Bürger zu Bauführungen eingeladen. Denn so nah werden sie ihrem Brunnen bald nicht mehr kommen können. Die Resonanz ist dementsprechend groß.

"Ich mache bereits meine 50. Führung", freut sich Michael Hirschmann, Architekt im Hochbauamt, und leitet die nächste Besuchergruppe über das Baugerüst. "So nah kommt man dem Brunnen sonst nie", sagt Hirschmann und erläutert die zahlreichen Besonderheiten des Meisterwerks, das Kaiser Karl IV. im 14. Jahrhundert mit einer weit geöffneten Schatulle auf den Weg gebracht hat.


Zu dieser Tat gibt es eine unschöne Kehrseite. Vorher hatte Karl einem Pogrom zugestimmt, bei dem 600 Juden ermordet worden sind. Erst durch die grausame Vertreibung der Juden aus dem alten Sumpfgebiet an der Pegnitz hatte die Stadt den nötigen Platz für den Hauptmarkt mit der Frauenkirche und dem Schönen Brunnen. Trotz dieser traurigen Geschichte war die Brunnen seinerzeit eine kulturelle Sensation. Nirgendwo gab es bis dahin etwas vergleichbares. Die Restaurierung des Schönen Brunnens sei auch deshalb "eine Herzensangelegenheit für die Stadt", sagt Hirschmann und führt die Gruppe weiter bis zum Gipfel.

Keine Kosten und Mühen habe man gescheut, um das einmalige Kunstdenkmal wieder auf Vordermann zu bringen. Rund eine Million Euro wird die Instandsetzung am Ende wohl kosten. "Aber es lohnt sich", sagt Hirschmann und zeigt auf die Spitze. "Die kommt noch", verspricht der Architekt.


Bessere Statik, besseres Licht

In der langen Geschichte haben freilich schon viele Generationen tief in die Tasche greifen müssen, um das Meisterwerk zu erhalten. Neben einer Schönheitskur hat der Brunnen diesmal auch ein neues Rückgrat aus Edelstahl bekommen. Zahlreiche Verstrebungen sorgen für eine bessere Statik. Neue Lampen lassen das Wahrzeichen bald bei Nacht im rechten Licht erscheinen. "Für uns ist es einfach eine Ehre, hier zu arbeiten. Dafür sind wir alle Restauratoren geworden", sagt Andreas Wüst, und seine Kollegen nicken. Dann müssen sie ihre Pinsel schwingen. Bald verschwindet das Gerüst. Wahrscheinlich für die nächsten 100 Jahre. Bis zur nächsten Sanierung. Bis zur nächsten Gipfeltour zum Schönen Brunnen.
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