Nürnberg
Rock im Park

Rock im Park 2016: Diese Einsätze muss das BRK koordinieren

An fünf Tagen im Jahr verwandelt sich ein Raum in der Rettungswache in der Nürnberger Poststraße in die Festival-Einsatzzentrale des BRK.
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Foto: Sarah Dann
Foto: Sarah Dann
Hier wird telefoniert, koordiniert und ja, auch hier werden Leben gerettet.
Lieber zwei Minuten länger miteinander telefoniert, als zehn Minuten länger zum Einsatzort geirrt. Diese Devise verfolgen die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) bei ihren Schichten während des Festivals Rock im Park. Dezentral sind ungefähr 200 Ehrenamtliche gleichzeitig auf dem Gelände in Nürnberg an dem Festivalwochenende verteilt - unter anderem an den Bühnen oder auf den Zeltplätzen. Und alles, alles läuft in der RIP-Einsatzzentrale zusammen. Die Buchstaben IOK stehen für Information und Kommunikation.

Zwischen zwei und zehn Personen arbeiten hier an zahlreichen Bildschirmen, von Wänden umgeben, die mit Karten und anderen Plänen tapeziert sind. Ähnlich wie die Integrierte Leitstelle (ILS), die Hilferufe in ihrem Zuständigkeitsgebiet koordiniert, die über die Notrufnummer eingehen, werden unweit des Zeppelingeländes in der Poststraße alle Einsätze gesteuert. Entweder werden die Anrufe über die ILS weitergeleitet oder die Festivalbesucher rufen direkt bei der Nummer an, die zum Beispiel auf den dunkelgelben Schildern abgedruckt ist, die die unterschiedlichen Campingabschnitte in Planquadrate einteilen. CP4.12 - was nach einer Geheimsprache und verschlüsselten Codes klingt, ist für die Lebensretter notwendig, um den Patienten zwischen all den Zelten und all den Menschen überhaupt zu finden.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter müssen sich vor allem drei Herausforderungen bei ihrem Festivaleinsatz stellen: "Sie müssen sich taktisch, medizinisch und auf dem Gelände auskennen", sagt Oliver Spannekrebs, Leiter der IOK-Zentrale. Grundsätzlich ist "Rock im Park ein Motivator" für die Ehrenamtlichen.

Geld bekommen sie keines für ihren Einsatz. Das machen Kirk Thieme und Matthias Koroll vom BRK noch einmal deutlich. Sie selbst investieren dafür aber ihre Freizeit. "Kein Geld, aber eine Entschädigung", sagt Thieme und weiß, dass zum Beispiel auch ein Eis zwischendurch für einen Motivationsschub sorgen kann.

Selten sind es die Verletzten selbst, sondern vielmehr die Beteiligten, Freunde und Bekannten, die die 0700-Nummer wählen. Insgesamt mussten in diesem Jahr weniger Einsätze im Vergleich zu den beiden Vorjahren bewältigt werden - bisher. "Im Plan", sieht auch Spannekrebs die Zahlen. Knapp 1000 Einsätze haben die ehrenamtlichen BRK-Helfer bis Samstag am frühen Abend beschäftigt. 3500 können es aus Erfahrung an so einem Wochenende schon mal werden. Stoßzeiten gibt es zum Beispiel dann, wenn die Bühnen öffnen.

Oder auch am Morgen. Wenn die Besucher im Zelt aufwachen und einigermaßen ausgeschlafen und wieder nüchtern feststellen, der Fuß schmerzt doch stärker als am Vorabend angenommen. Verstauchungen, Verbrennungen, Zeckenbisse - das alles gehört dazu. Eine explodierende Gaskartusche, auch das kommt vor auf einem Festival. Heuer hat es wieder einen dementsprechenden Hilferuf gegeben.

"Grundsätzlich hat Rock im Park an Aggressivität verloren", findet Spannekrebs. Das liege auch daran, dass die Security Präsenz zeigt. Das Sicherheitskonzept, das immer weiter entwickelt wird, gehe auf. Brennender Festivalmüll am letzten Tag oder Randale an den Dixie-Klos, das alles konnte so eingedämmt werden. "Wir können uns auf die Menschen konzentrieren, die uns wirklich brauchen", sagt er.

Es gibt auch eine kleine Festivalklinik. Behandlungen, die länger dauern, aber dennoch nicht den Aufenthalt in der Nürnberger Klinik erfordern, werden möglichst vor Ort behandelt. Das entlastet nicht nur das Klinikum, sondern bringt auch für die verletzten, ausnüchternden oder erkrankten Festivalbesucher einen entscheidenden Vorteil: "Sie sind dennoch auf dem Festival vor Ort", erklärt Spannekrebs. Abgeholt und in die Klinik gebracht werden Patienten selbstverständlich im Notfall durch den BRK. Doch, zurück aufs RIP-Gelände, müssten sie selbst wieder kommen.

Das BRK und die anderen Rettungsorganisationen vor Ort sind für viele, wirklich viele Szenarien gerüstet. Verschiedene Pläne und durchgespielte Abläufe sind für den Ernstfall sowohl auf dem Papier, als auch im Kopf der Einsatzkräfte parat. Oliver Spannekrebs spricht das alles in Ruhe an. Er behält sie auch. "Wenn wir Hektik verbreiten, bringt das niemandem etwas." Das gilt für die zwei Minuten länger am Notruftelefon, wie für den Ernstfall bei einem Gewitter.

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