Nürnberg
Filmkunst

Nürnberger Stummfilmmusik-Tage: Eine Hommage an Ernst Lubitsch

Eine Hommage an den großen Regisseur Ernst Lubitsch sollen die 19. Stummfilmmusik-Tage in Nürnberg werden. Für die Musiker sind die alten Partituren heute noch eine große Herausforderung.
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Szene aus dem Lubitsch-Film "Die Puppe", der mit der Musik des Aljoscha-Zimmermann-Ensembles zu sehen sein wird.  Foto: Nürnberger Symphoniker
Szene aus dem Lubitsch-Film "Die Puppe", der mit der Musik des Aljoscha-Zimmermann-Ensembles zu sehen sein wird. Foto: Nürnberger Symphoniker
Filme wie "Das Weib des Pharao" sind heute fast vergessen. Das liegt wohl daran, dass das historische Filmepos aus der Feder von Ernst Lubitsch ohne Tonspur daherkommt. Gut, dass es die Stummfilmmusik-Tage gibt, die für den passenden Soundtrack sorgen.

Der Lubitsch-Streifen selbst zählt heute noch zu den ganz großen Klassikern des Kinos. Der aufwändige Historienfilm um die Geschichte der griechischen Sklavin Theonis, die ungewollt einen Krieg zwischen Ägypten und Äthiopien auslöst, war eine der teuersten deutschen Filmproduktionen ihrer Zeit. Nun spielen die Nürnberger Symphoniker im Rahmen der 19. Stummfilmmusik-Tage die passende Musik zu dem Monumentalfilm aus dem Jahr 1922.

Ein Meisterwerk von einem Soundtrack

Und der Soundtrack zu dem Streifen hat es nach Meinung von Lucius A.
Hemmer, Intendant der Nürnberger Symphoniker, heute noch in sich: "Die durchkomponierte Filmmusik von Eduard Künneke ist großartig. Die 60 Musiker haben in den 100 Filmminuten keine Pause. Die Partitur ist ein richtig dickes Buch", sagt Hemmer und verweist darauf, dass selbst die Symphonien von Gustav Mahler kürzer sind als der Soundtrack zu dem historischen Blockbuster "Das Weib des Pharao".

Während Emil Jannings als Pharao Amenes über die Leinwand stolziert, wird Frank Strobel im Musiksaal der Nürnberger Symphoniker in der ehemaligen Kongresshalle den Taktstock schwingen. Strobel ist auf dem Gebiet der Filmmusik weltweit ein anerkannter Experte. Der Dirigent aus München wurde praktisch im und mit dem Kino groß, weil seine Eltern einige Lichtspielhäuser betrieben. Ein Filmmusik-Dirigent müsse die Partitur und den Film "extrem gut" kennen, erklärte Hemmer die besondere Herausforderung.

"Der Dirigent kann nicht einfach die Pause-Taste drücken"

"Die Schwierigkeit beim Stummfilm liegt darin, die Musik genau an den Film anzupassen", betont der Intendant weiter. Das Filmorchester müsse den Vorgaben des Dirigenten peinlich genau folgen, damit Noten und Handlung nicht aus dem Ruder laufen. "Der Film läuft immer weiter. Der Dirigent kann nicht einfach die Pause-Taste drücken", erklärt Hemmer. Die Symphoniker präsentieren den Film "Das Weib des Pharao" in einer aufwändig restaurierten Fassung auf einer neun mal sechs Meter großen Leinwand.

Festival-Leiter Rolf Schamberger freut sich, dass man sich heuer endlich einem der ganz großen Filmregisseure aus der Zeit des Stummfilms widmen wird. "Lubitsch ist einer der größten deutschen Regisseure. Wir haben bei den Stummfilmmusik-Tagen noch nie Lubitsch präsentiert. Deshalb hat er uns heuer besonders gereizt", sagt Schamberger.

Zum Glück habe Lubitsch auch auf tolle Filmmusik Wert gelegt. "Wir können keine vollständige Lubitsch-Retrospektive präsentieren." Dafür habe Lubitsch einfach zu viele Filme gedreht. "Wir konzentrieren uns auf seine Schaffensperiode kurz vor der Auswanderung nach Amerika", betont Schamberger. 1922 emigrierte Lubitsch in die USA, um Filme in Hollywood drehen zu können. Im Rahmen des Festivals werden vier seiner letzten in Deutschland produzierten Filme gezeigt. "Wir haben zwei Monumentalfilme und zwei Komödien ausgewählt", erklärt Schamberger.
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