Nürnberg
Nürnberger Prozesse

Nürnberger Prozesse: Gerichtssaal wird zum Kino

Das Museum Memorium Nürnberger Prozesse wird ab 2018 erweitert. Der historische Gerichtssaal wird in eine Art großes Kino verwandelt.
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Foto: Pelke
Foto: Pelke
Hohe Decken, mächtiges Türportal: Imposant ist er heute noch, der Saal 600 im Nürnberger Justizpalast. Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU) hat darauf gesetzt, den historischen Gerichtssaal der Nürnberger Prozesse in seinen Originalzustand aus der unmittelbaren Nachkriegszeit wieder herstellen zu lassen. Inzwischen hat der Minister jedoch einsehen müssen, dass dieser Plan nicht möglich ist.

"Ich habe mich überzeugen lassen, dass der Rückbau nicht der Weg ist", hat Söder am Montag bei der Vorstellung des neuen Konzeptes für das Museum Memorium Nürnberger Prozesse gesagt. Nach intensiven Gesprächen seien sich Stadt und Freistaat nun darin einig, dass keine großen baulichen Eingriffe erfolgen sollen. "Es wird keinen Rückbau des Saals in den Zustand von 1945 geben", stellte Söder am Montag klar.
Gleichzeitig kündigte der Finanzminister an, dass sich Stadt und Land die Kosten für die Erweiterung des Museums teilen wollen.

Das Inventar des prachtvollen Saals wurde 1961 weitestgehend entfernt. Lediglich zwei Anklagebänke aus der Zeit des internationalen Militärtribunals der alliierten Siegermächte gegen Göring, Heß & Co. sind bis heute erhalten geblieben und werden im Rahmen der seit fünf Jahren bestehenden Ausstellung im Dachgeschoss des Justizpalastes gezeigt.

Für die museale Erschließung des historischen Ortes der Kriegsverbrecher-Prozesse sollen Gazevorhänge, Projektoren und ganz viel Multimedia zum Einsatz kommen. Den zukünftigen Besuchern will man damit den Schauplatz möglichst authentisch vor Augen führen. Jährlich besuchen derzeit knapp 100.000 Besucher das Museum. Nach der Erweiterung erhofft man sich einen deutlichen Anstieg der Besucherzahlen. Schließlich sei danach das Kernstück der Ausstellung für die Besucher permanent zugänglich.

Bislang finden hier noch Gerichtsverfahren statt währenddessen kein Besuch möglich ist. Durch den Bau eines neues Strafjustizzentrums in unmittelbarer Nachbarschaft soll sich das ändern. Ab dem Jahr 2018 will die Justiz den Ostbau des Justizpalastes für die museale Erweiterung weitgehend geräumt haben.

Konkret werden sich die zukünftigen Besucher des Saales wohl wie in einem Kino vorkommen. Die Besucher sollen auf den Besucherbänken sitzen und von dort die Multimedia-Show verfolgen. Eine halbtransparente Leinwand soll in dem abgedunkelten Saal dafür sorgen, dass der "heutige Zustand als Referenzrahmen" weiter erkennbar bleibt. Wie im richtigen Kino sollen die Zuschauer wieder in die Gegenwart katapultiert werden, wenn im Saal das Licht angeht. Am Schluss verschwindet die Leinwand wieder in der Decke.

Mit diesem Konzept will man die historische Dimension des Saals für die Besucher wieder erlebbar machen. "Wir wollen, dass die Besucher den Saal wieder so wie zur Zeit der Nürnberger Prozesse wahrnehmen können", sagte die städtische Kulturreferentin Julia Lehner. Außerdem träumen die Nürnberger davon, dass der Saal 600 als Weltkulturerbe von der Unesco anerkannt wird. Gerade im Hinblick auf die zukünftige Bewerbung sei ein "achtsamer Umgang" erforderlich, ist sich Söder mittlerweile sicher.

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