Nürnberg
Tiergarten

Nürnberger Präriehunde haben Winterschlaf nicht überlebt

Kurz nach dem Verschwinden des Lamms "Rosi" meldete der Nürnberger Tiergarten den Verlust seiner Präriehunde-Kolonie. Jetzt ist klar: Die Tiere haben den Winterschlaf nicht überlebt.
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ARCHIV - Schwarzschwanz-Präriehunde, aufgenommen am 18.071997 im Berliner Tierpark. Der Nürnberger Tiergarten vermisst seit dem Frühjahr seine Präriehunden-Kolonie. Die zehn Tiere seien nach dem Ende des Winterschlafs im April nicht wieder im Gehege aufgetaucht, teilte der Tiergarten am 27.05.2015 mit. Foto: Jens Kalaene/dpa
ARCHIV - Schwarzschwanz-Präriehunde, aufgenommen am 18.071997 im Berliner Tierpark. Der Nürnberger Tiergarten vermisst seit dem Frühjahr seine Präriehunden-Kolonie. Die zehn Tiere seien nach dem Ende des Winterschlafs im April nicht wieder im Gehege aufgetaucht, teilte der Tiergarten am 27.05.2015 mit. Foto: Jens Kalaene/dpa
Erst verschwand Lamm "Rosi" aus dem Tiergarten, jetzt sind die Präriehunde weg. Wurden auch sie gestohlen? Konnten sie durch unterirdische Gänge entkommen? Es lässt sich alles aufklären: Rosi wurde in einem Münchner Bordell aufgegriffen und ist mittlerweile zurück im Tiergarten. Bei den Präriehunden gibt es kein Happy End: "Wir gehen davon aus, dass sie den Winterschlaf nicht überlebt haben", sagt Zoodirektor Dag Encke.

Am Mittwoch hatte der Tiergarten mitgeteilt, dass die Präriehunde-Kolonie mit zehn Tieren vermisst wird. Um die Ursache zu klären, wurde das Gelände ausgebaggert - ohne Erfolg. Zwei Überlegungen schloss die Tiergartenleitung von vorneherein aus: "Raus konnten die Tiere nicht, das Gehege war dicht", sagt Encke. Auch ein Diebstahl kam nicht in Frage. Der Bau der Präriehunde mit seinem weit verzweigten Gangsystem ist bis zu fünf Meter tief.

Ganze Kolonie tot

So blieb es bei der dritten Möglichkeit - einem natürlichen Vorgang. Bei Winterschläfern gibt es laut Encke "immer Ausfälle und kommen nicht alle Tiere wieder zu Tage". Dass jedoch eine ganze Kolonie den Winter nicht übersteht, habe es im Zoo noch nicht gegeben. Für die Tiergartenleitung ist deshalb klar: "Die Präriehunde waren uralt und sahen vor dem Winterschlaf schon zerrupft aus. Sie sind wohl gestorben. Das kommt halt vor."
Also alles natürlich? "Das einzig Unnatürliche ist, dass wir in den Zyklus eingreifen und aus der Kolonie regelmäßig die jungen Tiere rausnehmen und sie abgeben", erklärt Encke. "Das geht etwa 15 Jahre gut, dann bricht die Gruppe zusammen." Und er ergänzt: "In der freien Wildbahn funktioniert das mit der Überalterung nachhaltiger."

Was, wenn die Präriehunde doch nicht wegen ihrer schwachen Konstitution starben, sondern Opfer von Iltissen oder einer von Mäusen übertragenen Nagerkrankheit? "Selbst wenn noch irgendwo ein Knöchelchen auftaucht, werden wir die Ursache für ihren Tod pathologisch nicht mehr feststellen können", sagt Encke. Fachlich mache es keinen Unterschied, ob man die Skelette jetzt oder in einem halben Jahr findet.

Wüstenhaus in Planung

Auf Überreste dürfte der Zoo frühestens Anfang 2016 stoßen. Dann werden auf dem Gelände der Präriehunde die Bagger anrücken. "Die Haltung in diesem Gehege war ein Auslaufmodell", sagt Encke. Stattdessen soll dort ein ganz neues Projekt entstehen: Ein Wüstenhaus. "Im Moment sind wir in der Feinplanung und machen die Kostenberechnungen."

Und die Präriehunde? Bei den Zoobesuchern waren die 30 bis 35 Zentimeter langen, nahen und verspielten Verwandten der Murmeltiere sehr beliebt. Das weiß auch Encke. "Viele Menschen haben eigens für die Präriehunde Patenschaften übernommen." Ob für die possierlichen Nager noch einmal gebaut wird, werde im Zoo seit längerem diskutiert. Das sei an die Frage gekoppelt, ob durch den Austausch der Bisons Platz wird.

Außerdem seien die vor längerem angeschafften Ziesel, ebenfalls Erdhörnchen und beliebt als Tierpatenschaften, ein guter Ersatz. "Die kann man in Deutschland wieder auswildern", erklärt Encke. Im Moment werden Ziesel im Erzgebirge angesiedelt, "daran beteiligen wir uns".









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