Nürnberg
Wochen gegen Rassismus

Nürnberg veranstaltet "Wochen gegen Rassismus"

Unter dem Motto "Zusammen gegen Rassismus - 100 Prozent Menschenwürde" finden vom 7. bis zum 21. März die "Nürnberger Wochen gegen Rassismus" statt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Martina Mittenhuber stellt das Programm der Nürnberger Wochen gegen Rassismus vor. Foto: Nicolas Pelke
Martina Mittenhuber stellt das Programm der Nürnberger Wochen gegen Rassismus vor. Foto: Nicolas Pelke
Martina Mittenhuber, die Leiterin des Nürnberger Menschenrechtsbüros, hat das Programm der "Nürnberger Wochen gegen Rassismus" bei einer Pressekonferenz am Freitag in Nürnberg vorgestellt und im selben Atemzug auch gleich begründet, warum die Stadt im März mit einem "bunten Strauß an Veranstaltungen" für das friedliche Miteinander in der Frankenmetropole werben will.


Rassismus sollte laut Mittenhuber beim Namen genannt werde

Aufgrund der anhaltenden Flüchtlingsdebatte wolle Mittenhuber die Frage des multikulturellen Zusammenlebens noch stärker in den Blick nehmen. Auf der einen Seite gebe es eine neue Willkommenskultur in Deutschland. Auf der anderen Seite steige der Bevölkerungsanteil, der die Zuwanderung immer vehementer ablehne. "Ist Ausländerfeindlichkeit noch der richtige Begriff", fragte Mittenhuber im Hinblick auf die Debatte, die zwischen Schlagwörtern wie "Gutbürger" und "Obergrenze" changiert. Mittenhuber fordert, ausländerfeindliche Einstellungen zukünftig mit dem schärferen Begriff des "Rassismus" deutlicher beim Namen zu nennen. Schließlich würden auch Deutsche mit Migrationshintergrund trotz eines deutschen Passes zum Adressaten von Ausländerfeindlichkeit.


Wie wollen die verschiedenen Religionen in Nürnberg zusammen leben?

Ein programmatischer Schwerpunkt der "Wochen gegen Rassismus" soll deshalb der Frage nachgehen, wie die verschiedenen Religionen in der Zukunft in Nürnberg zusammenleben wollen. Bei Tee und Keksen sollen unter der Überschrift "Tea Time: Sich ohne Angst begegnen" junge Menschen verschiedener Religionen und Kulturen "in entspannter Atmosphäre über Gott und die Welt" ins Gespräch kommen. So sei laut Programmheft ein persönliches Kennenlernen und ein offenes Dialog miteinander möglich. Das interkulturelle Teekränzchen für mehr Miteinander findet am 7. März um 18 Uhr in der Islamischen Gemeinde in der Hessestraße im Nürnberger Stadtteil Gostenhof statt.


"Haus der Religionen"

Indes träumt Architekt Thomas Michael von einem "Haus der Religionen" als Beitrag zum Gelingen des Zusammenlebens zwischen Christen, Muslimen und Juden. Veranstalter des Gedankenaustauschs ist das Begegnungszentrum "Brücke - Köprü" am 7. März ab 19 Uhr in der Leonhardstraße 13 in der Nähe des Plärrers. Bei beiden Veranstaltungen ist die Teilnahme kostenlos. Höhepunkt der Schwerpunktwochen gegen Rassismus soll laut Mittenhuber die Verleihung des "MOSAIK"-Jugendpreises werden, der am 21. März im Künstlerhaus im Gedenken an die NSU-Opfer vergeben wird.


"Wir tun uns im Augenblick schwer, die bayerische Linie nachzuvollziehen"

"Wir machen die Wochen gegen Rassismus heuer zum ersten Mal", sagte Mittenhuber am Freitag in Nürnberg und erklärte auch gleich, warum: " Ich glaube schon, dass der Diskurs eine andere Schärfe bekommen hat. Wir beobachten einen absoluten Paradigmenwechsel bei der Aufnahmepolitik." Das Menschenrechtsbüro tue sich schwer, sich auf die schärferen Regeln und die restriktivere Flüchtlingspolitik einzustellen, gab Mittenhuber offen zu. "Wir tun uns im Augenblick schwer, die bayerische Linie nachzuvollziehen", sagte Mittenhuber beispielsweise im Hinblick auf schnellere Abschiebungen nach Afghanistan und kritisierte damit insbesondere die CSU-geführte Landesregierung.

Eine SPD-Wahlkampfveranstaltung seien die "Wochen gegen Rassismus" deswegen aber nicht, stellte Mittenhuber auf Nachfrage klar. Richtig sei vielmehr, dass die Leiterin des Menschenrechtsbüros einen gleichlautenden Vorschlag der SPD-Stadträtin, Diana Liberova, vom Sommer 2016 aufgegriffen habe. Darin hatte Liberova den Stadtrat gebeten, eine mögliche Durchführung von "Nürnberger Wochen gegen Rassismus" zu prüfen. Weil der Rat den Vorschlag laut Mittenhuber nicht aufgriff, habe das Menschenrechtsbüro die Initiative ergriffen und finanziert nun aus dem eigenen Haushaltsbudget die Veranstaltungsreihe. Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) dankt im Vorwort des Programmheftes ausdrücklich für dieses Engagement. Rassistische Einstellungen und Verhaltensmuster, warnt Maly, seien Gift für eine von Zuwanderung und Vielfalt geprägte Stadt.

Termin: 7. bis 21. März 2017

Höhepunkte: Unter der Überschrift "Stammtischkämpfer*innen" gibt die SPD Nürnberg in einem Workshop hilfreiche Tipps, wie man am besten auf rassistische Stammtischparolen innerhalb der Familie, im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz reagiert. Das rund vierstündige Seminar ist kostenlos und findet am 12. März ab 13 Uhr in der SPD-Zentrale in der Karl-Bröger-Straße in Nürnberg statt. Anmeldungen nehmen die Sozialdemokraten per Mail (buero@spd-nuernberg.de) oder telefonisch unter der Nummer 0911 43 89 60 entgegen. Der Kreisjugendring veranstaltet für Jugendliche eine vergleichbare Veranstaltung unter der Überschrift "Widersprechen! Aber wie ?" auf der Hinteren Insel Schütt am 8. März vom 18 bis 20.30 Uhr.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren