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Nürnberg beginnt mit Sanierung auf dem Reichsparteitagsgelände

Diktator Adolf Hitler hatte das Zeppelinfeld in Nürnberg einst für seine Propagandaaufmärsche genutzt. Nun soll es generalsaniert werden. Weil niemand weiß, was das kosten könnte, startet die Stadt nun "ein Experiment".
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Blick auf die Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Das Nazi-Relikt aus Kalkstein bröckelt an zahlreichen Stellen. Foto: Daniel Karmann/dpa
Blick auf die Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Das Nazi-Relikt aus Kalkstein bröckelt an zahlreichen Stellen. Foto: Daniel Karmann/dpa
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Die Stadt Nürnberg treibt die kostspielige Sanierung des früheren Reichsparteitagsgeländes voran - und beginnt damit in Eigenregie. Zunächst sollen einer der 34 Türme und etwa zehn Prozent der Tribüne auf dem Zeppelinfeld für drei Millionen Euro saniert werden. Aus den Erfahrungen dieser Arbeiten soll hochgerechnet werden, was es kosten würde, alle Bauwerke auf dem Aral instand zu setzen - um dann Bund und Land mit ins Boot zu holen, wie Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) sagte. Eine grobe Kostenschätzung ging zuletzt von 60 bis 70 Millionen Euro aus.

Es sei ein spannendes Experiment, weil es keine vergleichbaren Bauten gebe, sagte die technische Leiterin des Nürnberger Hochbauamtes, Petra Waldmann, am Donnerstag. Diktator Adolf Hitler hatte das Zeppelinfeld einst für seine Propagandaaufmärsche genutzt. Die Anlage wurde vor 80 Jahren fertiggestellt und verfällt immer mehr.
Teilbereiche sind aus Sicherheitsgründen bereits für Besucher gesperrt.

"Wir wollen herausfinden, welches Material damals verbaut wurde und was noch weiter verwendet werden kann", erklärte Waldmann. Am Turm soll das Dach abgedichtet werden. "Auch da wissen wir nicht, was uns erwartet." Bis Ende 2014 soll die Hochrechnung der Gesamtkosten vorliegen. "Das wird der Moment der Wahrheit", meinte Maly.

Authentischer Lernort

Es gehe jedoch nicht darum, die Bauwerke aufzuhübschen oder etwas aus der Zeit der Reichsparteitage wieder herzustellen, betonte er. "Das Reichsparteitagsgelände soll als geschichtlich authentischer Lernort für künftige Generationen erhalten werden." Ein Besuch am Ort der Täter könne bei jungen Menschen vermutlich mehr bewirken als zehn Stunden Frontalunterricht.

Am Montag hatte bereits Finanzminister Markus Söder (CSU) eine millimeter genaue Vermessung der Zeppelintribüne und der ehemaligen NS-Kongresshalle vorgestellt. Er hatte dies als Grundlage für die geplante Sanierung bezeichnet. "Für unsere Arbeiten sind die Daten nicht relevant", sagte jetzt Maly. Die bayerische Vermessungsverwaltung habe die Daueraufgabe, Gebäude zu vermessen - und das tue sie schon seit Monaten auf dem Reichsparteitagsgelände. dpa

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