Nürnberg
Kunst

Nationalmuseum erhält Mega-Schenkung im Wert von mehreren Millionen

Das Germanische Nationalmuseum kann Dank einer Schenkung zum ersten Mal moderne Zeichnungen aus dem 20. Jahrhundert präsentieren.
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Yasmin Doosry präsentiert stolz die neue Zeichnung von Georg Grosz aus der Schenkung von Hans Kinkel. Foto: Nikolas Pelke
Yasmin Doosry präsentiert stolz die neue Zeichnung von Georg Grosz aus der Schenkung von Hans Kinkel. Foto: Nikolas Pelke
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So ein großes Geschenk bekommt selbst das große Germanische Nationalmuseum nicht alle Tage. 400 exquisite Zeichnungen der Moderne hat der kürzlich verstorbene Kunstsammler, Hans Kinkel, dem Staatsmuseum in Nürnberg vermacht. Darunter befinden sich Werke von so wohlklingenden Namen wie Georg Baselitz, Ernst Ludwig Kirchner oder Karl Schmidt-Rottluff.


Wert der Schenkung liegt wohl bei mehrstelligem Millionenbetrag

"Wir sammeln nicht mit dem Euro-Zeichen im Auge", sagte Museumsdirektor Ulrich Großmann am Dienstag bei einer Pressekonferenz im Nürnberg, bei der das Museum das kommende Kunstjahr mit seinen Ausstellungen in den Fokus gerückt hat. Die Schenkung der 400 Zeichnungen sei jedoch nicht nur in kunsthistorischer Perspektive bedeutsam. Die berühmte Sammlung hätte auch in materieller Hinsicht einen unschätzbaren Wert. Auf einen mehrstelligen Millionenbetrag taxiert Großmann die Schenkung vorsichtig. "Zeichnungen von Meistern wie Lovis Corinth, George Grosz oder Käthe Kollwitz - da kommt schon ein gehöriger Wert zusammen", ist sich der Museumsdirektor sicher und zeigt auf eine Porträtstudie von Georg Grosz, die Max Herrmann-Neiße zeigt.

"Das Originalgemälde hängt heute im Museum for Modern Art in New York", freute sich Yasmin Doosry, Leiterin der Graphischen Sammlung, am Dienstag in Nürnberg. "Von den meisten Künstlern aus dieser Epoche haben wir überhaupt keine Zeichnungen besessen", betonte Doosry und verwies auf die Ausstellung mit dem Titel "Von Kirchner bis Baselitz. Ein Jahrhunderterbe: Die Sammlung Hans Kinkel", die am 11. Mai eröffnet wird. Mit einer Auswahl von 100 Blättern gibt die Ausstellung einen ersten Überblick über das Vermächtnis des 2015 verstorbenen Kunstschriftstellers und Photograph, Hans Kinkel, der ein aufmerksamer Beobachter und Sammler der deutschen Kunstszene des 20. Jahrhunderts gewesen ist. Wohl weil Kinkel selbst Fotograf gewesen sei, bestehe seine Sammlung hauptsächlich aus Porträtzeichnungen, erklärte Doosry.


Luther-Ausstellung im Sommer

Mit nicht geringerer Spannung fiebert das Museum auf die Eröffnung der großen Luther-Schau im Sommer hin. Unter der Überschrift "Luther, Kolumbus und die Folgen" will die große Ausstellung zum Reformationsjahr neue Bezüge zwischen alter und neuer Welt herstellen. "Wir stellen uns die Frage, was Luther, die Reformation und die Entdeckung der neuen Welt miteinander zu tun haben", erklärte Kurator Thomas Eser, Leiter der Abteilungen Wissenschaftliche Instrumente und Medizingeschichte, Waffen und Jagdkultur im Nationalmuseum. Die damalige Bevölkerung sei seinerzeit mit einem kompletten Wandel des theologischen Weltbildes und einer sich ändernden Weltgeographie konfrontiert gewesen.

Die "Entdeckung" eines neuen Erdteils durch Kolumbus, die Reformation Luthers und das Weltbild des Copernicus - alle diese folgenreichen Neuerungen seien in dieselbe Zeit gefallen. Die Ausstellung will der Frage nachgehen, wie die Zeitgenossen die extremen Umbrüche in der Reformationszeit auf allen Ebenen erlebt haben. Zumal die Augenzeuge im 16. Jahrhundert die Epoche keineswegs als Zeit des reinen Fortschritts wahrgenommen hätten, erklärte Eser. "Vielmehr fürchteten und beklagten die Zeitgenossen die permanenten Veränderungen", betonte der Kurator. Etablierte Glaubens- und Weltdeutungsmuster hätten nicht mehr ausgereicht, um die neuen Fragen der Zeit zu beantworten. In der Kunst habe sich in dieser Zeit eine Art "Endzeitstimmung" breit gemacht. Besonders die Maler seien von den Höllenqualen fasziniert gewesen und hätten sich auf das Thema des "Jüngsten Gerichts" mit Feuereifer gestürzt. "Es knacket die Welt an allen Enden", habe Luther damals vielsagend gesagt. "Der Umgang mit den Neuerungen schwankte zwischen Aufbruchstimmung und Angst und setzte sowohl produktive wie destruktive Kräfte frei", erklärte der Macher der Ausstellung. Darin sei die Zeit der Entdeckungen und Glaubensreformation durchaus mit der Jetztzeit vergleichbar, ist sich Eser sicher.



Rund 350.000 Besucher im vergangenen Jahr

Mit diesen Ausstellungshighlights im laufenden Museumsjahr will das Haus wieder zahlreiche Besucher nach Nürnberg locken. Im letzten Jahr hätten laut Museumsdirektor Großmann rund 350.000 Besucher das Nationalmuseum besucht. Davon hätten allein über 160.000 die neu konzipierte Schau auf der Kaiserburg sehen wollen. Das sei laut Großmann ein neuer Rekord. Der Museumsleiter rechnet fest damit, dass die Besucherzahlen nach den aktuellen Baumaßnahmen auf der Kaiserburg - für insgesamt rund 20 Millionen Euro soll unter anderem ein Café auf der Burg entstehen - weiter nach oben steigen werden. Besonders freute sich Großmann darüber, dass sich allein über 100.000 Besucher die Einzelausstellung über "Kaiser Karl IV." angeschaut hätten. Ärger macht dem Museum derzeit nur die Bauverzögerung des geplantes Tiefdepots. Aufgrund der schwierigen Bodenbeschaffenheit müssten weitere Untersuchungen erfolgen, bevor für rund drei Millionen Euro das unterirdische Depot mit seinen fünf Stockwerken gebaut werden könne.
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