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Nürnberg
Rotlichtmilieu Nürnberg

Prostituiertenmorde in Nürnberg: 21-Jähriger hätte womöglich weiter gemordet

Ein 21-jähriger Nürnberger hat zugegeben, zwei Prostituierte umgebracht zu haben. Handydaten und DNA-Spuren führten die Ermittler auf die richtige Fährte.
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Im Fall der zwei ermordeten Prostituierten in Nürnberg hat die Polizei den mutmaßlichen Täter festgenommen. Der 21-jährige Nürnberger hat ein volles Geständnis abgelegt. Foto: News5/Pienik
Im Fall der zwei ermordeten Prostituierten in Nürnberg hat die Polizei den mutmaßlichen Täter festgenommen. Der 21-jährige Nürnberger hat ein volles Geständnis abgelegt. Foto: News5/Pienik
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Michael Dietsch ist erleichtert, den "Prostituierten-Doppelmörder" von Nürnberg schnell gefasst zu haben. "Ich bin froh, dass wir ihn schnell gefunden haben", sagte der Leiter der Sonderkommission am Montag bei einer Pressekonferenz in Nürnberg. Niemand könne ausschließen, dass der 21-jährige Arbeitslose aus Nürnberg nicht noch weitere Frauen aus dem Rotlichtmilieu umbringen wollte.

Polizei ist früh von Serientäter ausgegangen

Dass es sich um einen Serientäter und Doppelmörder handelt, das sei Michael Dietsch bei der Besichtigung des zweiten Tatorts vor genau einer Woche sofort klar gewesen. Der "Modus Operandi" sei beinahe deckungsgleich gewesen. Beide Opfer seien vom Täter vor der Tat an den Händen gefesselt worden. Beide Opfer seien am Hals erdrosselt worden. In beiden Fällen habe der mutmaßliche Mörder seine Taten durch ein Feuer in der jeweiligen Modellwohnung der Opfer aus dem horizontalen Gewerbe vertuschen wollen.


Begonnen hatte die Verbrechensserie mit einer 22-jährigen Prostituierten aus Rumänien, deren Leiche am 24. Mai um kurz vor Mitternacht in einem ausgebrannten Appartement in Nürnberg gefunden wurde. Ebenfalls in ihrer Arbeitswohnung in einem Mehrfamilienhaus ermordet wurde das zweite Opfer, eine 44-jährige Chinesin, am Pfingstmontag um die Mittagszeit knapp zwei Wochen später.

Auch hier setzte der junge Mann die Modellwohnung nach der Tat in Brand. Allerdings loderten die Flammen hier nicht so stark. Die Beamten fanden darin das funktionstüchtige Handy der asiatischen Prostituierten, die sich wie ihre jüngere Kollegin aus Tschechien erst seit kurzem in Nürnberg aufgehalten hatte.

Erste Spur entpuppte sich als Sackgasse

Nachdem die Beamten von einem Serientäter ausgehen mussten, seien zwischenzeitlich auch Spezialisten aus München dem vermeintlichen Triebtäter auf der Spur gewesen. Zunächst hatten Michael Dietsch und seine 30 Kollegen von der "Soko" einen anderen Mann verdächtigt, für die beiden Taten verantwortlich zu sein. Diese Spur habe sich aber als Sackgasse entpuppt. Die Auswertung der Telefondaten aus beiden Fällen habe die Sonderkommission "Himmel" schließlich auf die richtige Fährte geführt. Der Durchbruch hätten schließlich die DNA-Spuren des 21-Jährigen erbracht, die an beiden Tatorten von den Ermittlern sichergestellt werden konnten.

Aufgrund der erdrückenden Beweislast habe der junge Mann aus Nürnberg die beiden Taten zugegeben. Als Motiv vermutet die Polizei, dass sich der Mann nach dem Sex um die Höhe der Bezahlung mit den Prostituierten gestritten habe. Das Motiv müsse laut Oberstaatsanwalt Alfred Huber in den weiteren Ermittlungen "kritisch überprüft" werden. Zunächst hatte der Verdächtige in seiner Vernehmung noch behauptet, nur zufällig in den beiden Mordwohnungen gewesen zu sein.

Täter war polizeibekannt

Gelebt habe der Arbeitslose in einer Gemeinschaftsunterkunft in der Frankenmetropole. Der 21-Jährige habe als Jugendlicher eine zweiwöchige Arreststrafe aufgrund von häuslicher Gewalt verbüßen müssen. Michael Dietsch lobte auf der Pressekonferenz insbesondere den unermüdlichen Einsatz der 30-köpfigen "Soko Himmel" in den vergangenen 16 Tagen. Ohne das Engagement des gesamten Teams wäre es nicht möglich gewesen, beide Fälle "in kürzester Zeit" aufzuklären, betonte ein sichtlich erleichterter Soko-Chef am Montag in Nürnberg. Der 21-Jährige sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft.



Auftakt der Mordserie Am späten Mittwochabend des 24. Mai wurde eine 22-jährige Prostituierte aus Rumänien tot in ihrer ausgebrannten Modellwohnung in einem Mehrfamilienhaus im Nürnberger Süden aufgefunden. Die Polizei bildet die 20-köpfige Ermittlungskommission "Himmel".

Der zweite Fall Am 5. Juni wird eine 44-jährige Prostituierte aus China in ihrer Modellwohnung im Norden der Frankenmetropole entdeckt. Aufgrund der Tatumstände geht die Polizei schnell von einem Serientäter aus. Aus der 20-köpfigen Ermittlungs- macht die Polizei eine 30-köpfige Sonderkommission, die von Michael Dietsch geleitet wird.

Ermittlungserfolg Die Polizei verteilt Flyer in fünf verschiedenen Sprachen (deutsch, englisch, rumänisch, bulgarisch und ungarisch) im Rotlichtmilieu und setzt eine Belohnung in Höhe von 5.000 Euro aus. Am Freitag kann eine Spezialeinheit einen 21-jährigen Arbeitslosen aus Nürnberg im Stadtgebiet verhaften. Bei den anschließenden Vernehmungen geht der Tatverdächtige die beiden Morde. Als Motiv gibt der Mann laut Polizei an, mit den Frauen über die Höhe der Bezahlung zuvor gestritten zu haben.

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