Nürnberg
Flüchtlinge

Landkreise wegen wachsender Zahl minderjähriger Flüchtlinge alarmiert

Viele sind noch im Teenager-Alter, manche sogar jünger - trotzdem haben die jungen Flüchtlinge oft schon mehr erlebt als manche Erwachsenen. Nach monatelanger Flucht landen immer mehr auch in Bayern - und stellen Jugendämter vor wachsende Herausforderungen.
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Die Betreuung der inzwischen mehr als 4000 unbegleiteten Flüchtlingskinder im Freistaat ist zu einer enormen Belastung geworden. Foto: Jens Büttner/dpa
Die Betreuung der inzwischen mehr als 4000 unbegleiteten Flüchtlingskinder im Freistaat ist zu einer enormen Belastung geworden. Foto: Jens Büttner/dpa
Die bayerischen Landkreise sind über die stark gestiegene Zahl von Flüchtlingen im Kinder- und Jugendalter alarmiert. Die Betreuung der inzwischen mehr als 4000 unbegleiteten Flüchtlingskinder im Freistaat sei zu einer enormen Belastung für die Kreisverwaltungen geworden, sagte der Sozialreferent beim Bayerischen Landkreistag, Klaus Schulenburg, der Deutschen Presse-Agentur. "Dabei müssen wir davon ausgehen, dass die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in diesem Jahr weiter stark steigt", gab Schulenburg zu bedenken.

Ohne deutliche personelle Aufstockung der Kreisjugendämter sei eine angemessene Betreuung der jungen Ausländer kaum noch zu leisten. Dazu sei aber eine deutlich stärkere finanzielle Unterstützung des Freistaates erforderlich, betonte er. Zwar würden die Unterbringungskosten für die jungen Flüchtlinge in einem Losverfahren bundesweit umgelegt. "Nicht umgelegt werden dagegen die stark gestiegenen Verwaltungskosten, etwa für die Bestellung und die Bezahlung eines Amtsvormunds und andere administrative Aufwendungen der Jugendhilfe".

Zwar beteilige sich der Freistaat bereits stark an den Kosten, räumte Schulenburg ein. Die jährlich gezahlten 8 Millionen Euro reichten aber für eine ordentliche Betreuung der jungen Flüchtlinge bei weitem nicht mehr aus. Erforderlich seien pro Jahr 16 bis 20 Millionen Euro, schätzt der Vertreter des Landkreistages. Da unklar sei, ob die Kreise in diesem Punkt mit der erhofften Entlastung rechnen könnten, seien die Haushalte vieler Kreise derzeit mit großen Unsicherheiten behaftet. Zur Klärung der Frage führe der Landkreistag in der kommenden Woche Gespräche mit der Staatsregierung.

Zugleich warnte der Landkreisvertreter davor, die Betreuung der jungen Flüchtlinge auf die leichte Schulter zu nehmen. "Die jungen Flüchtlinge sind hochmotiviert. Sie sind daher eine Riesenchance für unser Land", sagte Schulenburg mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel in Deutschland. "Aber wenn wir die Jugendlichen sich selbst überlassen, sind sie uns später nicht nützlich, sondern werden ein Problem für uns".

Auch die Jugendheime hätten erkannt, dass sich die jungen Flüchtlinge stark von den dort ebenfalls untergebrachten deutschen Jugendlichen unterschieden. Sie würden deshalb in der Regel von ihren deutschen Altersgenossen getrennt untergebracht. "Die jungen Flüchtlinge haben ganz andere Betreuungsnotwendigkeiten", sagte Schulenburg. Um gezielt auf ihre Situation eingehen zu können, brauche es entsprechende Fachkräfte, wie Sozialpädagogen. Diese ließen sich aber nicht ohne eine stärkere finanzielle Unterstützung des Freistaats Bayern einstellen, sagte Schulenburg.

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