Pappenheim
Schlosssanierung

Kleinkrieg in Pappenheim - Kommune und Graf streiten um Fördergelder

Um die Sanierung des neuen Schlosses im mittelfränkischen Pappenheimist ein bizarrer Streit zwischen der Kommune und einer Adelsfamilie entbrannt.
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Blick auf das neue Schloss in Pappenheim: In dem mittelfränkischen Ort hat sich ein bizarrer Kleinkrieg um Fördergelder für eine Schloss-Sanierung entwickelt. Foto: Daniel Karmann/dpa
Blick auf das neue Schloss in Pappenheim: In dem mittelfränkischen Ort hat sich ein bizarrer Kleinkrieg um Fördergelder für eine Schloss-Sanierung entwickelt. Foto: Daniel Karmann/dpa
Im mittelfränkischen Pappenheim hat sich ein bizarrer Kleinkrieg um Fördergelder für eine Schloss-Sanierung entwickelt. Die Fronten zwischen Kommune und Grafschaft sind inzwischen so verhärtet, dass sich der Landrat von Weißenburg-Gunzenhausen, Gerhard Wägemann (CSU), eingeschaltet hat. Wegen des Streits fürchteten manche Pappenheimer schon, sich aufgrund ihres Wohnorts zu blamieren, sagte Wägemann am Montag. Zuerst hatte die "Süddeutsche Zeitung" über den Fall berichtet.

Ursprung des Streits ist die Sanierung des neuen Schlosses. Bund, Freistaat, Bayerische Landestiftung und die Stadt Pappenheim beteiligen sich daran mit insgesamt rund 1,3 Millionen Euro. Das Schloss ist im Besitz der Familie von Albrecht Graf von und zu Egloffstein und Sitz der gräflichen Verwaltung.

Aus Sicht der Kommune hat sich die Grafschaft bei der Sanierung nicht an vertragliche Vereinbarungen gehalten.
Entgegen den Abmachungen sei in einem der Bauabschnitte nicht die Fassade des Schlosses zum Marktplatz hin saniert worden, sondern die unzugängliche Rückseite. Die Stadt weigerte sich daraufhin, weitere Zuschüsse freizugeben. "Uns geht es darum, dass das Schloss saniert ist", erklärte Bürgermeister Uwe Sinn (SPD). "Nicht dass nachher das Geld weg ist, und es ist nichts passiert."

Als Reaktion blockiere der Graf zahlreiche Vorhaben der Stadt, sagte Sinn - etwa einen neuen Fußgängersteg über die Altmühl, die Erneuerung eines Treppchens als Ausstiegshilfe für Bootfahrer oder das Fällen maroder Bäume. "Ich habe den Eindruck, der Graf will uns mit allen Mitteln schaden", sagte Sinn. Möglich ist das, weil der gräflichen Familie viele Grundstücke in Pappenheim gehören.

Der vorläufige Höhepunkt des Streits: Der Graf will vier Quadratmeter eines Grundstücks in der Altstadt einzäunen. "Weil es seins ist", sagte Sinn. Das Problem: "Diese vier Quadratmeter sind mitten in der Straße drin. Dann kommt man mit keinem Auto mehr vorbei", sagte der Rathauschef. Ein öffentlicher Parkplatz mit 40 Stellplätzen und die Stadtwerke wären dann nicht mehr mit dem Auto erreichbar.

Aus Sicht des Landrats bleiben nur zwei Lösungen: Eine gütliche Einigung - oder die Stadt müsse ein Enteignungsverfahren einleiten. "Da bleibt gar keine andere Möglichkeit", sagte Wägemann.

Ende Juli habe er zuletzt das Gespräch mit dem Grafen gesucht, sagte Bürgermeister Sinn. Doch da habe dieser klar gemacht: "Er will erst mit uns sprechen, wenn wir ihm das Geld ausbezahlen." Die Grafschaft äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu den Vorwürfen.

Der Landrat will nun mit Hilfe des Regierungspräsidenten vermitteln - wenn Stadt und Grafschaft mitmachen. "Wir müssen irgendwann wieder zu einem vernünftigen Miteinander kommen", sagte Wägemann. Rathauschef Sinn: "Ich wäre sehr gerne zu einem solchen Gespräch bereit."
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