Nürnberg
Ikea-Neubau

In Nürnberg hagelt es Kritik an Ikea

Umweltschützer fordern weniger Flächenverbrauch, die SPD verlangt ehrliche Steuerpolitik. Die CSU weist indes Kritik gegen das Millionenprojekt zurück.
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Grafik: Ikea
Grafik: Ikea
Die Kritik des Bund Naturschutzes (BN) hat Sebastian Brehm deutlich zurückgewiesen. Der CSU-Fraktionsvorsitzende im Nürnberger Rathaus wehrt sich somit gegen die Kritik an dem 80-Millionen-Projekt von Ikea.

Obwohl der Möbelriese rund 200 Arbeitsplätze schaffe, werde der Konzern von den Umweltschützern mit Forderungen überhäuft, kritisierte Brehm. Noch mehr geärgert habe sich Brehm über die Kritik der SPD an der Steuerpolitik des Möbelhauses.

SPD-Fraktionsvize und Parteichef Thorsten Brehm hatte Ikea via Zeitung vorgeworfen, Gewinne über Lizenzmodelle ins Ausland zu verschieben. Das sei zwar steuerrechtlich legal, aber nicht legitim. Namensvetter Sebastian Brehm von der CSU bezeichnet die Kritik des SPD-Kollegen als "sozialistisches Gedankengut". Nürnberg gebe ein "verheerendes Bild" in der Öffentlichkeit ab, ärgert sich Brehm. Vor dem Hintergrund der hohen Langzeitarbeitslosigkeit und sinkender Gewerbesteuereinnahmen müsse die Frankenmetropole "froh und dankbar über jede Investition" sein, findet CSU-Fraktionschef Sebastian Brehm.


Reichen Ikea auch zwei Geschosse?

Der Bund Naturschutz (BN) hatte vorgeschlagen, Ikea solle seine Baupläne im Hinblick auf ökologische Belange überarbeiten. Beispielsweise sollten drei statt zwei Geschosse errichtet werden, um den Flächenverbrauch zu reduzieren. Johannes Ferber, Geschäftsführer der Ikea Verwaltungs-GmbH, weist die Vorschläge der Naturfreunde im Gespräch nicht pauschal zurück.

Im Gegenteil sogar: "Die Vorschläge sind vernünftig und wir werden versuchen, sie aufzugreifen." Begrüßt hätte es Ikea freilich, wenn die Umweltschützer die Vorschläge nicht via Zeitung an den Konzern herangetragen hätten. Zu den Forderungen erklärt Ferber, dass die Verbesserungsvorschläge des BN bereits teilweise in den aktuellen Plänen enthalten seien. So verweist Ikea auf die geplante "Stelzen-Bauweise" auf Pfeilern. 800 Parkplätze könnten so ebenerdig unter dem Gebäude entstehen.


Grünes Ikea-Dach

Die Nürnberger Umweltschützer fordern zudem, dass Ikea die Dachfläche zusätzlich begrünen soll. Auch über diesen Vorschlag will das Möbelhaus "offen" diskutieren, obwohl man skeptisch hinsichtlich der technischen Realisierbarkeit bleibt. "Wir stellen uns auch hier nicht quer. Allerdings kann ein begrüntes Dach später leicht zu Problemen wie Undichte führen, deshalb muss das geprüft werden", sagt Ferber.

Das 73.000 Quadratmeter große Grundstück ist komplett versiegelt. Im Vergleich zum Status quo würde sich also laut CSU-Fraktionschef Brehm die Situation durch den geplanten Neubau verbessern. "Das ist ja der Witz an der Kritik. Der Neubau entsteht nicht auf der grünen Wiese, sondern in einem Industriegebiet", sagt Brehm hierzu.


Zeitplan für den neuen Standort

Der Baubeginn für das neue Möbelhaus in der Regensburger Straße im Nürnberger Süden ist ab dem Jahr 2018 vorgesehen. Die Eröffnung ist für Herbst 2019 geplant. Ikea investiert nach eigenen Angaben rund 80 Millionen Euro. Nach Fürth und Würzburg wäre dies der dritte Ikea-Standort in Franken.

Zur Kritik der SPD an der Steuervermeidungspolitik des Möbelhauses empfiehlt Ikea den Nürnberger Sozialdemokraten, sich beim Nachbarn in Fürth zu erkundigen. Dort würden seit Jahrzehnten die Steuereinnahmen sprudeln. Ikea rechne laut Ferber auch in Nürnberg fest damit, jährlich einen siebenstelligen Steuerbetrag an die Stadt zu zahlen.
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