Nürnberg
Schule

Immer weniger Schwimmunterricht an fränkischen Grundschulen

Im Grundschullehrplan ist der Schwimmunterricht fest verankert, trotzdem fällt er auch in Franken immer wieder ins Wasser. Die Ursachen sind vielschichtig.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auch in Franken fällt der Schwimmunterricht an Grundschulen immer öfter aus. Symbolbild: Georg Wendt/dpa
Auch in Franken fällt der Schwimmunterricht an Grundschulen immer öfter aus. Symbolbild: Georg Wendt/dpa
+1 Bild
Fehlende Bäder, lange Anfahrtswege, Personalmangel: Regelmäßig fällt an bayerischen Grundschulen der Schwimmunterricht aus oder kann nicht stattfinden. "Es gibt ganze Grundschulen, die nicht schwimmen gehen", betont Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrerverbands.

Oft müssten sich mehrere Schulen ein Bad teilen, weil Einrichtungen aus Kostengründen schließen. Alleine im Freistaat waren es seit dem Jahr 2005 knapp 50. Vor allem auf dem Land ist dann mit der Fahrt zum nächsten Bad ein immenser Aufwand verbunden. Die Folge: Kommunen stoßen an ihre finanziellen Grenzen, der Unterricht - im Lehrplan eigentlich fest verankert - fällt ins Wasser.


Lehrer trauen sich den Schwimmunterricht nicht zu

Auch in Franken ist das Problem allgegenwärtig. "In erster Linie fallen Schwimmstunden aus, weil es an der erforderlichen Infrastruktur mangelt", bestätigt beispielsweise Benjamin Zahn von der Regierung von Mittelfranken. Man versuche, dem Trend mit unterschiedlichen Maßnahmen entgegenzuwirken. Lehrkräfte würden von Hilfskräften - beispielsweise Bademeister oder "FSJler" - unterstützt.

Hilfe, die anscheinend auch nötig ist: Laut Lehrerverbands-Chefin Fleischmann spielt die Angst vieler Lehrer wegen "Horrormeldungen" über Schwimmunfälle eine große Rolle. Auch mit entsprechender Ausbildung trauten sich viele Lehrkräfte den Unterricht alleine nicht zu. Zudem hätten viele Kinder keine Lust oder kämen nicht, weil sie nicht schwimmen könnten.

Beim bayerischen Landesverband der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist das Problem ebenfalls bekannt. "Die Klage hören wir von Lehrern öfter", bestätigt Sprecher Horst Auer. Es sei wichtig, "dass die Kommunen die Bäder erhalten". Den Schulen empfiehlt er, auf die Schulämter zuzugehen - und sich für den Unterricht auch bei der DLRG Hilfe zu holen.

Wie beispielsweise durch das Projekt "Sichere Schwimmer", an dem sich bayernweit weit schon über 30 Schulen beteiligen. Speziell ausgebildete DLRG-Schwimmtrainer begleiten den Unterricht mit dem Ziel, dass möglichst alle Schüler die Grundschule mit dem Jugendschwimmabzeichen "Bronze" verlassen.


Projekt in Unterfranken für Nichtschwimmer

Ein ähnliches Projekt wurde in Unterfranken zu Beginn des Schuljahres 2014/15 ins Leben gerufen. Bei "Schwimmkids durch Schwimmfix" werden Nichtschwimmer im Rahmen eines Schullandheimaufenthaltes über mehrere Tagen intensiv unterrichtet. Ein erfolgreiches Konzept, freut sich Johannes Hardenacke, Pressesprecher der Regierung von Unterfranken.
Das generelle Problem kann "Schwimmfix" aber auch nicht beheben: Zwar findet in Unterfranken an über 78 Prozent der Grundschulen im laufenden Schuljahr Schwimmunterricht statt. Bei 308 Kommunen und nur 103 öffentlichen Bäder muss aber improvisiert werden.

Man bemühe sich trotzdem, so Hardenacke, Schwimmunterricht flächendeckend zu realisieren. Gleichwohl appelliert er an die Eltern: "Es geht auch um Eigenverantwortung. Abseits der Schule gibt es für Kinder ausreichend Angebote, die man wahrnehmen kann." chp/mit dpa
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren