Nürnberg

Huml-Mitarbeiter haben keine Lust auf Nürnberg

Die rund 250 Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums wollen nicht nach Nürnberg. Auch Ministerin Melanie Huml (CSU) aus Bamberg gerät in die Kritik.
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Die rund 300 Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums wollen nicht nach Nürnberg. Auch Ministerin Melanie Huml (CSU) aus Bamberg gerät in die Kritik. Foto: Daniel Karmann/dpa
Die rund 300 Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums wollen nicht nach Nürnberg. Auch Ministerin Melanie Huml (CSU) aus Bamberg gerät in die Kritik. Foto: Daniel Karmann/dpa
Keine Berge, keine Isar, kein Oktoberfest: Aus München wollen die meisten der rund 250 Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums nicht wegziehen. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat kürzlich mit seinem Kabinett aber genau dies beschlossen. Ab 2017 soll die Behörde peu à peu nach Nürnberg verlagert werden, um den vergleichsweise armen Norden des Freistaates zu stärken.

Begeistert sind die "Ex-Münchner in spe" darüber nicht. "Ausgerechnet Franken!" denkt sich wohl eine satte Mehrheit der Ministerialen in der Landeshauptstadt. In einer anonymen Abstimmung haben aktuell 92 Prozent der teilnehmenden Mitarbeiter (243 von insgesamt 264 Mitarbeiter sollen daran teilgenommen haben) gegen den Umzug nach Franken votiert, sagt Rainer Allert (45) vom Personalrat. "Die hohe Wahlbeteiligung zeigt, dass die Umzugspläne die Mitarbeiter sehr bewegt. Die Kollegen haben extreme Zukunftsängste", erklärt Allert.

Durch die anhaltende Stimmungsmache der Mitarbeiter gegen die zeitnahen Umzugspläne gerät Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) ins Kreuzfeuer der Kritik. Schließlich hat Huml nach der überraschenden Bekanntgabe erklärt, dass kein Mitarbeiter gegen seinen Willen nach Nürnberg umziehen müsse. An dieses "Prinzip der Freiwilligkeit" glauben viele Mitarbeiter offensichtlich nicht. Nürnberg-Verweigerern könnte das Abstellgleis auf der Karriereleiter drohen, befürchtet Allert. Anders sind die desaströsen Werte der aktuellen Umfrage auch kaum zu erklären. Viele Mitarbeiter seien der Meinung, dass sich die Ministerin aus Bamberg zu wenig gegen die Umzugspläne gewehrt habe. Huml erklärte kurz nach der Sitzung in einem Interview, auch sie sei von den Umzugsplänen bei der entscheidenden Kabinettssitzung in St. Quirin überrascht worden. Meistern muss Huml den Umzug trotzdem.

Die Luftveränderung begreift Huml mittlerweile als Chance. Das "modernste Ministerium" will sie schaffen. Huml hofft darauf, dass möglichst viele Mitarbeiter nach Nürnberg umziehen. Eine neue Adresse gibt es freilich noch nicht. Zuletzt hieß es, es werde ein Haus in der Nähe des Nürnberger Hauptbahnhofes gesucht. Für viele Mitarbeiter dürfte der Anblick von Umzugskisten nichts neues sein. Erst vor zwei Jahren ist das 2013 gegründete Ministerium in das aktuelle Gebäude am Haidenauplatz beim Münchner Ostbahnhof eingezogen.

Per se hätten die Mitarbeiter im Ministerium nichts gegen die Frankenmetropole, versichert Personalrat Allert. Aus persönlichen Gründen wollten die meisten Kollegen die Stadt an der Isar nicht verlassen. Die Abneigung gegen Nürnberg habe viel mit der Attraktivität der Landeshauptstadt zu tun, sagt Allert. Selbst die vergleichsweise günstigen Immobilienpreise in Franken würden daran nichts ändern. Mit der Kritik an den Plänen wollen die Mitarbeiter das Ministerium offensichtlich zu Zugeständnisse drängen. Denkbar wären neben Jobangeboten in München auch Zuschüsse für Fahrkarten, um das Pendeln attraktiver zu machen. Dass die Regierung die Umzugspläne begräbt, daran glaubt Allert nicht. Dafür habe Seehofer die Verlagerung zu vehement angekündigt.
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