Spalt
Brauerei

Hopfenheimat Spalt braut kommunales Bier

Spalt ist die einzige Stadt in Deutschland, in der noch eine kommunale Brauerei existiert. Udo Weingart lenkt als Bürgermeister nicht nur die Geschicke der Kommune, er ist auch Geschäftsführer der Spalter Brauerei.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bürgermeister Udo Weingart(CSU) zapft in der Bierothek der Spalter Brauerei gerne persönlich...
Bürgermeister Udo Weingart(CSU) zapft in der Bierothek der Spalter Brauerei gerne persönlich...
+2 Bilder
Zum Brombachsee sind es nur vier Kilometer, ein Hopfenfeld befindet sich gleich hinter der Brauerei. Genau das ist es, was das Städtchen Spalt und die Landschaft ganz im mittelfränkischen Süden prägt - das neugeschaffene fränkische Seenland und der hier seit Jahrhunderten angebaute Hopfen.Zwar kann das fränkische Hopfengebiet mit seinen 350 Hektar Anbaufläche mit dem Hallertauer und seinen 10.000 Hektar von der Größe her nicht annähernd mithalten. Aber: "Wir verarbeiten hier einen ausgesprochen feinen Aromahopfen," erklärt Uwe Schulz, Braumeister in der Spalter Brauerei.

Und freut sich, dass die 5100 Spalter als Brauereibesitzer und der Bürgermeister als Geschäftsführer fungieren. "Weil es den Besitzern in erster Linie um Qualität geht, und erst danach um Wirtschaftlichkeit," so Schulz. Die Spalter legen eben Wert auf gutes Bier. Für einen Braumeister ideale Zustände, weil er Rohstoffe wie Hopfen und Gerste selbst einkaufen darf. Schulz hat kurze Wege, der beste Hopfen wächst praktisch vor der Haustür, und die Braugerste kommt natürlich auch aus der Region. Dass das Spalter Bier hopfig-herb schmeckt, verwundert da nicht.

"Unser Pils hat bis zu 40 Bittereinheiten, das schafft sonst keiner," preist der Brauer sein Produkt. Und erklärt auch noch, wie es zu dem besonderen Aroma des Spalter Biers kommt. "Unsere Sudpfanne haben wir speziell für den Spalter Hopfen optimiert. Damit können wir schonender kochen und die Aromaöle weitgehend erhalten."

Und der Geschäftsführer der Brauerei? Bürgermeister Udo Weingart muss sich die Arbeitszeiten im Rathaus und in der Brauerei genau einteilen. Montags ist für ihn meist BrauereiTag. Da sieht er im Betrieb mit seinen 35 Mitarbeitern nach dem Rechten. Eine Arbeitszeit, die die Stadt natürlich in Rechnung stellt.Er selbst erhalte für den Zusatzjob als Geschäftsführer keinen Cent extra, erläutert Weingart das Abrechnungssystem zwischen der Stadt und dem kommunalen Unternehmen. Als Geschäftsführer ist der Bürgermeister für geordnete betriebswirtschaftliche Abläufe und das Marketing zuständig. Was der Betrieb erwirtschaftet, wandert übrigens nicht in die Stadtkassen, sondern wird wieder in die Brauerei investiert.

Messebesuche und Klinkenputzen bei den Kunden sind für den "Bürgermeistergeschäftsführer" selbstverständlich. Spalter Bier ist hochpreisiger als die Konkurrenz. Auf den hart umkämpften Nürnberger Markt, wo sich die Großen beharken, legt Weingart keinen großen Wert.

Das Bier wird hier zwar auch in Supermärkten angeboten, aber beim Preis lässt er nicht mit sich reden. "Wir sind ein mittelständischer Betrieb und wollen mittelständisch bleiben. Wachstum um jeden Preis ist nicht unsere Sache," erläutert Weingart die Spalter Philosophie. Zu der auch die touristische Vermarktung von Bier und Hopfen gehört. So soll im 500 Jahre alten Kornhaus der Stadt ein Hopfen- und Biermuseum entstehen, inklusive einer Tourismuszentrale Bereits heute werden Stadtführungen mit dem Schwerpunkt Hopfen und Bier angeboten, und in der Bierothek der Brauerei löschen die Teilnehmer von jährlich 200 Brauereiführungen ihren Durst. Spätestens dann versteht der Gast, warum die Spalter ihr Bier so schätzen.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren