Nürnberg
Global Marihuana March

Ganz entspannt für legales Kiffen in Nürnberg demonstriert

"Gebt das Hanf frei!" forderten am Samstag rund 350 Demonstranten beim "Global Marihuana March" in Nürnberg.
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Keine Flüstertüte. Foto: Nikolas Pelke
Keine Flüstertüte. Foto: Nikolas Pelke
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Besonders Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) stand im Kreuzfeuer der Kritik.

Lässige Rhythmen, coole Typen: Bei einer Hanfparade haben am Samstag rund 350 Cannabis-Aktivisten für eine Freigabe des Rauschkrauts demonstriert. David und Lukas sind Realschüler aus Neustadt an der Aisch. "Bei uns in der Klasse rauchen ungefähr 80 Prozent ab und zu einen Joint", erklärt Lukas, und sein Klassenkamerad mit dem modischen Männerdutt auf dem Kopf nickt. Die beiden Freunde haben sich für die Hanfdemo extra in Schale geworfen und ihren allerbesten Hanfanzug, den mit vielen grünen Hanfblättern drauf, aus dem Kleiderschrank geholt.


XXL-Joint

Nebenan hält Kalle ein Schild in den Himmel. "Gebt das Hanf frei!" hat der Nürnberger in bunten Lettern darauf gemalt. Ein paar Reihen davor nuckelt David an einer Riesentüte.
Den überdimensionalen XXL-Joint hat der Würzburger gebastelt, damit die Politik endlich Marihuana entkriminalisiert. "Freunde von mir wurden mit einem leeren Tütchen erwischt und haben deswegen Stress mit der Staatsanwaltschaft bekommen. Das kann nicht sein, dass sich Bayern beim Thema Gras noch im Mittelalter befindet", echauffiert sich David. "Auf Dauer kann sich die Politik nicht mehr gegen eine Freigabe wehren", ist sich auch Henri sicher. Nachdem in den USA der Anbau und Konsum der weichen Droge legalisiert worden sei, werde diese liberale Haltung bald auch über den Großen Teich nach Deutschland schwappen, ist sich der junge Mann aus Fürth sicher. In Ländern wie Spanien sei Gras schon weitgehend legal.

Andere Demonstranten glauben, dass sich die Gesetzeslage im ganzen Land ab der nächsten Bundestagswahl ändern wird, falls die amtierende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) danach mit den Grünen gemeinsame Sache machen wird. Dieter Janecek, grüner Bundestagsabgeordneter aus Bayern, forderte die Cannabis-Konsumenten am Samstag in Nürnberg dazu auf, sich zu "outen". So könnten ein politischer Stimmungswechsel herbeigeführt und die Gesetzeslage geändert werden.

Derweil nehmen die Demonstranten in Sprechchören den Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg ins Visier. "Maly, gib das Marihuana frei!" skandieren die Hanf-Aktivisten. Auf Ulrich Maly (SPD) sind viele sauer, weil er Kiffer und Junkies, weiche und harte Drogen, kürzlich in einen Topf geworfen habe, erklärt Alex Götz, der den Protestmarsch in der Frankenmetropole organisiert hat und gleichzeitig als Vorsitzender des Nürnberger "Cannabis Social Club" der aktuelle Anführer der Hanf-Aktivisten in der Frankenmetropole ist. Der junge Nürnberger mit dem breiten Lächeln und den schicken Piercings will nach spanischem Vorbild für sich und seine 50 Club-Freunde gemeinsam Gras anbauen und rauchen dürfen. Als der Verein den Oberbürgermeister davon in einem Brief informierte, habe der nur auf Drogenkonsumräume verwiesen, die die Stadt für Heroinabhängige einrichten wolle. Damit entzündete der SPD-Politiker den Zorn der Hanf-Aktivisten. Die fühlen sich schließlich nicht als Drogenabhängige, sondern Anhänger eines Krauts, das in Maßen konsumiert für Spaß und gute Laune sorgt und nicht schnurstracks in den Drogentod führt.

"Der Global Marihuana March ist eine friedliche weltweite Demonstration zur Legalisierung von Marihuana", erklärt Götz, der Ober-Aktivist. Die fränkischen Hanffreunde sind sich sicher, dass sie ihr Gras bald daheim legal für den persönlichen Verbrauch anbauen können. Dadurch wären alle Probleme gelöst, finden sie. Die Dealer würden verschwinden. Die Qualität des Marihuanas würde steigen. Am Ende könnte sogar der Staat durch Steuereinnahmen davon finanziell profitieren. "Eine Nutzpflanze mit jahrtausendelanger Traditionsgeschichte darf nicht illegal sein", findet Götz und wendet sich entspannt einem Polizisten zu. Im Hintergrund kreist ein Joint. Die Aktivisten strahlen und tanzen. So stellen sie sich die Zukunft vor. Ein bisschen Gras rauchen ohne Stress zu bekommen. Denn den mögen Hanffreunde überhaupt nicht.
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