Nürnberg

Frau bei lebendigem Leib verbrannt: Angeklagter freigesprochen

Nachdem eine 61-Jährige in Nürnberg bei lebendigem Leib verbrann ist, ist ihr Lebensgefährte vor Gericht freigesprochen worden.
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Der Angeklagte Siegfried T. (r) sitzt am 22.11.2016 im Schwurgerichtssaal 600 im Landgericht Nürnberg-Fürth in Nürnberg (Bayern) neben seinem Anwalt Tobias Schmidt (2.v.l.). Der Angeklagte soll seine Lebensgefährtin im Januar mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leib angezündet haben. Nun wurde er freigesprochen. Foto: Nicolas Armer/dpa
Der Angeklagte Siegfried T. (r) sitzt am 22.11.2016 im Schwurgerichtssaal 600 im Landgericht Nürnberg-Fürth in Nürnberg (Bayern) neben seinem Anwalt Tobias Schmidt (2.v.l.). Der Angeklagte soll seine Lebensgefährtin im Januar mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leib angezündet haben. Nun wurde er freigesprochen. Foto: Nicolas Armer/dpa
Nach dem Feuertod einer 61-Jährigen in Nürnberg ist der Lebensgefährte der Frau vom Mordvorwurf freigesprochen worden. Das Landgericht Nürnberg-Fürth hielt es am Dienstag für möglich, dass sich die Frau Mitte Januar selbst das Leben genommen hat. Mit ihrem Urteil folgte die Kammer der Forderung der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen auf lebenslange Haft für den 55-Jährigen plädiert. Nach Ansicht der Anklage hatte der Mann die Frau nach einem Streit mit Benzin übergossen und angezündet, um eine vorangegangene Körperverletzung zu vertuschen. Laut Obduktion lebte die Frau noch, als sie in Brand geriet.

In dem Indizienprozess konnte jedoch nicht bewiesen werden, dass die Frau getötet wurde. Daher entschied die Kammer im Zweifel für den Angeklagten. In einem anderen Verfahren war der 55-Jährige in erster Instanz wegen Körperverletzung an der 61-Jährigen verurteilt worden. Zudem hatte er rund 30 Vorstrafen wegen kleinerer Straftaten.

In ihrer Urteilsbegründung zeichnete die Vorsitzende Richterin das Bild einer durch Gewalt und Alkoholprobleme geprägten Beziehung. Immer wieder sei die Polizei bei dem Paar gewesen. Auch die Nachbarn hätten oft Streit mitbekommen. Meist hätten sie dann aber nur den Fernseher lauter gedreht. "Geholfen hat der Frau niemand", sagte die Richterin.

Am Tag der Tat sei der Sohn der Frau zu Besuch gewesen, den sie seit vier Jahren nicht mehr gesehen habe. Ihm habe die 61-Jährige erzählt, dass ihr Lebensgefährte sie schlägt - und trotzdem habe ihr Sohn sie wieder mit dem 55-Jährigen allein gelassen. Die Kammer hält es für möglich, dass dies die Frau letztlich zu dem Entschluss brachte, sich selbst mit Benzin zu übergießen und anzuzünden. Denn nichts und niemand habe ihr geholfen - keine Anzeige, ihr Sohn nicht und auch nicht die Nachbarn.

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