Nürnberg
Pro und Kontra

Frankenschnellweg: Weniger Stau oder noch mehr Verkehr?

Der Ausbau des Frankenschnellwegs in Nürnberg ist seit Jahren höchst umstritten. Am Montag verhandelt das Verwaltungsgericht Ansbach über das Projekt. Es gibt Gründe dafür und dagegen.
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Foto: Daniel Karmann/dpa
Foto: Daniel Karmann/dpa
Der Frankenschnellweg durch das Nürnberger Stadtgebiet darf wie geplant ausgebaut werden. Das Verwaltungsgericht in Ansbach wies am Montag die Klagen von Bund Naturschutz in Bayern (BN) und vier Privatleuten ab, die Häuser an der Ausbaustrecke besitzen. Die Straße sei eine Kreisstraße und keine Autobahn, daher sei für den Ausbau auch keine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig. Die geplanten Lärmschutzmaßnahmen steigerten den Wert der Grundstücke sogar, sagte der Vorsitzende Richter Günter Förster.

"Über den aktiven Schallschutz, der vorgesehen ist mit einer zusätzlichen Mauer, bekommen Sie sogar einen besseren Schutz", sagte der Richter zu einem der Privatkläger: "Warum klagen sie eigentlich dagegen? Denn das was jetzt ist, ist in der Tat nicht besonders toll." Das Feinstaub-Problem könne der Freistaat auch nachträglich über die Luftreinhalteplanung regeln.

Der Leiter des Rechtsamts der Stadt Nürnberg, Walter Lindl, zeigte sich zufrieden mit dem Urteil: "Die Stadt als Träger hat einen Prozesserfolg errungen." Tom Konopka vom Bund Naturschutz dagegen sagte: "Die Klage ist für uns enttäuschend ausgegangen." Der BN halte daran fest, dass der Frankenschnellweg in der Stadt eine Autobahn sei. Klägervertreter Eike Schönefelder fügte hinzu: "Das Urteil ist rechtsfehlerhaft." Man werde jetzt die Urteilsbegründung abwarten und dann Rechtsmittel prüfen. Nächste Instanz wäre der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in München.

Die Gegner des Verkehrsprojekts fürchten, dass durch den kreuzungsfreien Ausbau des Frankenschnellwegs der Verkehr in Nürnberg noch zunimmt. Vor allem Lastwagen würden sich ihrer Ansicht nach dann den Umweg über den Norden der Kommune sparen. Die Stadt Nürnberg dagegen geht davon aus, dass die Staus durch den geplanten Tunnel weniger werden. Sie hofft dadurch auf weniger Lärm und Feinstaub.

Mit Frankenschnellweg wird der fränkische Teil der Autobahn 73 bezeichnet, die Suhl in Thüringen mit Nürnberg und Feucht verbindet. Nördlich von Nürnberg führt die A73 über Lichtenfels, Coburg und Bamberg. Am nördlichen Stadtrand von Nürnberg endet die Schnellstraße und beginnt erst am Südende wieder. Um dieses Stück Straße innerhalb der Stadt dreht sich der aktuelle Streit.

Auf einer etwa zwei Kilometer langen Strecke muss der Verkehr bisher drei Ampel-Kreuzungen passieren - lange Staus sind die Regel. Stadt und Land wollen von 2015 an für rund 450 Millionen Euro auf zwei Ausbauabschnitten einen Tunnel bauen, Flüsterasphalt und eine zusätzliche dritte Fahrspur legen und Lärmschutzwände errichten.

Weniger Stau oder noch mehr Verkehr? Was spricht für den Ausbau des Frankenschnellwegs in Nürnberg und was dagegen?



Pro:

Dauerstau: Jeden Tag stehen Autofahrer auf dem Frankenschnellweg und den querenden Straßen im Stau - egal in welcher Richtung. In den angrenzenden Stadtteilen werden Schleichwege genutzt, um dem Chaos auszuweichen. Durch einen Tunnel könnten diese Fahrzeuge nach Ansicht der Stadt flüssiger fahren.

Grün in der Stadt: Ein Teil der Tunneldecke soll mit umliegenden Grünflächen zu einem Park mit Spiel- und Erholungsmöglichkeiten werden. Entlang des Frankenschnellwegs sollen außerdem viele Bäume und Büsche neu gepflanzt werden.

Weniger Lärm und Dreck: Tunnel und Schutzwände sollen die Anwohner künftig besser vor Lärm schützen. Da es keine täglichen Staus mehr gebe, werde die Abgasbelastung geringer. Durch den Tunnel und die Lärmschutzwände würden Feinstaub und Stickstoffdioxid von den Wohngebieten ferngehalten.


Kontra:

Noch mehr Verkehr: Wenn der Frankenschnellweg zu einer kreuzungsfreien Stadtautobahn ausgebaut wird, fürchten die Gegner noch mehr Verkehr. Gerade Lastwagen würden sich dann den langen Umweg im Norden der Stadt sparen.

Hohe Abgaskonzentration: Vor allem an den Tunnelenden könnten sich die Abgase konzentrieren, die dort nach Angaben der Kritiker ungefiltert herausgeblasen werden sollen. Die Anwohner dort würden künftig stärker von Feinstaub und Stickoxiden belastet.

Hohe Kosten: Die Kritiker fürchten, dass die für den Ausbau geplanten 450 Millionen Euro bei weitem nicht ausreichen. Auch die Folgekosten seien immens. Dieses Geld sollte man ihrer Ansicht nach besser in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und der Radnetze stecken.


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