Nürnberg
AEG-Gelände

Die Wissenschaftsmeile ist tot - kein Technik-Campus auf AEG-Gelände in Nürnberg

Wer ist Schuld an dem Aus für den geplanten Technik-Campus auf dem ehemaligen AEG-Gelände in Nürnberg? Und wohin jetzt mit den Technik-Studenten?
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Blick über einen Teil des Geländes des Elektrogeräte-Herstellers AEG in Nürnberg. Foto: Daniel Karmann/dpa
Blick über einen Teil des Geländes des Elektrogeräte-Herstellers AEG in Nürnberg. Foto: Daniel Karmann/dpa
Schnell hat die SPD in Nürnberg mit dem Finger auf die CSU gezeigt. Das Ende der Uni-Pläne sei "eine Blamage für die CSU-Staatsregierung", kritisierte der Nürnberger SPD-Vorsitzende, Thorsten Brehm. Finanzminister Markus Söder (CSU) verteidigte postwendend den Abbruch der Verkaufsverhandlungen. "Zu klein und zu teuer" seien die rund 170.000 Quadratmeter im Nürnberger Westen gewesen.

Wundern tut sich freilich der Eigentümer über die plötzliche Kehrtwende. Beinahe drei Jahre hätte man über den Verkauf des gesamten Geländes verhandelt, erklärt Projektleiter Betram Schultze von der Leipziger Immobilienfirma MIB am Mittwoch auf Anfrage. "Ständig äußern sich Minister und Oberbürgermeister zum Projekt. Aber die Uni wird nicht gefragt?", wundert sich Schultze. Im April 2015 verkündete beispielsweise Finanzminister Söder vollmundig: "AEG wird Unistandort". Damals war Söder sich sicher, den Vertrag noch im selben Jahr unter Dach und Fach bringen zu können. Von einem Investitionsvolumen von 100 Millionen Euro war seinerzeit die Rede.


Hat die Uni den Deal verbockt?

Nach Meinung von Bertram Schultze hat die Universität Erlangen-Nürnberg den Deal verbockt. Erst nach drei Jahren rücke die Uni plötzlich damit heraus, dass sie für einen Technik-Campus viel mehr Fläche als auf AEG benötige. Erstaunlich sei das für ihn schon, gibt Schultze offen zu, dass eine Raumanalyse über den tatsächlichen Flächenbedarf erst kurz vor dem Ende und nicht am Anfang der Verhandlungen gestanden habe. Der Projektleiter widerspricht auch dem Minister, dass ein Vertragsabschluss aus Kostengründen gescheitert sei. Über den Verkaufspreis sei man sich einig gewesen. Staatliche Gutachter hätten den Preis bestätigt. Überhaupt vermutet Schultze, dass im Hintergrund womöglich politische Grabenkämpfe eine Rolle gespielt haben könnten. Innenminister Joachim Herrmann (ebenfalls CSU) komme schließlich aus Erlangen, Söder aus Nürnberg.

Tatsächlich ist zwischen den beiden Unistädten ein Studenten-Tausch vorgesehen. Ein Teil der Technischen Fakultät sollte nach Nürnberg (aufs AEG-Gelände). Dafür sollte die bisher in Nürnberg angesiedelte Lehrerausbildung in die Hugenottenstadt umziehen. Die Frankenmetropole fordert seit Jahren mehr Studenten für ihre Stadt. Deshalb ist es ausgemachte Sache, dass nach dem Aus in Nürnberg nach einem neuen Grundstück gesucht wird.


Neues Grundstück gesucht

Besonders ins Auge gefasst wird dabei der ehemalige Südbahnhof. Das Gelände ist zwar noch weiter von Erlangen entfernt. Allerdings gibt es hier noch Platz in der dicht bebauten Hauptstadt der Franken. Die riesige Industriebrache rund um Bruneckerstraße vegetiert seit Jahrzehnten einsam und verlassen vor sich hin. Dementsprechend skeptisch hat sich bereits die wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD, Katja Strohacker, zu der Idee geäußert. "Am Südbahnhof wird es lange dauern, bis der erste Spatenstich erfolgen kann und die Grundstücke überhaupt erschlossen sind." Dagegen hätte man auf AEG an der Fürther Straße sofort loslegen können.

Zusätzlich hätte die Ansiedlung auf AEG den Charme gehabt, dass dort bereits universitäre Forschungseinrichtungen wie der "Energie Campus Nürnberg" oder das "E-Drive Projekt" beheimatet sind. Laut dem Nürnberger SPD-Vorsitzenden, Thorsten Brehm, hätte man den Campus auf AEG "problemlos auf das Quelle-Areal erweitern können". Die beiden Industriebauten stehen sich an der Fürther Straße direkt gegenüber.

Markus Söder träumte häufig von der Wissenschaftsmeile, die entlang der Fürther Straße entstehen und den schmerzhaften Untergang der alten Industrien vergessen machen würde. "Die Fürther Straße wird eine echte Technologiemeile", kündigte Söder noch im Jahr 2015 im Hinblick auf den geplanten Technik-Campus euphorisch an. Bertram Schultze versteht nicht, warum sich die Politik diese Chance hat entgehen lassen.
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