Frankfurt am Main

15 Jahre Euro: Faktencheck zum Mythos "Teuro"

Seit 2002 zahlen die Deutschen mit dem Euro - viele nannten ihn schon damals "Teuro". Doch was ist an diesem Spitznamen dran? Der Faktencheck.
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Seit 2002 zahlen die Deutschen mit dem Euro - viele nannten ihn schon damals "Teuro". Doch was ist an diesem Spitznamen dran? Der Faktencheck.
Seit 2002 zahlen die Deutschen mit dem Euro - viele nannten ihn schon damals "Teuro". Doch was ist an diesem Spitznamen dran? Der Faktencheck.
Das Wort des Jahres 2002 war "Teuro" und das zeigt schon ein grundsätzliches Problem im Verhältnis der Deutschen zu ihrer Währung, mit der seit bald 15 Jahren in vielen Staaten der Europäischen Union gezahlt wird: Viele sind davon überzeugt, dass seit dem Euro alles teurer geworden ist.



Da stimmt, allerdings nur bedingt. Ja, die Verbraucherpreise sind seit der Einführung der europäischen Währung im Januar 2002 bis 2015 um rund 25 Prozent angestiegen, doch ist die Teuerung nicht rasanter als in den Jahren vor der Euro-Einführung. Das zeigen die Zahlen des statistischen Bundesamtes.
Damals zahlte man noch mit der als stabil gepriesenen D-Mark, doch vergleicht man die Verbraucherpreise von 1991 mit dem Zeitpunkt der Einführung, sind sie ebenfalls um rund 25 Prozent angestiegen.



Die durchschnittliche Teuerungsrate seit Einführung des Euro liegt niedriger als in den D-Mark-Jahren davor. Statistisch ist der Euro also kein Preistreiber. Daran haben selbst Finanz- und Eurokrise kaum etwas geändert. Dass die Teuerungsraten vor Einführung des Euro im Schnitt deutlich höher lagen als danach, liegt natürlich auch an den hohen Kosten der Wiedervereinigung, wodurch die Inflation in den frühen Neunzigern teilweise vier Prozent jährlich betrug. Aber, selbst wenn man dies mit einbezieht, ergibt sich kein Bild explodierender Preise seit dem Jahreswechsel 2001/2002.



Richtig ist allerdings, dass die Preise für Restaurantbesuche direkt nach der Euro-Einführung stark anstiegen - teilweise blieben tatsächlich die Zahlen auf den Karten beinahe gleich, nur dass sich eben die Währung änderte. Diese Erhöhungen durch die Gastronomie dürften zu großen Teilen für die gefühlte Wahrheit des "Teuro" verantwortlich sein.
Insgesamt war der Preisanstieg bei Lebensmitteln und Brennstoffen deutlich stärker als etwa bei Kleidung und Schuhen. Preissteigerungen bei diesen Gütern, deren Anschaffung im Alltag oft im Fokus steht, prägen sich stärker ein.

Beachten muss man auch, dass es viele Gründe für Preisänderungen gibt. So wurde die Mehrwertsteuer im Jahr 2007 erhöht, dazu kamen andere Abgaben und Steuererhöhungen, zum Beispiel auf Tabakwaren. Diese Preissteigerungen haben mit der Währung an sich nichts zu tun. Auch die weltweit gewachsene Nachfrage nach Nahrungsmitteln treibt seit 2007 die Preise dafür in die Höhe. Die Wahrheit ist kaum auf eine Ursache wie die Einführung einer neuen Währung einzugrenzen, eine Wiedereinführung der D-Mark dürfte wohl kaum die von Euro-Kritikern wie der AfD erhofften Auswirkungen haben, dafür gibt es zu viele Faktoren, die an den Preisen drehen.
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