Emskirchen
Einsatz

Nach Demo und Großeinsatz: YouTube-Kanal von Drachenlord stillgelegt

Nach der Demo gegen den umstrittenen YouTuber "Drachenlord" hat dieser seine Videos von der Plattform zurückgezogen. Zuvor hatten im mittelfränkischen Emskirchen rund 800 Personen gegen ihn demonstriert und einen Großeinsatz der Polizei verursacht.
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Die Polizei hatte bei der Demonstration gegen den Drachenlord im fränkischen  Emskirchen alle Hände voll zu tun. Foto: News 5/DESK
Die Polizei hatte bei der Demonstration gegen den Drachenlord im fränkischen Emskirchen alle Hände voll zu tun. Foto: News 5/DESK

Zwei Tage nach einer Hass-Demo gegen den YouTuber "Drachenlord" im mittelfränkischen Emskirchen sind die umstrittenen Videos von dessen Plattform verschwunden. Auf der Seite des YouTubers hieß es am Mittwoch, dass der Kanal auf unbestimmte Zeit pausiere. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet. Wieso die Seite stillgelegt wurde, war zunächst nicht bekannt. Der Mann wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern. Rund 3,5 Millionen Mal wurden seine Videos geklickt, wie es auf der Internetseite hieß.

Positive Bilanz der Polizei

800 Personen demonstrierten gegen den "Drachenlord" in Emskirchen in Franken: Eine vorläufige erste positive Bilanz zieht Polizeihauptkommissar Thomas Klein, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Neustadt an der Aisch, nach dem Einsatzgeschehen anlässlich der verbotenen Versammlung vor dem Haus des YouTubers "Drachenlord" am Montag in Altschauerberg, einem Ortsteil von Emskirchen.

Drachenlord-Demo: Erste Kontrollen bereits am Freitag

Im Zusammenhang mit der Demonstration gegen den YouTuber Drachenlord wurden bereits über das zurückliegende Wochenende (seit Freitagvormittag) Kontrollen von rund siebzig Personen im Gemeindebereich Emskirchen, und hier insbesondere in dessen Ortsteil Altschauerberg, durchgeführt. Im Laufe des Montagvormittags kamen dann bis 16 Uhr rund 150 weitere Personenkontrollen hinzu. Die Ordnungshüter stellten bei allen die Personalien fest und erteilten den Angetroffenen im Anschluss einen Platzverweis.

In der Nacht zum Montag gegen 3:10 Uhr musste ein 19-Jähriger aus der Gruppe der Kontrollierten dann in polizeilichen Gewahrsam genommen werden, weil er zum wiederholten Mal angetroffen wurde und er dem angeordneten Platzverweis der Polizei nicht nachgekommen ist.

Rund 800 demonstrieren in Altschauerberg gegen den Drachenlord

Im Rahmen der verbotenen Versammlung zog es dann trotz des Verbotes nach Schätzung der Polizei insgesamt rund 800 Personen nach Altschauerberg. Zur Spitzenzeit hielten sich rund 600 Menschen im näheren Umfeld des Emskirchner Ortsteils auf, der von den Einsatzkräften der Polizei weiträumig abgeriegelt worden war.

Bei Drachenlord-Demo: Unbekannte zünden Böller

Die Polizei Neustadt wurde bei diesem Einsatz von Beamten aus Erlangen, Nürnberg und Ansbach sowie von der Zentralen Diensthundestaffel in Mittelfranken unterstützt. Gegen 19:10 Uhr wurden von zunächst Unbekannten zwei nicht zugelassene Böller geworfen und ein ebenfalls illegaler Rauchtopf gezündet.

Die Personen flüchteten zunächst zu Fuß und fuhren dann mit einem Auto davon. Das Fahrzeug wurde dann gegen 22:30 Uhr von den Einsatzkräften vor Ort erneut angetroffen und kontrolliert. Gegen die Fahrzeuginsassen aus dem Raum Fürth wurde ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wegen einem Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz eingeleitet.

Feuerwehr muss ausrücken: Brand durch Feuerwerkskörper

Gegen 19:30 Uhr bemerkten Einsatzkräfte dann eine Rauchentwicklung, vermeintlich in einem Waldgebiet südlich von Altschauerberg und der Staatsstraße 2244. Deshalb wurden die Freiwilligen Feuerwehren Altschauerberg und Emskirchen alarmiert. Die Brandstelle konnte schnell lokalisiert werden und lag unmittelbar neben der Fahrbahn am Waldrand. Das Feuer war glücklicherweise sofort von der Feuerwehr gelöscht. Aufgrund der derzeit bestehenden Waldbrandgefahrstufe konnte so weitaus Schlimmeres verhindert werden. Ausgelöst wurde das Feuer durch einen selbst gebastelten Feuerwerkskörper, der ein Glutnest entfacht hat.

Drachenlord-Demonstranten blockieren Feuerwehrhaus

Allerdings hatten mehrere Personen das Abfahren der Einsatzkräfte in Altschauerberg vom Feuerwehrhaus blockiert. Deshalb wurden von der Polizei rund 25 Personen von der Ausfahrt geräumt, wobei in fünf Fällen von den Ordnungshütern unmittelbarer Zwang angewandt werden musste.

Aufgrund des Brandvorfalls zog der Landrat, der sich zu diesem Zeitpunkt vor Ort ein Bild von der

Lage verschafft hat, im Anschluss den Kreisbrandrat am Einsatzort hinzu. In gegenseitiger Abstimmung einigten sich die Behördenvertreter und die Polizei auf die Einrichtung einer Brandwacht vor Ort für den Rest der Nacht. Darüber hinaus wurde auf Wunsch der Polizei der Einsatzraum durch die Freiwilligen Feuerwehren Altschauerberg und Emskirchen über Nacht mit Leuchtmitteln ausgeleuchtet.

25-Jähriger bespuckt Beamte bei Demo gegen Drachenlord

Gegen 20:45 Uhr sollte ein 25-Jähriger von Polizeibeamten kontrolliert werden. Dabei beleidigte er zunächst die beiden Ordnungshüter und bespuckte anschließend einen der beiden. Er wurde deshalb vorläufig festgenommen, wobei der Tatverdächtige aufgrund seiner Renitenz gefesselt werden musste.

Gegen ihn wird nun wegen Körperverletzung und Beleidigung ein Strafverfahren eingeleitet. Er war bei der Tat offenbar erheblich alkoholisiert. Ein Atemalkoholtest war allerdings nicht möglich.

Schmierereien mit Filzstift

Gegen 22:45 Uhr ertappte eine Zivilstreife der Polizei am Bahnhof Emskirchen einen 18-Jährigen bei einer Sachbeschädigung auf frischer Tat. Er hatte vorher die Versammlung in Altschauerberg besucht. Während des Wartens auf den Zug beschmierte er dort ein Wartehäuschen mit einem Filzstift und wurde dabei von der Zivilkräften beobachtet. Gegen ihn wurde ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung eingeleitet.

Identität bei rund 300 Personen festgestellt

Die Einsatzkräfte stellten anlässlich des Versammlungsgeschehens im Heimatort des Drachenlords vier Gegenstände zur Gefahrenabwehr sicher. Darüber hinaus wurde in der Zeit zwischen Montag, 16 Uhr, und Dienstagmorgen,4 Uhr, von rund dreihundert anwesenden Personen die Identität festgestellt. Gegen diese wird nun ein Bußgeldverfahren nach dem Versammlungsgesetz eingeleitet, da sie gegen das verfügte Versammlungsverbot verstoßen haben.



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