Neuschauerberg
Schmutzkampagne

Übler Scherz: Meldung über Pferdevergewaltiger kursiert

Ein Mann soll sich in Neuschauerberg (Landkreis Neustadt an der Aisch) an Pferden vergangen haben. Die Meldung verbreitet sich rasant - sie ist aber gefälscht.
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Symbolbild: imago/imagebroker
Symbolbild: imago/imagebroker
Wie ein Lauffeuer verbreitet sich in den sozialen Netzwerken seit vergangener Woche die Meldung, im Emskirchener Ortsteil Neuschauerberg hätte ein Mann mehrere Pferde missbraucht. Über 1200 mal wurde die Meldung auf Facebook, Twitter und anderen Kanälen geteilt. Die "Emskirchen Rundschau", auf deren Seite der Bericht veröffentlicht wurde, beruft sich auf Aussagen der Polizei und der Nürnberger Nachrichten.

Am Montag erschien ein neuer Artikel, der die Thematik erneut befeuerte - diesmal wurde ein Phantombild des mutmaßlichen Pferdeschänders veröffentlicht. Herausgeber des Bildes sei angeblich das Polizeipräsidium Mittelfranken, die Kriminalpolizei Nürnberg führe die Ermittlungen gegen den Unbekannten. Sogar 1500 Euro Belohnung seien für Hinweise ausgesetzt, die zu einer Verhaftung führen.

Innerhalb eines Tages wurde der vermeintliche Fahndungsaufruf tausende Male auf Facebook geteilt. Durch die professionelle Gestaltung der Nachrichtenseite und den offiziell wirkenden Fahndungsaufruf mit Polizei-Logo hinterfragt kaum jemand die Echtheit der Nachricht.


Alles nur ein übler Scherz

Im offiziellen Pressearchiv des Polizeipräsidiums findet man allerdings keine Spur der Fahndung. Auf Nachfrage stellt sich heraus: Die Kriminalpolizei Nürnberg ermittelt tatsächlich. Allerdings nicht gegen den "Pferdevergewaltiger", sondern gegen die Betreiber der Seite. Denn die Meldung ist von vorne bis hinten gefälscht. Im Markt Emskirchen ist der beschriebene Vorfall nie zur Anzeige gebracht worden.

Und auch die "Emskirchen Rundschau" stellt sich bei genauerer Betrachtung als Fälschung heraus. Die Seite, die durch ihre URL einen Bezug zum Markt Emskirchen suggeriert, hat mit der Gemeinde nichts zu tun. "Wir distanzieren uns von dieser Seite", sagt eine Sprecherin der Gemeinde auf Nachfrage. Die einzige offizielle Homepage der Gemeinde ist unter der Adresse www.emskirchen.de zu erreichen.


Schmutzkampagne gegen eine einzige Person

Der Zweck hinter der falschen Nachrichtenseite liegt offensichtlich in einer Schmutzkampagne gegen eine einzelne Person - nämlich den jungen Mann, den das Phantombild darstellt. Die unbekannten Website-Ersteller haben die Meldung sogar als aufwendig produzierten Videobeitrag aufbereitet.

Das rückt sie nun auch in den Fokus der Ermittler. Die Kriminalpolizei hat eine Ermittlungskommission gegründet, die den Fall betreut. Der Mann aus Emskirchen sei schon seit längerer Zeit Opfer von Verleumdungen und Beleidigungen. Der gefälschte Fahndungsaufruf erfülle außerdem den Tatbestand der Urkundenfälschung.
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