Rechtenbach
Tödlicher Unfall

Unfall auf A3 mit drei Toten: Dieser Feuerwehrmann bespritzte Gaffer mit Wasser

Nach einem Unfall auf der A3 bespritzte Rudolf Heimann aus Waldaschaff Gaffer mit Wasser. Sein Kampf gegen Schaulustige ist noch nicht zu Ende.
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Rudi Heimann Simon Hörnig
Rudi Heimann Simon Hörnig

Es war die Aktion des Jahres: Während der Bergungsarbeiten bei einem schweren Unfall mit drei Todesopfern auf der A3 bespritzte der Feuerwehrmann Rudolf Heimann vorbeifahrende Gaffer mit Wasser. Um die öffentliche Aufmerksamkeit für diese Problematik aufrechtzuerhalten, hat Heimann mit den Kollegen seiner Countryband Canyon nun den Song "Gaff nicht" aufgenommen.
 

 


"Ich würde das auf jeden Fall wieder machen", sagt der gebürtige Waldaschaffer (Lkr. Aschaffenburg) im Gespräch im Rechtenbacher (Lkr. Main-Spessart) Aufnahmestudio von Wolfgang Adolf über seinen damaligen Entschluss, der "aus dem Bauch und der Situation heraus" entstanden war. "Aber nur, wenn es der Kommandant erlaubt."

 

 


"Alle standen hinter mir"

Damit Rettungswagen und Abschleppdienst überhaupt durchkommen konnten, leitete die Feuerwehr an dem Tag den Verkehr auf der Autobahn an der Unfallstelle vorbei und dabei kam es für Heimann und seine Kollegen zu unglaublichen Szenen: "Die sind dann stehen geblieben - wirklich stehen geblieben - Fenster auf, Handy raus, das war eine Katastrophe."

80 Prozent der Vorbeifahrenden hätten so agiert, selbst in dem Moment, als die Toten eingeladen wurden. Als er das sah, wurde es Heimann, dessen Mutter Marga Heimann zwei Tage zuvor verstorben war, zu bunt und er habe "den Hahn halt mal ein bisschen aufgedreht".

Heimann ist sich durchaus bewusst, dass es Aufgabe der Polizei ist, gegen Gaffer vorzugehen: "Aber in dem Moment habe ich denen ja geholfen, die haben sie ja dann rausgezogen. Polizei und Feuerwehr haben mehr zu tun, als die Leute denken", fügt er hinzu und prangert die regelmäßige Überforderung der Einsatzkräfte durch das Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer an. Auch habe er bezüglich eines zeitweilig drohenden Ermittlungsverfahrens gegen ihn wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr keine Bedenken gehabt: "Weil ich gewusst habe, dass alle miteinander hinter mir stehen. Selbst der Bürgermeister und die ganze Feuerwehr im Umkreis, alle haben ihre Unterstützung zugesichert."

 

 


Solidarität bekundet hatte auch Wolfgang Leikermoser, der auf dem Sender Antenne Bayern die Morgensendung "Guten Morgen Bayern" moderiert. Der Moderator habe öffentlich erklärt, eine mögliche Strafe für ihn zu bezahlen, erinnert sich Heimann. In Reaktion darauf kam dem Vollblutmusiker, der mit Bandkollege Michael Knogl bereits auf 35 Jahre Bühnenerfahrung zurückblicken kann, die Idee, einen Song zu machen. Knogl, mit dem Heimann in der Countryband Canyon spielt, war nach kurzem Zögern dabei, und so schrieben die beiden auf die Melodie von "Supertrip" - dem allerersten eigenen Song der Gruppe - die erste Strophe für "Gaff nicht".
Nach anfänglichen Zweifeln (Heimann: "Ich wollte es eigentlich erst nicht rausgeben") rang sich der Feuerwehrmann am nächsten Tag doch dazu durch, die Probeaufnahmen an den Radiosender zu schicken. Eine Viertelstunde später kam der Anruf vom stellvertretenden Tageschef Nick Lisson, der ihn zu Aufnahmen ins Ismaninger Studio bat.
Zunächst noch ganz perplex, leitete Heimann schnell alle nötigen Schritte ein und motivierte neben Canyon-Sängerin Sandra Spiegel auch Knogl, der als selbstständiger Fliesenleger gerade mit einem Kollegen bei der Arbeit war: "So eine Chance bekommen wir nie mehr!"
"Wir hatten einen Riesenspaß", so Heimann über die zweistündigen Aufnahmen, deren Ergebnis in einem 49-sekündigen Video auf der Homepage des Senders zu sehen ist. "Wir waren ja erst um sieben Uhr oben, das ganze Team hatte auf uns gewartet. Es war super, die waren total locker drauf", erinnert sich Bandleader Knogl. Doch mit diesem Teaser wollten sich die Musiker nicht zufriedengeben und fragten Bandkollege Wolfgang Bednarz um Rat. Der kannte einen Freund mit einem Tonstudio, und so ergab sich der Kontakt zu Wolfgang Adolf aus Rechtenbach.

 

 


Teil des Erlöses wird gespendet

Schon kurze Zeit später waren die Aufnahmen für den Dreiminüter im Kasten und, mithilfe des Labels der Canyons "Spinnup", kurze Zeit später bei Amazon, Spotify, Deezer und itunes auch online als Download beziehungsweise Stream verfügbar. Die Reaktionen waren bisher hauptsächlich positiv, wobei Knogl einige Kommentare auf Youtube ärgern, die Heilmann vorwerfen, er wolle damit nur das schnelle Geld machen.

Von den Verkäufen hat Heilmann bislang keinen Cent gesehen, da die Abrechnung über die Dienste erst in ein paar Monaten erfolgt, aber fest steht bereits, dass 30 Prozent der Einnahmen je nach Bedarf an den Waldaschaffer Kindergarten oder die Feuerwehr gehen sollen.
Obwohl Wolfgang Bednarz anmerkt, dass ihm der Medienrummel phasenweise auch lästig gewesen sei, sieht Heilmann diesen in erster Linie positiv und möchte seine Popularität für den guten Zweck einsetzen. Besonders das Thema Rettungsgasse ist dem ehrenamtlichen Floriansjünger, der für die Waldaschaffer Feuerwehr in Stoßzeiten bis zu 20 Einsätze pro Woche fährt, ein wichtiges Anliegen: Bald hat er einen Termin mit dem Landtagsabgeordneten Peter Winter, den er dafür gewinnen möchte, sich für die Umsetzung eines Rettungsgassen-Hinweises für Navis einzusetzen. "Ich will, dass das Pflicht wird, dafür mache ich weiter", so Heimann.

Auch live können sich Fans auf Darbietungen von "Gaff nicht" freuen. Michael Knogl hat einige Buchungen bestätigt und freut sich nach verschiedenen Mitgliederwechseln auf einen Neustart mit Canyon: "Wir haben jetzt ein richtig geiles Team zusammen, da starten wir nächstes Jahr so richtig durch." Simon Höring

 

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