Rohrbrunn
Festnahme nach Sprengstoff-Alarm

Rastplatz-Vorfall an der A3 in Unterfranken: Vereitelter Anschlag oder Intrige gegen den Iran?

Der an einer Raststätte bei Aschaffenburg festgesetzte Mann ist im Zusammenhang mit einem geplanten Terroranschlag auf Exil-Iraner in Paris in Gewahrsam genommen worden. Der Vorfall in Unterfranken ist in Österreich ein diplomatischer Eklat.
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Rohrbrunn: Die Tankstelle der Rastanlage Spessart Süd. Wegen des Verdachts auf Sprengstoff in einem Auto ist eine Rastanlage auf der Autobahn 3 bei Aschaffenburg am Sonntagabend zeitweise gesperrt worden. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Rohrbrunn: Die Tankstelle der Rastanlage Spessart Süd. Wegen des Verdachts auf Sprengstoff in einem Auto ist eine Rastanlage auf der Autobahn 3 bei Aschaffenburg am Sonntagabend zeitweise gesperrt worden. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Der iranische Diplomat, der in Unterfranken im Zusammenhang mit einem vereitelten Terroranschlag in Paris festgenommen wurde, sorgt für zwischenstaatliches Gerangel hinter den Kulissen. Der 47-Jährige war am Sonntag an der Raststätte Spessart-Süd in einem Auto festgenommen worden, in dem nach Geheimdienstinformationen Sprengstoff transportiert werden sollte. Gefunden wurde in dem Wagen allerdings nichts.


Von belgischen Behörden mit europäischem Haftbefehl gesucht

Trotz seines Diplomatenstatus' war der Mann, dessen Name die Ermittler mit Assadollah A. angeben, von belgischen Behörden mit einem europäischen Haftbefehl gesucht worden - offenbar wegen des Verdachts, an der Planung eines vereitelten Anschlages auf Exil-Iraner in Paris beteiligt gewesen zu sein. Deshalb wurde er in Gewahrsam genommen und wartet nun auf seine Auslieferung nach Brüssel.


Diplomat und Geheimdienst-Mitarbeiter?

Österreichischen Medien zufolge war der Festgenommene früher 3. Botschaftsrat der islamischen Republik in Österreich. Aus Ermittlerkreisen heißt es, dass der Verhaftete auch Mitarbeiter des iranischen Geheimdienstes MOIS (Ministerium für Information und Sicherheit) sei.


Eduard Lintner wäre unter den Anschlagsopfern gewesen

Geplant war nach Angaben der Staatsanwaltschaft Brüssel und der Ermittler in Paris offenbar ein Anschlag auf ein Treffen von 25.000 Exiliranern in der Nähe der französischen Hauptstadt. An dem Treffen sollte nach Angaben französischer Medien auch Rudy Giuliani teilnehmen, der Anwalt von US-Präsident Donald Trump. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Patzelt nahm an der Konferenz teil, eine Rede hielt der in Münnerstadt (Landkreis Bad Kissingen) wohnende ehemalige Staatssekretär des Innern, Eduard Lintner von der CSU.

Der Anschlag soll von den Sicherheitsbehörden in Zusammenarbeit mehrerer Länder vereitelt worden sein. In Belgien war am Samstag ein Ehepaar iranischer Herkunft mit Sprengstoff im Wagen festgenommen worden. Es gab an, den Sprengstoff von dem 47-jährigen in Luxemburg erhalten zu haben - nach Angaben von Ermittlern in Brüssel war damit der Auftrag verbunden, damit einen Anschlag auf das Treffen der iranischen Oppositionsbewegung in Paris zu verüben.


Lob für unterfränkische Polizei

Bayerns Innenminister Joachim Hermann lobte die unterfränkische Polizei und betonte, der Fahndungserfolg sei auch auf die automatisierte Kennzeichenerkennung zurückzuführen. "Mit dieser Festnahme können wir die Ermittlungsarbeit in Belgien sicher unterstützen."


Irans Botschafter in Wien einbestellt

Der Verdacht gegen den in Unterfranken inhaftierten Diplomaten scheint fundiert zu sein, wenn er mit europäischem Haftbefehl gesucht wird. Der iranische Botschafter sei ins Außenministerium in Wien zitiert worden, sagte ein Ministeriumssprecher am Dienstag: "Wir haben den Entsendestaat ersucht, die Immunität des Diplomaten aufzuheben." Diese schützt ihn vor Strafverfolgung. Ihm werde "binnen 48 Stunden aufgrund des Vorliegens eines Haftbefehls der Diplomatenstatus aberkannt."


Besuch des iranischen Präsidenten

Der Vorfall ist in Österreich ein diplomatischer Eklat - kurz vor dem Besuch des iranischen Präsidenten Hassan Rouhani in Wien. Irans Außenminister Javad Zarif äußerte den Verdacht einer Intrige und spricht von Inszenierung. Wer immer das Attentat auf die Regimegegner geplant habe, habe nicht im Interesse des Iran gehandelt. "Der Iran verurteilt unzweideutig sämtliche Gewalt und Terror überall und ist bereit, mit allen Betroffenen zusammenzuarbeiten, um diese unheimliche, unter falscher Flagge durchgeführte Machenschaft aufzudecken", twitterte Zarif. Und weiter: "Wie praktisch: Gerade als wir für einen Präsidentenbesuch nach Europa ins Flugzeug steigen, werden 'Verschwörer' einer angeblichen iranischen Operation festgenommen."

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