Lohr am Main
Fahndung

Unterfranken: Nach zweiter Flucht aus Psychiatrie - Straftäter (37) festgenommen

Die Polizei hat einen Straftäter gefasst, der aus einer geschlossenen Abteilung des Bezirkskrankenhauses in Lohr am Main entkommen konnte. Der 37-Jährige war schon einmal erfolgreich aus der Klinik geflüchtet. Wie konnte das passieren?
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Bereits zum zweiten Mal war ein Straftäter aus dem Bezirkskrankenhaus in Lohr am Main entkommen. Symbolfoto: Marcus Führer/dpa
Bereits zum zweiten Mal war ein Straftäter aus dem Bezirkskrankenhaus in Lohr am Main entkommen. Symbolfoto: Marcus Führer/dpa

Nachdem ein 37-jähriger Gewalttäter Mitte März erneut aus der geschlossenen Abteilung des Bezirkskrankenhauses in Lohr am Main geflohen war, hat die Würzburger Polizei den Mann am Montagabend festgenommen.

Wie bereits berichtet, hatte der 37 Jahre alte Mann am Sonntag, den 17. März, gewaltsam die Verriegelung eines Fensters in einem Aufenthaltsraum aufgebrochen und konnte anschließend vom Innenhof aus die Umzäunung des Geländes überwinden. Die unterfränkische Polizei hat seitdem nach dem Flüchtigen gefahndet und hatte auch die Öffentlichkeit um Hinweise gebeten.

Im Laufe des Montags ergaben sich dann Hinweise auf den Aufenthaltsort des Gesuchten. Schließlich konnte er, gegen 21:30 Uhr, durch zivile Einsatzkräfte der Operativen Ergänzungsdienste Würzburg im Würzburger Stadtteil Zellerau festgenommen werden. Der Mann wurde anschließend wieder nach Lohr am Main ins dortige Bezirkskrankenhaus gebracht.

Gewalttäter flüchtet aus Psychiatrie - schon zum zweiten Mal

Besonders bemerkenswert an der Flucht: Es ist nicht das erste Mal. Der 37-Jährige war bereits Mitte Februar diesen Jahres während eines Arbeitseinsatzes aus dem Krankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie geflüchtet. Erst nach knapp drei Wochen (Anfang März) war er von der Würzburger Polizei im Keller eines Würzburger Wohnhauses festgenommen und zurück ins Bezirkskrankenhaus gebracht worden.

Wie konnte der Straftäter zweimal hintereinander flüchten?

Wie konnte sich der Straftäter zweimal kurz hintereinander dem Maßregelvollzug entziehen und aus der Forensik in Lohr flüchten? Der Bezirk Unterfranken klärte auf Anfrage der Redaktion jene Fragen, die sich derzeit viele stellen:

Die Forensik ist ein stark gesichertes Krankenhaus, in dem seelisch kranke oder süchtige, verurteilte Straftäter untergebracht und therapiert werden.

Wie Markus Mauritz, Pressesprecher des Bezirks, erläuterte, war die Flucht des Mannes am Sonntag der erste gelungene Ausbruchversuch eines Patienten aus der neuen, 2007 fertiggestellten Forensik.

Die Situation Mitte Februar war eine ganz andere: Damals war er unter Aufsicht mit Gartenarbeiten im frei zugänglichen Gelände des Bezirkskrankenhauses betraut worden und hatte sich schlichtweg unbemerkt abgesetzt. Freigänge, anfangs begleitet, zeitlich wie räumlich eingeschränkt, können als erste Lockerungsstufe zur Therapie der Patienten gehören, erläuterte Mauritz. Dass sich dabei jemand absetze, "komme immer wieder mal vor".

In Würzburg war der 37-Jährige verurteilt worden: zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft wegen Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Nachstellung, wie Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen auf Anfrage ausführte. In die Forensik eingeliefert wurde er laut Mauritz Mitte 2018 und zwar nach Paragraf 64 des Unterbringungsgesetzes, was auf Drogen- oder Alkoholabhängigkeit hinweist.

Zweite Flucht gelang mit Werkzeug und Helfern

Der tatsächliche Ausbruch am Sonntag war wesentlich spektakulärer. Denn dafür benötigte er zumindest ein Werkzeug für die speziellen Schrauben, mit denen die im Mauerwerk eingelassenen Spezialstäbe an den Fenstern gesichert sind. Wie er sich das Werkzeug besorgt hat und wo es nun ist, haben die Verantwortlichen noch nicht klären können. Um den Stab im Aufenthaltsraum zu entfernen, muss er zudem "brachiale Gewalt" eingesetzt haben, so Mauritz. Schließlich wurde er bei seiner Flucht von zwei weiteren Patienten begleitet oder unterstützt.

Die drei sprangen laut Mauritz aus 3,50 Metern Höhe in den Hof. Einer habe sich dabei den Fuß verstaucht, so der Bezirkssprecher. Der 37-Jährige schaffte es als Einziger, den 5,20 Meter hohen Zaun an der Ecke zur Eingangspforte zu überwinden. Die betreffende Stelle ist - ebenso wie ein Mast in der Nähe - seit Montag mit zusätzlichem Stacheldraht gesichert. Seine Fluchtbegleiter wurden vom Personal festgehalten.

Die neue Forensik in Lohr, in die der Freistaat insgesamt 20 Millionen Euro investierte, wurde 2007 fertiggestellt. Ausgelegt ist sie für 136 Patienten, tatsächlich untergebracht sind derzeit 160. Betreut werden sie von insgesamt 198 Beschäftigten. Davon sind 105 Pflegekräfte und zehn Ärzte. Auch die zweite unterfränkische Forensik ist überbelegt: Geplant für 59 Betten, werden in Werneck 86 Patienten von 71 Beschäftigten betreut. Wobei die Zahl der Pflegekräfte sich nicht nach der Bettenzahl orientiert, wie Mauritz klarstellt, sondern nach jener der Patienten. Der erste Spatenstich solle im Herbst den Beginn der Bauarbeiten für die Erweiterung der Forensik in Werneck symbolisieren.

Wegen Gefährlicher Körperverletzung im Bezirkskrankenhaus Lohr am Main untergebracht

Die Polizei aus Lohr am Main hat nach der erneuten Flucht von Eugen S. umgehend intensive Fahndungsmaßnahmen eingeleitet und dabei auch Unterstützungskräfte einbezogen.

Von Roland Pleier mit dpa/ak

 

 



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