Lichtenfels
Verhandlung

Zwei Nachbarn aus dem Kreis Lichtenfels streiten seit über 20 Jahren - auch vor Gericht

Ein 83-Jähriger aus dem Landkreis Lichtenfels stand wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort vor dem Amtsgericht. Sein Nachbar sagte gegen ihn aus.
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Als Angeklagter und als Zeuge setzten zwei Männer aus dem östlichen Landkreis Lichtenfels ihre nachbarschaftliche Dauerfehde nun vor dem Amtsgericht Lichtenfels fort. Symbolbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Als Angeklagter und als Zeuge setzten zwei Männer aus dem östlichen Landkreis Lichtenfels ihre nachbarschaftliche Dauerfehde nun vor dem Amtsgericht Lichtenfels fort. Symbolbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Erwuchs alles nur aus dem Dung eines schon traditionellen Nachbarschaftsstreits? Diese Vermutung kam am Dienstag im Saal 14 des Amtsgerichts Lichtenfels mehrmals auf, als der Fall eines womöglich oder tatsächlich absichtlich umgefahrenen Zauns erörtert wurde. Wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort hatte sich ein 83-Jähriger zu verantworten.

Zwei Männer, die im östlichen Landkreis eine seit mehr als 20 Jahren währende gegenseitige Abneigung pflegen, gerieten auch am 26. Mai dieses Jahres aneinander. Streitpunkt war ein Wendemanöver mit dem Auto, bei dem der Senior den Zaun des 49-Jährigen beschädigt haben soll. Allerdings pflegten die Parteien unterschiedliche Ansichten zum Wert des Zaunes: Sprach die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Annika Deller, von 1050 Euro Schaden, so gab der Geschädigte laut Angeklagtem den Zaunwert seiner Versicherung gegenüber mit 1700 Euro an. "Ich habe das als Versicherungsbetrug betrachtet, denn der Zaun hat noch höchstens 20 Euro Brennholzwert - wenn überhaupt", erklärte wiederum der Beschuldigte.

Der Vorfall hat sich laut Angeklagtem in etwa so abgespielt: Gegen Abend habe er selbst mit seinem Auto ein Wendemanöver dort ausgeführt, wo sich beider Freizeitdomizile in Nachbarschaft zueinander befinden. Zum Zweck des sich dort befindlichen Geländers vertrat der Angeklagte zudem die Ansicht: "Das hat mein Nachbar dort errichtet, mit Sicherheit in der Absicht, mir das Rangieren zu erschweren."

Zwei Versionen eines Vorfalls

Jedenfalls sei sein 49-jähriger Nachbar nach dem Wendemanöver mit einem Teller Kartoffelsalat auf ihn zugekommen, während eine Gartenparty mit Grillfeier im Gange war und die dortige Zufahrt deshalb zugeparkt war. "Er hat mich beschimpft, dass ich zum Rangieren zu blöd sei", fuhr der Angeklagte fort. Zudem mutmaßte er, dass die Anzeige gegen ihn aus einem bestimmten Grund erfolgte: "Er ist von mir vor 25 Jahren schon mal geohrfeigt worden, und darum sinnt er auf Rache." Diese Ohrfeige soll laut dem Senior, dem darob ein bisschen Stolz in der Stimme lag, so vehement ausgefallen sein, dass der Geohrfeigte einen Tinnitus davongetragen habe.

"Das ist jetzt auch, was mich interessiert: Was ist denn die Vorgeschichte zu diesem Streit?", erkundigte sich Richter Alexander Zenefels. Worauf er stoßen sollte, waren mitunter auch sehr unterschiedliche Aussagen zum Geschehen.

Weil er einen quietschenden Keilriemen gehört habe, sei der 49-Jährige dorthin geeilt, woher das Geräusch gekommen war. "Ich habe ihn gefragt, ob er nicht sieht, dass er in den Zaun fährt. Dann ist er rückwärts ins Blumenbeet gefahren. Ich habe zwei Stunden gewartet, ob er sich entschuldigen kommt." Eine Entschuldigung kam jedoch nicht. Stattdessen fuhr der Angeklagte weiter.

Udo Kießwetter, Rechtsanwalt des Angeklagten, hielt dem Mann vor, er habe seinem Mandanten ein regelrechtes Ultimatum gesetzt. Der 49-Jährige wiederum erklärte, dass er sich vom Ort des Geschehens schon deshalb entfernt habe, weil ihm der angeklagte Nachbar sonst über die Füße gefahren wäre. Den richterlichen Vorhalt, dass der 83-Jährige angab, dass die Sache mit dem Zaun nur eine Gelegenheit darstelle, etwas heimzuzahlen, kommentierte der 49-Jährige mit "Blödsinn".

Nun äußerte Zenefels, dass immerhin die Möglichkeit bestehe, dass ein Nachbarschaftsstreit jetzt über das Gericht ausgetragen wird. Letztlich sollte auch ein Zeuge auftreten, der zur Erhellung des Sachverhalts mangels Beobachtungen nicht allzu förderlich war.

So wurde das Verfahren eingestellt. Am Ende wandte sich Zenefels an die beiden Nachbarn und riet: "Es wäre vielleicht gut, wenn Sie sich aussöhnen würden." Während sich der 83-Jährige dem Vorschlag gegenüber offen zeigte, hatte sein Nachbar mehr als nur Vorbehalte: "Ich habe da kein Interesse daran."



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