Lichtenfels
Integration

Neue Heimat in Franken: Zuversichtlich in die Zukunft

Osama Almerstany ist 2014 von Syrien nach Deutschland geflohen. Obwohl er und seine Familie in Damaskus alles verloren haben, sind sie mittlerweile durch die Hilfe der Aktiven Bürger gut integriert.
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Neuer Arbeitsplatz: In Damaskus war Almerstany selbst Inhaber einer Druckerei. Nun arbeitet er bei creo dem Druck- und Medienservice der Mediengruppe Oberfranken in Bamberg.  Foto: Matthias Einwag
Neuer Arbeitsplatz: In Damaskus war Almerstany selbst Inhaber einer Druckerei. Nun arbeitet er bei creo dem Druck- und Medienservice der Mediengruppe Oberfranken in Bamberg. Foto: Matthias Einwag
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"Die Menschen wurden wie Tiere in einem Käfig untergebracht: Ungefähr 100 Personen auf 20 Quadratmeter und es gab nur eine Toilette", erinnert sich der 49-jährige Osama Almerstany an einige der Flüchtlingsheime. Im November 2014 kam er nach seiner Flucht in Deutschland an und fand schließlich seine neue Heimat in Lichtenfels.

Firma bei Angriff zerstört

2010 hatte er in Damaskus als Druckereibesitzer ein neues Gebäude für ungefähr 800 000 Euro gebaut. Dieses wurde jedoch während des noch immer anhaltenden Bürgerkrieges in Syrien von Bomben völlig zertrümmert. "Drei bis vier Bombenangriffe habe ich hautnah miterlebt." Als seine Firma bei einem Angriff zerstört wurde, sagte er zu seiner Frau, dass sie jetzt weggehen müssen.

Er brachte seine schwangere Frau Amira und seine Kinder in Sicherheit zu Verwandten, die in der Türkei lebten und ging dann noch einmal nach Damaskus zurück. "Das Wichtigste war mir, dass meine Familie in Sicherheit ist." Von dort aus probierte er dann die Flucht zu Fuß über die Türkei in Richtung Deutschland. Für sieben Monate strandete er in Istanbul und musste wieder zurückkehren nach Syrien. "Meine Frau hat nach ein paar Monaten gesagt, ich soll es noch einmal probieren."

Was dann folgte, waren viele Etappen, die aus teilweise 17 Stunden durchgehendem Laufen, dem Transport durch Schleuser und dem Leben in Flüchtlingsunterkünften bestanden. Ein Handy, um mit seiner Frau in Kontakt zu bleiben, Geld, etwas zu Essen und Wasser - das war alles, was Almerstany auf seinem langen Weg bei sich hatte.

Neue Heimat in Lichtenfels

Als er dann in Deutschland ankam, wurde er von der Polizei aufgegriffen und fand dann nach den Zwischenstationen München und Bayreuth sein Zuhause in Lichtenfels.

Hier lernte er Eva Schröder, eine ehrenamtliche Integrationshelferin, kennen. "Ich wollte denen helfen, die wirklich alles verloren haben", sagt sie. Über einen Sprachkurs, den die Aktiven Bürger organisierten, kam er mit dieser Hilfsorganisation in Kontakt. "Er war ein wirklich sehr fleißiger und disziplinierter Lerner", sagt Eva Schröder und lächelt. Auch Josef Breunlein von den Aktiven Bürgern nickt und ergänzt: "Wir hatten sehr großes Glück, dass wir damals viele engagierte Helfer gefunden haben, die für so eine schnelle Integration wie bei Familie Almerstany geholfen haben."

Sie habe bei ihm den Willen und die Motivation, sich hier in Lichtenfels ein neues Leben aufbauen zu wollen, gesehen und ihn deswegen weiter unterstützt. "Jeden Tag haben wir zusätzlich gemeinsam drei Stunden Deutsch geübt."

2015 absolvierte er dann bei creo, dem Druck und Medienservice der Mediengruppe Oberfranken, ein Praktikum und wurde dort im Januar 2016 fest angestellt. Drei Monate später konnte seine Frau Amira mit ihren zwei Töchtern und ihrem Sohn ebenfalls nach Deutschland kommen und die Familie baute sich hier ein neues Leben auf.

Mittlerweile arbeitet seine Frau im Hotel Krone in Lichtenfels und auch sein 17-jähriger Sohn bewirbt sich schon für nächstes Jahr für eine Ausbildung. Seine sieben- und 14-jährigen Töchter gehen noch zur Schule. "Meine Kinder fränkeln sogar etwas", meint Almerstany und lacht. Integration sei der Familie besonders wichtig gewesen: "Wir wollten nicht doppelt fremd sein." Es sei auch nicht schlimm gewesen, hier in Deutschland noch einmal neu anzufangen. "Wir haben zwar in Damaskus alles verloren, aber das können wir uns auch wieder aufbauen", sagt Almerstany.

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