Fasching ist für Robert Gratzl seit langem ein Thema. Der Visagist, der seit rund sechs Jahren am Obermain lebt und arbeitet, begibt sich selbst gerne ins ausgelassene Getümmel. Es gehört zu seinem Metier, anderen zu einem tollen Look zu verhelfen. Und im Fasching kann er da viel von seiner Kreativität einbringen. Der gebürtige Niederbayer verwandelte die Showtanzgruppe des Hofkirchener Faschingskomitees "Hofnarria" zu Vampiren und sorgte auch für das passende Make-up für ihren "Abbamania"-Auftritt. In seinen ersten Berufsjahren, als er noch als Erzieher in einem Kindergarten arbeitete, war Schminken natürlich auch ein Thema, denn Kinder lieben das. Im Erwachsenenalter trennen sich dann die Faschingsmuffel von den echten Narren, Karnevalisten, Fousenachtern oder wie sie regional auch immer heißen mögen. Robert Gratzl jedenfalls mag den Fasching, und FT-Redaktionspraktikantin Kristina Graf glücklicherweise auch. Damit ist sie prädestiniert für den Auftrag "Wie werde ich zum Tier in 20 Minuten?". Visagist Robert Gratzl ist sich sicher, dass auch Ungeübte so eine Verwandlung hinbekommen. Während er an Kristinas Gesicht arbeitet, gibt er Tipps und erklärt, worauf es ankommt, um den gewünschten Effekt zu erzielen.
Tipp Nummer 1: Frisches und sauberes Material verwenden und auf Qualität achten. Schminkstifte auf Fettbasis empfiehlt der Profi nicht. Die Maske verschmiert schnell, lässt sich auf Flächen nicht gut verteilen und kann bei manchen Pickelchen verursachen. Besser sind Aquacolors. Mit Glimmer kann man die Konturen veredeln. Auch hier lieber keine metallischen Billigprodukte kaufen, die Allergien auslösen könnten, sondern Polyester glimmer.
Tipp Nummer 2: Die Haut sollte möglichst fettfrei sein, damit die Farbe gut hält.
Tipp Nummer 3: Wer sich zum ersten Mal an ein Katzen- /Tiergesicht wagt und davon noch keine konkrete Vorstellung im Kopf hat, sollte die wesentlichen Merkmale auf einem Papier skizzieren. Beim Einsatz von Aquafarben kann man aber mit einem angefeuchteten Kosmetiktuch leicht korrigieren.
Tipp Nummer 4: Flächen um die Augen und den Mund mit einem Schwämmchen grundieren, in unserem Fall mit Weiß. Anschließend mit dem Pinsel in Schwarz Konturen setzen - zackig und nicht unbedingt symmetrisch, denn auch bei Tiergesichtern sind nie beide Seiten gleich. Augen umranden, Wimpern tuschen. Zuletzt ist die Nase an der Reihe.
Tipp Nummer 5: Bei einer jungen Dame darf's ruhig ein leuchtendes Rot und noch etwas Glimmer auf den Lippen sein, auch wenn sie als Katze lostigern möchte.
Tatsächlich ist die tierische Maske in 20 Minuten fertig. Mit einem dazu passenden, unifarbenen T-Shirt und Hose oder Leggings ist man schnell angezogen. Eine weiße Federboa wäre der Clou dazu. Die Farbe trocknet nach dem Auftragen rasch. Das Tiergesicht sollte auch am Ende der Faschingsveranstaltung noch genauso gelungen aussehen. Das Abschminken geht danach problemlos mit einer normalen Gesichtsreinigungslotion.
Für einen Auftritt im Fasching nehmen wohl die wenigsten die Dienste eines Visagisten in Anspruch. Es kommt aber vor. Aus einer Mappe zieht Robert Gratzl das Foto einer Frau, die er kunstvoll zur "Eisstatue" geschminkt hatte. Üblicherweise sind es aber dann doch eher alltagstaugliche Make-ups, für die der 31-Jährige verantwortlich zeichnet. Er stylt Modells für Modenschauen oder Werbeaufnahmen. Wie die junge Dame, die auf dem Prospekt eines heimischen Polstermöbelher stellers auf einem Sofa Platz genommen hat.

"Augen zum Strahlen bringen"


Hinter den perfekten Menschen, wie sie uns die Werbung präsentiert, steckt Aufwand. Manchmal werde auch am Computer mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogramms nachgebessert, verrät Gratzl. Auch Modells hätten nicht immer eine makellose Haut... Mit dem richtigen Make-up sei es aber möglich, Unebenheiten oder Akne, ja sogar Feuermale zu kaschieren, ohne angemalt zu wirken. Besonders wichtig sei das für Frauen, die sich auf ihre Hochzeit vorbereiten, aber auch bei Fotos für Bewerbungsmappen. "Ein gutes Make-up muss die natürliche Schönheit unterstreichen, die Augen zum Strahlen bringen", betont Gratzl. Vor so einem Auftrag ist es ihm wichtig, die Person zunächst einmal kennen zu lernen, um ihren Typ einschätzen zu können. Einfühlungsvermögen hält er für eine wichtige Voraussetzung in seinem Beruf, den er nun schon seit zwölf Jahren praktiziert. Seit zwei etwa Jahren hat er sein eigenes Studio in Lichtenfels. Seinen Kunden, überwiegend sind es Frauen, aber längst nicht nur junge, rät er , nicht jedem Trend hinterherzulaufen. Entscheidend sei doch, "das Leuchten von innen heraus" zu haben.
Und weil das ja auch etwas mit Lebensfreude zu tun hat, sind wir nun wieder beim Fasching. Da zieht es den Niederbayern gern ein wenig Richtung Süden. Den Fasching auf dem Münchner Viktualienmarkt findet er besonders schön. Natürlich lässt er sich selbst immer wieder eine neue Kostümierung einfallen. Heuer will er als Fußballer im Retro-Look gehen.