Ebensfeld
Projektwoche

Zirkus-Schulprojekt kam in Ebensfeld super an

In einer echten Manege lernten alle 199 Ebensfelder Grundschüler auf ganz spezielle Art fürs Leben.
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Der Zauber der Manege war bei den Auftritten in Ebensfeld während der Zirkus-Projektwoche spürbar.
Der Zauber der Manege war bei den Auftritten in Ebensfeld während der Zirkus-Projektwoche spürbar.
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Wenn Schüler "Zirkus" machen, ist das meist eher nicht im Sinne des Lehrers. Ganz anders jüngst in der Pater-Lunkenbein-Schule: Dort handelte es sich nicht um unerwünschte Turbulenzen im Unterricht, sondern um eine Projektwoche, wie sie wohl einmalig in einem Schülerleben sein dürfte. Schon allein deshalb, weil es außergewöhnlicher Mittel bedarf, um eine Aktion wie diese zu finanzieren: Ein echter Zirkus wurde engagiert, der mit den Kindern aller Jahrgangsstufen ein auftrittsreifes Programm entwickelte. Das unterstützten zwei heimische Kreditinstitute mit je 500 Euro, die Marktgemeinde Ebensfeld mit dem gleichen Betrag und der Elternbeirat mit 600 Euro. Die dann noch fehlende Summe wurde von den Müttern und Vätern mit drei Euro je Kind abgedeckt. Dafür arbeiteten die Zirkusleute - ein siebenköpfiges Team um Mariana und René Warkus vom Projektzirkus Hein aus Sachsen-Anhalt - eine Woche lang intensiv mit den Schülern.

Das Erlernte wurde den Familien in je zwei Vorstellungen pro Tag präsentiert. Da gab es magische und artistische Kunststücke zu sehen, die Staunen ließen. Auch kleinere Tier-Dressuren mit den Ziegen des Zirkus.

Sozialkompetenz fördern

Nachhaltiger und wichtiger dürfte aber der nicht sichtbare Erfolg dieser Projektwoche sein: eine Verbesserung des Miteinanders. Die Ebensfelder Schule hatte schon im vorigen Schuljahr in der Förderung der Sozialkompetenz einen Schwerpunkt gesetzt und möchte diesen Weg weiter beschreiten. Ob das Zirkusprojekt ein Teil davon bleibt, darüber wird das Lehrerkollegium in einer Konferenz, die für übermorgen angesetzt ist, entscheiden. Rektorin Ursula Schüßler fände das gut. Sowohl für ihre Kolleginnen als auch für die Kinder sei die Woche anstrengend gewesen. Man habe sich sehr konzentrieren müssen - es war auch ein ganz langer Tag dabei - aber es habe allen wirklich großen Spaß gemacht. "Es war noch nie so, dass so viele Eltern auf mich zugekommen sind und sich bedankt haben, weil es einfach ein besonderes Erlebnis war für die Kinder", stellt Schüßler fest. Mindestens zehn Eltern hätten sie angesprochen, angeschrieben oder angerufen. Eine außergewöhnliche Resonanz.

Dass es zwischendurch auch die ein oder andere Beschwerde gab, will die Schulleiterin nicht verhehlen. Auch nicht die kritische Anmerkung einiger Kolleginnen, denen der Kommerz eine zu große Rolle spielte, da das Zirkus-Team bei den Aufführungen Popcorn und Zuckerwatte sowie anschließend DVDs als Erinnerung anbot. Diesen Einwand sieht Schüßler entspannt, weil ja niemand zum Kauf verpflichtet gewesen sei. Der Zirkus mit seinen Mitarbeitern, Tieren und der Ausstattung müsse sich halt auch finanziell tragen. Insgesamt habe sie gerade im Nachgang begeisterte Rückmeldungen erhalten.

Entscheidung über Wiederholung

Es gibt Schulen, die diese Projektwoche alle vier Jahre veranstalten, damit jedes Kind so etwas in seiner Grundschulzeit mal erleben darf. Ob das auch für Ebensfeld in Frage kommt, wird noch zu entscheiden sein.

Der Kontakt zu dem Projektzirkus war, wie Ursula Schüßler berichtet, durch ein Telefonat zustande gekommen. Dessen Leiter selbst hatte die Möglichkeit unterbreitet - ein Anruf zur rechten Zeit, denn gerade war man daran, die zweite Sozialkompetenzwoche zu planen. "Ich fand seine Konzeption gut", sagt die Rektorin, vor allem wegen der jahrgangsübergreifenden Zusammenarbeit unter der Prämisse von gegenseitigem Respekt und Hilfsbereitschaft. Das wurde auch wie erwartet umgesetzt.

Es musste diszipliniert zugehen. "Die waren streng", hätten Kinder über die Zirkus-Leute erzählt. Für die Lehrerin beinhaltet diese Aussage einen guten Lerneffekt: Die Kinder hätten gemerkt, dass das nicht nur Spaß, sondern harte Arbeit ist. Für Teamchefin Mariana Warkus ist Strenge ein Teil des Erfolges. Sonst könne man in dieser kurzen Zeit kein Programm hinbekommen. Der Staatlich geprüften Artistin, die mit ihrer Ausbildung auf der Artistenschule in Berlin selbst pädagogische Fähigkeiten erlangt hat und seit 16 Jahren mit Schülern arbeitet, ist das Vermitteln von Verhaltensweisen für einen guten Umgang miteinander, Vertrauen, Eigenverantwortung, Sauberkeit und Ordnung sehr wichtig. "Klare Ansagen müssen sein." Mariana Warkus' Eindruck von der Veranstaltung in Ebensfeld war ein sehr guter. "Alle haben ordentlich zugehört und mitgemacht." Auch habe sie dort ein gastfreundliches Umfeld erlebt.

Die Unterstützung war vielfältig: Viele Väter haben beim Auf- und Abbau des Zeltes geholfen, etliche Eltern haben dem Zirkus Heu gespendet, Gemeinde und Bauhof haben unbürokratisch den Platz, Strom, Wasser und Manpower zur Verfügung gestellt.

Erfolgserlebnisse für jeden

Einen besonderen Aspekt der Projektwoche nennt Rektorin Schüßler zum Schluss: Das Zirkusprojekt hat es geschafft, alle so einzubinden, dass auch Kinder, die sich beim Lernen sonst eher schwer tun, etwas Tolles zeigen und leisten konnte. "Die waren total stolz." Erfolgserlebnisse also, für die sich der Aufwand gelohnt hat.

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