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Bad Staffelstein
Tourismus

Zimmer ohne Hürden sollen Gäste locken

Das Kurhotel Bad Staffelstein erhält das Zertifikat für Barrierefreiheit des VdK. Hoteldirektor Andreas Poth will seine Kollegen in der Gastronomie für das Thema sensibilisieren - auch aus wirtschaftlichen Gründen.
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Besichtigung der barrierefreien Toiletten: Hoteldirektor Andreas Poth (Mitte), Walter Mackert, Behinderten- und Seniorenbeauftragter (links), und Robert Alenikow, Berater vom VdK, wollen Gastronomen für das Thema "Senioren- und Behindertengerechtigkeit" sensibilisieren.
Besichtigung der barrierefreien Toiletten: Hoteldirektor Andreas Poth (Mitte), Walter Mackert, Behinderten- und Seniorenbeauftragter (links), und Robert Alenikow, Berater vom VdK, wollen Gastronomen für das Thema "Senioren- und Behindertengerechtigkeit" sensibilisieren.
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Manchmal sind es die kleinen Dinge im Leben, die einen weiter bringen. Andreas Poth, Direktor des Kurhotels an der Obermain-Therme in Bad Staffelstein, weiß das. Ob es der eine Zentimeter der Kante an der Eingangstür ist, oder die Höhe des Seifenspenders in der Dusche - Barrierefreiheit müsse nicht immer die große Umbaumaßnahme mit hohen Kosten bedeuten. Für den blinden Hotelgast, der an der Rezeption unterschreiben muss, hat man ganz einfach eine Schablone aus einer alten Kreditkartenhülle aus Platik gebastelt.

Poths Hotel ist jetzt vom Sozialverband VdK als barrierefreier Hotel- und Gastronomiebetrieb zertifiziert worden. Unter dem Motto "Tourismus für alle in Bayern" berät und prüft der VdK Betriebe, die barrierefreie Angebote machen wollen.
Beim Treffen mit Robert Alenikow, ehrenamtlicher Berater des Vdk, und Walter Mackert, Behinderten- und Seniorenbeauftragter der Stadt, geht es nicht nur um die Überreichung der Urkunde. Das Thema der Runde im Hotelrestaurant ist vielmehr die Situation der Barrierefreiheit in Bad Staffelstein im Allgemeinen.
"Barrierefreiheit ist ein wichtiger sozialer Gedanke, aber auch ein Faktor für den Tourismus, mit dem Geld zu verdienen ist", sagt Poth, der genauso wie Mackert und Alenikow für mehr Aufmerksamkeit für das Thema wirbt. Auf Grund der demografischen Entwicklung werde der Bedarf an senioren- und behindertengerechten Einrichtungen enorm steigen. Mackert betont, dass in den Köpfen schon viel passiert sei: "Wenn der Bauhof heute einen Bordstein neu macht, dann muss gar nicht erst der Auftrag gegeben werden, diesen nicht mehr so hoch wie früher zu bauen." Dennoch gebe es in Bad Staffelstein noch viel aufzuholen. Dies habe eine Umfrage des Kur- und Tourismus-Service der Stadt ergeben.

In detaillierter Kleinarbeit hat man dort eine Liste erstellt, welche Einrichtungen im Stadtgebiet barrierefrei sind. Eine Woche wurde telefonisch von fast 50 Hotels, Gaststätten, Cafés, Arztpraxen, Apotheken oder Bäckereien Informationen eingeholt. Die Feststellung: Es sind zwar alle abgefragten Einrichtungen ebenerdig zu erreichen, aber mehr als die Hälfte der Betriebe verfügt über kein behindertengerechtes WC. Das Kurhotel ist schon einige Schritte weiter. Insgesamt vier der 111 Zimmer sind nach der vorgeschriebenen Norm auf Menschen ausgerichtet, die aufgrund einer Gehbehinderung oder eines Rollstuhls mehr Platz benötigen. "Das Hotel erfüllt die vorhandenen Kriterien mehr als genug", betont der VdK-Berater. Für Poth handelt es sich bei dem Zertifikat auch um einen Wirtschaftsfaktor: "Mit den vier Zimmern kann ich rund 15 000 Übernachtungen im Jahr für Personen mit Behinderung anbieten, die sonst vielleicht nicht gekommen wären."

Seniorenberater Walter Mackert plant jetzt, den Aspekt der Barrierefreiheit im Tourismus noch mehr ins Bewusstsein der Staffelsteiner Geschäftsleute zu bringen. "Wir müssen Gastronomen, Ferienwohnungsbetreiber und Ladenbesitzer sensibilisieren. Auch dafür, dass Maßnahmen nicht nur Geld kosten, sondern Einnahmen generieren können."
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