Gleußen

Wo Wallenstein im Himmelbett übernachtete

In einem Zimmer der "Alten Post" in Gleußen übernachtete der Feldherr 1632. Das Bett, in dem er schlief, steht in einem seit langer Zeit unveränderten Raum.
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Artur Fischer sitzt auf dem Himmelbett, in dem 1632 der Feldherr Wallenstein übernachtete, als er mit seinen Soldaten durch den Itzgrund zog. Das Wallenstein-Zimmer befindet sich in Fischers historischem Anwesen in der Gleußener Ortsmitte. Foto: Matthias Einwag
Artur Fischer sitzt auf dem Himmelbett, in dem 1632 der Feldherr Wallenstein übernachtete, als er mit seinen Soldaten durch den Itzgrund zog. Das Wallenstein-Zimmer befindet sich in Fischers historischem Anwesen in der Gleußener Ortsmitte. Foto: Matthias Einwag
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Das Zimmer wirkt, als wäre der Generalissimus eben abgereist. Im September 1632 übernachtete hier Albrecht von Wallenstein - dem Kirchenbuch zufolge. Der Feldherr hatte kurz zuvor in Zirndorf bei Nürnberg eine Schlacht gegen König Gustav Adolf geschlagen und verfolgte daraufhin mit seinen Truppen die Schweden nach Norddeutschland. Die Straße durch den Itzgrund war damals eine wichtige Verkehrsader.

Am 23. September hatte Wallenstein sein Lager bei Zirndorf verlassen. Man kann davon ausgehen, dass er um den 24./25. September in Gleußen eintraf, um hier zu übernachten. Es könnte sein, dass er durch die in vielen Dörfern grassierende Pest veranlasst wurde, in Gleußen zu pausieren, wo die Seuche gerade nicht wütete.
In einem 1589 erbauten und 1603 erweiterten stattlichen Steinhaus mit Fachwerk-Obergeschoss in der Ortsmitte stieg er vom Pferd oder aus der Kutsche, um sich auszuruhen.

Wahrscheinlich - und der Überlieferung zufolge - schlief Wallenstein in jenem Himmelbett, das sich noch immer in dem holzgetäfelten Zimmer befindet. Die Zeit scheint hier stehengeblieben zu sein. Diese Wohn- und Schlafstube in der "Alten Post" wurde im Lauf der Jahrhunderte kaum verändert. Durch die bleigefassten Fenster fällt wenig Licht, die Holztäfelung lässt den Raum wie im Dämmerlicht erscheinen - ein Blick durchs Kaleidoskop in ein vergangenes Zeitalter.

Wenn wir heutigen Menschen diesen kleinen Raum betreten, müssen wir aufpassen, nicht mit dem Kopf an den Türrahmen zu stoßen. Das Bett selbst ist mit ungefähr 1,80 Metern ebenfalls auf die Körpergröße der damaligen Menschen bemessen. Die genaue Größe Wallensteins ist zwar nicht bekannt, wohl aber, dass er weder außerordentlich groß gewachsen war noch sich in äußerer Erscheinung durch besondere Haltung auszeichnete. Es ist also durchaus realistisch, dass sich der Herzog von Friedland in diesem Himmelbett wohl fühlte - zumal er eine anstrengende Tagesetappe in der Kutsche oder auf dem Pferd hinter sich gebracht haben dürfte.


Stube wird nicht bewohnt

Heute ist die Bettstatt nicht mehr mit Stroh gepolstert wie es zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs üblich war. Ein Federbett bauscht sich in dem Alkoven auf. Die Vorhänge zu beiden Seiten sind als Zierde erhalten geblieben. Einst waren sie notwendig, um die Schlafstelle warm zu halten, sie abzuschotten gegen Zugluft und Frost. Der Bettkasten lasse sich ausziehen, so dass das Bett breiter und bequemer werde, erzählt Artur Fischer (71), dessen Familie seit 1950 in dem Haus lebt. Wann zuletzt jemand in diesem Bett übernachtet hat? Artur Fischer lächelt. "Früher haben die Kinder immer mal drin geschlafen", sagt er, doch seit langem sei das Bett ungenutzt.
Artur Fischer zeigt das Zimmer nach vorheriger Absprache gern interessierten Besuchern. In den vergangenen Jahren seien es aber nur wenige gewesen, die anfragen, ob sie Wallensteins Lager einmal ansehen dürfen.

Wie es mit Wallenstein und König Gustav Adolf weitergegangen ist? Beide hatten nicht mehr lang zu leben. Der kaiserliche Generalissimus verfolgte mit seinen Soldaten die Truppen des schwedischen Königs und umgekehrt. Am 28. September fiel die Veste Coburg in die Hände der Kaiserlichen. Und am 16. November 1632 trafen sich die beiden Feldherren in der Schlacht von Lützen, in der Gustav Adolf sein Leben ließ. Wallenstein wurde am 25. Februar 1634 in Eger ermordet. Sowohl in Lützen als auch in Eger wird in Museen an die beiden Haudegen und die Schlachten des Dreißigjährigen Kriegs erinnert.

Abgesehen von Burgen gehört ein authentisch erhaltenes Zimmer aus dem 17. Jahrhundert wie das in Gleußen zu den Geheimtipps für Geschichtsinteressierte.

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