Lichtenfels
Kinder

Wo die Kleinsten die Größten sind

Heute eröffnen Lina Maier, Sandra Müller und Gratia Marr-Fischer ihr Zwergencafé. Die Idee entstand, weil sie alle viel mit Kindern zu tun haben und die Probleme der Eltern kennen.
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Sandra Müller, Gratia Fischer-Marr und Lina Maier (vorne von links) erwarten mit ihrem  Team heute von 9 bis 18 Uhr ihre ersten kleinen und großen Gäste im Zwergencafé in der Bamberger Straße 33. Foto: privat
Sandra Müller, Gratia Fischer-Marr und Lina Maier (vorne von links) erwarten mit ihrem Team heute von 9 bis 18 Uhr ihre ersten kleinen und großen Gäste im Zwergencafé in der Bamberger Straße 33. Foto: privat
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Im Leben vom Lina Maier, Sandra Müller und Gratia Marr-Fischer stehen Kinder im Mittelpunkt. Heute eröffnen die drei Frauen das Zwergencafé. Ein Ort, an dem sich Kinder und Eltern wohl fühlen sollen. Mit kleinen Kindern in ein "normales" Lokal gehen? Das ist Stress pur für die Eltern, missbilligende Blicke der Erwachsenen an den Nachbartischen inklusive.
Das wissen Sandra Müller und Gratia Marr-Fischer aus eigener Erfahrung. Vier Kinder im Jugendalter hat die eine, drei erwachsene Söhne die andere. Warum gibt es eigentlich kein Café mit großem Spielbereich für die Kinder? Ein Café, wo keiner schimpft, wenn mal ein Kind schreit oder der Tisch schwimmt.
Andere Städte haben Kindercafés, Lina Maier hat ein großes Haus in Lichtenfels. Schnell war die Idee zum Zwergencafé geboren. Aber bis zur Eröffnung war es ein langer Weg.
Vor knapp einem Jahr fand einer der drei Ehemänner ein Angebot im Internet. In der Nähe von Frankfurt verkauft ein Kindercafé das gesamte Inventar. Ein paar Telefonate nach Hessen führen, ein paar Verwandte und Freunde als Helfer organisieren, ein Lkw, ein Anhänger, los ging es. Das war am 23. Dezember 2011. "Gegen Mitternacht luden wir die letzten Sachen aus dem Laster aus, schauten uns die Berge an Möbeln und Spielsachen in unserem noch nicht renovierten Zwergencafé an und dachten: ,Schöne Bescherung'." Am nächsten Tag war Heiligabend. "So wie damals, so ist die ganze Vorbereitungszeit gelaufen", sagt Lina Maier. "Ohne unsere Familien und unsere Freunde, die uns immer Mit gemacht haben und mit anpackten, hätten wir das nie geschafft." Und ohne die Begeisterung, die man den drei Frauen ansieht, auch nicht.
Vor zwei Jahren eröffneten Sandra Müller und Lina Maier die Großtagespflege "home sweet home" in der Bamberger Straße. Kennen gelernt hatten sich die beiden bei der Ausbildung zur Tagesmutter, die das Landratsamt anbietet. Heute betreuen sie gemeinsam acht Kinder. "So kamen wir überhaupt erst auf die Idee mit dem Café", sagt Sandra Müller.
Jeden Tag Gespräche mit den Eltern, die ihre Kinder bringen und abholen und erzählen, was sie auf dem Herzen haben. Kaum eine Laden- oder Praxistür ist breit genug für einen Zwillingswagen. Was tun, wenn Mama zum Frisör, zum Arzt, in die Lehrersprechstunde eines Geschwisters gehen will? Wie kriegt man einen Kindergeburtstag hin, wenn man Kinder hat und einen Säugling stillt?
So entstand das Konzept für das Zwergencafé. Für die Kleinsten gibt es einen großen Teppich mit Spielsachen. Für die Größeren ein Bällebad und einen Kletterbereich. Erstklässler finden hier sicher noch etwas zum Spielen. Und die Mütter können Kaffee trinken und sich unterhalten. Am Tag vor der Eröffnung zickt zwar noch der Milchschäumer, aber Gratia Fischer-Marrs Ehemann stellt ihn richtig ein. Lina Maiers Mann ist Fliesenleger und half natürlich auch mit. Sandra Müllers Mann Rolf kümmert sich um den Papierkram und zwei Töchter der beiden testen die Schminke, die heute zur Eröffnung beim Kinderschminken verwendet werden soll.
Zwei strahlende Clowns hüpfen die Treppe herunter. "Die taugt was", sagen sie. "Wir sind hier ein Mehrfamilien- und ein Mehrgenerationen-Unternehmen", lacht Gratia Fischer Marr. Sie wird das Zwergencafé als Geschäftsführerin leiten und bietet - ebenfalls als ausgebildete Tagesmutter - Themengeburtstage an. Ob Piraten, Zwerge, Clowns, Indianer, Prinzessinnen: Gratia hat passende Verkleidungen, Spiele, Tortenrezepte und Dekorationen schon vorbereitet. "Bei uns sollen sich die Kinder wohl fühlen", sagt sie. "Und sie sollen wissen: Hier kann ich so sein wie ich bin."
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