Bad Staffelstein
Prävention

Wo der Genuss endet und die Sucht beginnt

Peter Stenglein, Suchtkoordinator der oberfränkischen Polizei, sprach in Bad Staffelstein beim Gesundheitstag der Polizei über Alkoholmissbrauch. Ein Thema, das viele betrifft und mit dem Polizeibeamte häufig zu tun haben.
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Wo endet der Genuss und wo beginnt der Missbrauch von Alkohol? Dieser Frage ging Peter Stenglein, der Drogenspezialist der oberfränkischen Polizei, bei seinem Referat nach. Archivbild: Matthias Einwag
Wo endet der Genuss und wo beginnt der Missbrauch von Alkohol? Dieser Frage ging Peter Stenglein, der Drogenspezialist der oberfränkischen Polizei, bei seinem Referat nach. Archivbild: Matthias Einwag
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"Süchtig wird man, indem man es nicht merkt", sagt Peter Stenglein. Es sei ein schleichender Prozess, der jemanden zum Alkoholiker werden lässt. Die Betroffenen selbst weigern sich meist, ihre Abhängigkeit zu erkennen und sie als Sucht zu bezeichnen. Bei Süchtigen ist der Verdrängungseffekt sehr stark ausgeprägt.

"Alkohol ist dein Sanitäter in der Not / Alkohol ist dein Fallschirm und dein Rettungsboot / Alkohol ist das Drahtseil, auf dem du stehst..." Der Songtext von Herbert Grönemeyer ist jedem bekannt. Weniger bekannt sind die gesundheitlichen Folgen, die regelmäßiger Alkoholmissbrauch mit sich bringt. Über die Risiken des übermäßigen Konsums alkoholischer Getränke klärt Peter Stenglein seine Kollegen beim Gesundheitstag der Polizei in der Staffelsteiner Adam-Riese-Halle auf. Der 48-Jährige, der viele Jahre in der Drogenprävention gearbeitet hat, geht auf das Warum und das Wie ein. Warum wird jemand alkohol- oder drogenabhängig? Und was eigentlich ist Missbrauch? Bei welchen Mengen wird der Alkoholkonsum zu einem Problem? Scherzhaft formuliert: "Bei zwölf Seidla aufm Deckel im Wirtshaus müsste auch der Letzte kapieren, dass es ein bisschen zu viel ist."

Einstiegsalter liegt bei 13 Jahren

Jugendliche seien besonders gefährdet, von einer Droge abhängig zu werden, sagt Stenglein. Das Einstiegsalter beim Alkoholkonsum liege heute bei ungefähr 13 Jahren. In der Regel seien es immer dieselben Indikatoren, die bei Jugendlichen zur Sucht führen. Familiäre Faktoren wie die Scheidung der Eltern oder Alkoholabhängigkeit des Vaters seien hier zu nennen - aber auch fragwürdiges Freizeitverhalten, das über den normalen Konsum in einer experimentellen Phase des Lebens hinausgehen. Das Komasaufen bei Teenagern habe in den vergangenen Jahren stetig abgenommen, "aber wenn sie saufen, dann richtig". Dabei habe er festgestellt: "Es sind immer dieselben Probanden."

Erich Günther, der Leiter der Polizeiinspektion Lichtenfels, bestätigt das: "Die Exzesse sind zurückgegangen - wir haben aus polizeilicher Sicht wenig Probleme." Eine Drogenszene gebe es im Kreis Lichtenfels nicht. Polizeilich aktenkundig würden lediglich die Kontrolldelikte - also jene Drogen, die etwa bei Verkehrskontrollen gefunden werden. Meistens sei das Marihuana, Crystal Meth werde nur selten sichergestellt.

Peter Stenglein schränkt ein: "Wir wissen nicht, was zu Hause abgeht", denn viele Drogengeschäfte würden online über das Darknet abgewickelt. Doch auch über den "Ameisenhandel", also den illegalen Straßenhandel mit Drogen, würden Geschäfte abgewickelt.

Vernünftig mit Alkohol umzugehen, ist für Peter Stenglein ein zentraler Punkt. Denn Alkohol sei eine Einstiegsdroge, die den Konsum anderer Substanzen einleitet. In einer Familie, sagt er, sollten bei der Erziehung von Kindern die "Drei Goldenen Z" vorhanden sein: Zuneigung, Zeit und Zärtlichkeit. Sei dies der Fall, dann ist alles im grünen Bereich.

Fliegenfischen bis Meditation

Der Gesundheitstag der oberfränkischen Polizei fand zum heuer achten Mal in Bad Staffelstein statt. Die Kurstadt mit ihren zahlreichen Freizeit- und Sporteinrichtungen ist dafür besonders gut geeignet. Polizeihauptkommissar Jürgen Hagel und sein achtköpfiges Team hatten ein Programm aus 61 Referaten, Vorträgen und Fitnessangeboten zusammengestellt: Vom Fliegenfischen über Klangschalen-Entspannung, Yoga und Aqua-Gymnastik bis zum meditativen Stressabbau.

Damit die Work-Life-Balance gewahrt bleibt, werde dieser Gesundheitstag ausgerichtet, erklärt Polizeivizepräsident Udo Skrzypczak. Belastungen durch die zunehmende Arbeitsverdichtung sowie die kürzer werdende Halbwertzeiten bei Neuerungen und Änderungen im Beruf erforderten dies. Jeder sollte darauf achten, mit Belastungen richtig umzugehen und sie nicht ins Privatleben hineintragen.

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