Kloster Banz
Umbau

Wo Äbte und Staatschefs wohnten

Die Hanns-Seidel-Stiftung ließ die bisherige "Franz Josef Strauß-Suite" im Bildungszentrum Kloster Banz zu einem modernen Seminarraum umgestalten.
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Historische und moderne Stilelemente kombiniert - das macht den Reiz des neuen Seminarraums aus.Matthias Einwag
Historische und moderne Stilelemente kombiniert - das macht den Reiz des neuen Seminarraums aus.Matthias Einwag
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Es riecht nach frischer Farbe in der "Franz Josef Strauß-Suite", in deren Zentrum sich nun ein moderner Seminarraum mit 20 Plätzen befindet. Die Räume an der Nord-Ost-Ecke des Klostergebäudes bieten eine besonders schöne Aussicht aufs Maintal mit Vierzehnheiligen und dem Staffelberg. Einst befanden sich hier die Wohnräume des Abtes. In den vergangenen Jahren stand die Suite größtenteils leer - sie war Staats- und Regierungschefs vorbehalten, die hin und wieder in Banz übernachteten.

"Unsere Intention war, einen kleinen Konferenzraum zu schaffen", sagt Michael Möslein, Verwaltungsleiter des Bildungszentrums Banz der Hanns-Seidel-Stiftung. "Die Nachfrage nach Seminaren ist ungebrochen", fährt er fort, "so dass wir diese Räume dringend brauchten." In Banz finden Veranstaltungen statt, an denen zwischen acht und 400 Personen teilnehmen. Rund 80 Prozent dieser Seminare belege die Stiftung selbst mit gesellschaftspolitischen Veranstaltungen, die restlichen 20 Prozent würden von Firmen oder Verbänden gebucht.

Anforderungen im Wandel

Heute sei es nicht mehr gewünscht, dass die Teilnehmer eines Seminar in einem einzigen Raum bleiben, sagt Michael Möslein. Arbeitsgruppen und Rollenspiele erforderten einen höheren Platzbedarf, was auch zu einem permanenten Mehraufwand bei der Betreuung durch das Personal führe. Derzeit seien im Bildungszentrum 60 Mitarbeiter beschäftigt, darunter fünf Auszubildende.

Die bisher weitgehend ungenutzte "Franz Josef Strauß-Suite" war deshalb mit großer Unterstützung der Vorsitzenden, Prof. Ursula Männle, umgestaltet worden. Die starke Auslastung der vergangenen Jahre in Banz halte weiter an. Michael Möslein: "Wir erwarten in diesem Jahr zwischen 38 000 und 40 000 Teilnehmertage."

Mehr als 700 Veranstaltungen finden pro Jahr in Banz statt, und rund 7000 Menschen nehmen jährlich an Führungen durch die ehemalige Klosteranlage teil.

Die umgestalteten Räume an der Nord-Ost-Ecke seien eine Mischung aus Moderne und Nostalgie. Ein 42-Zoll-Vorschaumonitor in der Mitte des Raumes und ein 75-Zoll-Wandmonitor ermöglichen es allen Seminarteilnehmern gleichzeitig, auf die Videos oder Folien zu schauen - ohne dass einige sich die Hälse verrenken müssen. Zeitgemäße LED-Leuchtelemente und der klassische Kristalllüster harmonieren wunderbar miteinander. Eine kleine Teeküche im Vorraum ermöglicht es dem Gastronomieteam, den Seminarteilnehmern kleine Mahlzeiten zu servieren.

Geblieben ist im Nebenraum das riesige Doppelbett, in dem Franz Josef Strauß vor 35 Jahren übernachtete und in dem auch Helmut Kohl einst schlief. Dieser historische Raum wurde bewusst so belassen, doch die flankierenden Sanitäranlagen wurden an die Erfordernisse der Zeit angepasst.

Hommage an FJS

Der Name "Seminarraum Franz Josef Strauß" sei mit voller Absicht gewählt, erklärt Michael Möslein, der sich gut daran erinnert, dem Landesvater 1984 hier fränkisches Bier kredenzt zu haben. Strauß sei maßgeblich daran beteiligt gewesen, dass die Hanns-Seidel-Stiftung einst Banz übernahm. In seiner Eröffnungsrede 1983 habe Strauß dafür plädiert, diesen Ort unweit der damaligen Zonengrenze zum Bildungszentrum auszubauen, um nach dem Untergang des Kommunismus gut aufgestellt zu sein und Demokratieförderung aktiv zu betreiben.



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