Während heute unten auf dem Korbmarkt die Menschen auf die Krönung der neuen Korbstadtkönigin warten, wird oben im Landratsamt in der Kronacher Straße ein leiser Abschied ablaufen.
In einem kleinen, geschlossenen Kreis wird Reinhard Leutners 70. Geburtstag begangen, gleichzeitig findet sein offizieller Abschied aus dem Amt statt. Elf Bürgermeister als Vertreter der Landkreisgemeinden und die Vorsitzenden der Fraktionen im Kreistag sind zu diesem Empfang geladen, den Landrat Christian Meißner ausrichtet.

Unglück im Mai 2011

Leutner war im Mai vergangenen Jahres verunglückt. Er hatte eine Gehirnblutung erlitten und war vor seiner Tür gestürzt. Dabei zog er sich schwere Kopfverletzungen zu. Seine Genesung zog sich über Monate hin, mit Rücksicht auf seinen nicht wieder hergestellten Gesundheitszustand findet die Feier in kleinem Rahmen statt. Leutner hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, Freunde und politische Weggefährten pflegen aber immer noch einen regen Kontakt zu ihm.
Man könnte viele Menschen fragen, wie sie ihn in Erinnerung haben. In den 18 Jahren als Landrat und zuvor 21 Jahren als Bürgermeister in Bad Staffelstein wuchs bei ihm die öffentliche und private Person zusammen.
Denn es war auch sein Auftreten und sein Charakter, der zum Erfolg seiner Projekte beitrug. Unsere nicht repräsentative Umfrage ergab am Ende doch ein umfassendes Bild eines Menschen, der mit seiner politischen Arbeit viel bewegt hat.
"Er hat sichtbare Spuren hinterlassen. Da braucht ihm kein Denkmal gesetzt zu werden", sagt Gertrud Moll-Möhrstedt, die Geschäftsführerin von Moll-Batterien in Bad Staffelstein, deren Firma nur wenig entfernt von seinem privaten Anwesen liegt. "Ich schaue öfter bei ihm vorbei, er hat seien Schalk behalten und kann immer noch lachen. Seine Willenskraft hat ihn ein Leben lang ausgezeichnet." Und trage ihn auch jetzt in dieser schweren Zeit.
An Leutner habe sie immer sein absolutes unternehmerisches Denken geschätzt. Das sehe man auch daran, was er als Bürgermeister von Bad Staffelstein und als Lichtenfelser Landrat auf die Beine gestellt habe. "Er hat nie den bequemen Weg genommen, sondern den, der für die Region der richtige war." Dabei habe er großen Weitblick beweisen, sagt Moll-Möhrstedt und spielt dabei besonders auf die Entwicklung der Obermain-Therme und des Lichtenfelser Krankenhauses an.
Auf einen Aspekt, der weniger im öffentlichen Fokus stand, weist der Leiter des Amtsgerichtes Lichtenfels, Richter Armin Wagner, hin. "Reinhard Leutner war für Jugendhilfemaßnahmen immer aufgeschlossen."
Es sei nicht zuletzt seinen guten Verbindungen zu verdanken, dass sich in Lichtenfels ein bayernweit einmaliges Hilfsprojekt wie "Meilenstein" habe entwickeln können. Das sei in der öffentlichen Wahrnehmung etwas untergegangen.
Der Lichtenfelser Polizeichef Willibert Lankes erinnert sich an den Alt-Landrat als einen Menschen, der in seiner politisch aktiven Zeit sich als praktisch denkender Mensch präsentiert habe, der kein Freund großer Rede-Runden war, sondern Ergebnisse sehen wollte. "Da war er dann auch mal ungeduldig." Ein großes Erinnerungsvermögen und ein gutes Gedächtnis für Namen habe ihm bei seiner Arbeit sehr geholfen. "Und er hat den politisch anders Denkenden immer respektiert." Leutner habe immer versucht, alle bei Entscheidungen mit ins Boot zu nehmen und niemanden auszugrenzen. "Bei Projekten wie dem Fifty/Fifty-Taxi hat er zudem gezeigt, dass er auch noch als älterer Mensch die Sprache der Jugend versteht."
Emmi Zeulner, ehemalige Korbstadtkönigin und heute bei den Jungen Bürgern im Lichtenfelser Kreistag und Stadtrat aktiv, nennt das Wort gleich mehrmals: "Ja, er was so etwas wie ein Grandseigneur."
Man habe immer gemerkt, welche große politische Erfahrung er sich angeeignet hatte.
Er habe immer ein Gespür für politische Stimmung gezeigt. "Die Gedanken der Menschen hat er immer gut aufgenommen und konnte auch einen großen Saal gut unterhalten."
Und er sei ein Visionär gewesen, der auch am Ende seiner Amtszeit immer noch hart gearbeitet habe.
Winfred Bogdahn, ehemaliger Bürgermeister von Lichtenfels und heute Mitglied im Lichtenfelser Kreistag und Stadtrat für die SPD, lobt Leutner als einen "fachlich sehr guten Landrat". "Als ich als Bürgermeister das Jugendzentrum in Lichtenfels durchbringen wollte, bekam ich von ihm als Fraktionsvorsitzenden der Kreistags-CSU die Unterstützung dafür." Viele weitere solche Erlebnisse würden ihn immer noch mit ihm verbinden. "Er hat es gut verstanden, Entscheidungen durch menschliche Dinge positiv zu gestalten."

Handfest und zupackend

Handfest zupackend, geschickt im politischen Tagesgeschäft habe Leutner als Landrat agiert. Und was Winfred Bogdahn am meisten am Alt-Landrat in der politischen Arbeit schätzte: "Er war verlässlich. Was er gesagt hat, hat auch gegolten."