Kloster Banz
Baumriesen

Wie Sie den Wald noch nicht gesehen haben

Hermann Hacker beurteilt den Wert des Waldes nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Bei einem Spaziergang führt er zu faszinierenden alten Bäumen.
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Hermann Hacker, Förster im Ruhestand, führt zu faszinierenden Baumriesen im Forst nahe Kloster Banz. Popp
Hermann Hacker, Förster im Ruhestand, führt zu faszinierenden Baumriesen im Forst nahe Kloster Banz. Popp
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Sein Traumberuf Förster war für Hermann Hacker nicht immer ein Traum. Weil der Wald in Deutschland in erster Linie Wirtschaftswald ist, musste er selbst sein Tun zumeist nach ökonomischen Gesichtspunkten ausrichten. Sein Denken und Fühlen hat das höchstens noch verstärkt: "Ich liebe die wilde Natur." Der Mensch hingegen teile die ganze Welt in Grundstücke ein und betrachte die Natur nur mit Dollarzeichen in den Augen. "Sobald ein Baum nicht mehr wächst, gilt er als hiebsreif. Man stelle sich das mal vor: Da wäre bei uns Menschen mit 20 Jahren das Leben vorbei!" - So hört sich der trübe, melancholische Einstieg zu unserem Rundgang an diesem sommerlichen Morgen an.
Vom Parkplatz am Kloster Banz aus sind es nur wenige Schritte bis ins satte Grün, das eine Ahnung gibt von dem natürlichen Ur-Wald, wie er nicht mehr existiert. Hier findet man sie noch, die Baumriesen, 250 Jahre alt und Ehrfurcht gebietend. Sie standen schon, als Herzog Max in Bayern, der spätere Eigentümer, noch nicht geboren war. Seine Tochter Sisi ist sicher einem weit größeren Teil der Landkreisbevölkerung ein Begriff als die heutigen Eigentümer des mehr als 850 Hektar großen Areals. Die adelige Familie hat eine eigene Forstverwaltung mit offensichtlich anderer Einstellung eingesetzt: "Die Wittelsbacher wollen das erhalten", stellt Hermann Hacker anerkennend fest.
Demnächst wird er wieder als Angebot der Kultur-Initiative Bad Staffelstein zu den alten Bäumen führen. Der Rundgang, den er seit etwa zehn Jahren jeden Sommer anbietet, zieht regelmäßig Interessierte an. Da wird schon mal ein Baum umarmt oder als Kraftort definiert. Da blickt aber auch der ein oder andere von den imposanten Wurzeln zur Krone eines solchen Baumriesen hinauf und fragt in die Runde: "Wie viele Festmeter hat der?" Naturliebe, die hoffen ließe, auf der einen Seite, und auf der anderen dann doch wieder das Rechnen...
Sogar mit einer halbseitigen, wüsten Verletzung durch Blitzeinschlag könne so eine zweihundertjährige Buche wohl noch weitere hundert Jahre überstehen, meint der Forstexperte. Doch selbst ein kerngesundes Prachtexemplar unterliegt keinem besonderen Schutz. "Es gibt da keine Handhabe." Niemand könne den Eigentümer zwingen, so einen Baum zu erhalten, der - wirtschaftlich gesehen - nutzlos sei. Es müsse mehr Wald aus der Nutzung genommen und zu Schutzgebieten gemacht werden, sagt Hacker, der sich mit seiner Sichtweise einer Minderheit zugehörig glaubt. Frust schwingt in diesen Feststellungen mit.
Als Naturdenkmale gelten die Baumriesen im Banzer Wald nicht. Solche geschützten Bäume, vielfach Dorflinden, gibt es an die 240 im Landkreis. Die Anerkennung als Biotopbaum, bestätigt durch eine kleine Plakette an der Rinde, geht mit einem befristeten Bestandschutz einher. Zwölf Jahre - nur ein Moment im Dasein dieser Buche.
Die Faszination, die ein solcher Baum ausübt, daran möchte der Förster im Ruhestand weiterhin andere teilhaben lassen. "Ein Baum ist ein Lebewesen", unterstreicht er. Eines, über das es noch Grundlegendes zu forschen gäbe. Ein Baum könne beispielsweise die Temperatur genau feststellen. Er treibt erst bei bestimmten Graden aus. Er hat auch so etwas wie ein Gleichgewichtsorgan. Hermann Hackers Schilderungen sind jetzt von Begeisterung getragen. Eine Stunde ist da schnell vorbei und hält doch noch lange nach.


Einladung zum Rundgang

"Faszination alte Bäume" - eine Veranstaltung der Kultur-Initiative Bad Staffelstein (KIS), Leitung Hermann Hacker; Termin: Sonntag, 17. Juni, 14 Uhr, zirka 1,5 Stunden, Treffpunkt am Eingang des Parkplatzes oberhalb von Kloster Banz.
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